ACEA: Europas Pkw-Markt brummt

Diesel in vielen europäischen Ländern unter Druck

| Autor: Christoph Baeuchle

Sattes Plus im ersten Halbjahr: Die europäischen Neuzulassungen steigen um 4,6 Prozent.
Sattes Plus im ersten Halbjahr: Die europäischen Neuzulassungen steigen um 4,6 Prozent. (Bild: Audi)

Trotz weniger Verkaufstagen in mehreren Länder ging es im Juni auf dem europäischen Neuwagenmarkt leicht aufwärts: Laut dem europäischen Herstellerverband ACEA legten die Neuzulassungen europaweit (EU plus Efta) um 2,1 Prozent auf mehr als 1,5 Millionen Pkws zu. Damit verbuchten die Pkws im ersten Halbjahr ein sattes Plus: Um 4,6 Prozent stiegen die Neuzulassungen auf knapp 8,5 Millionen Einheiten. Die einstige Krise ist inzwischen überwunden, europaweit haben die Märkte das Vorkrisenniveau erreicht.

Für EY-Partner Peter Fuß ein klares Signal: „Die Zeiten, in denen alle großen Märkte in Europa sich im Gleichschritt nach oben bewegt haben, sind vorbei. Großbritannien schwächelt auf hohem Niveau, und in Deutschland geht es nur noch in kleinen Schritten voran – in den ehemaligen Krisenländern Spanien und Italien hingegen bleibt der Aufwärtstrend intakt. Und auch Osteuropa bleibt ein Wachstumsmotor.“

Das zeigen die aktuellen Zahlen für Juni: Von den größeren EU-Ländern verzeichneten im Juni vor allem Italien (+12,9 %), Polen (+8,6 %), Spanien (+6,5 %) und die Niederlande (+5,2 %) nennenswerte Wachstumsraten – immerhin 5 der 28 Märkte lagen im Juni allerdings im Minus. Mit Deutschland (-3,5 %) und Großbritannien (-4,8 %) sind gleich zwei Top-5-Länder zuletzt kräftig im Minus.

Doch während Deutschland (+3,1 %) im ersten Halbjahr noch ein Plus ausweisen kann, gab der britische Markt in den ersten sechs Monaten um 1,3 Prozent nach. Die Neuzulassungen auf Privatpersonen sanken sogar um knapp 5 Prozent – ein Zeichen für ein insgesamt rückläufiges Konsumentenvertrauen.

Doch dies ändert nichts an den nach wie vor positiven Rahmenbedingungen: Die insgesamt guten Konjunkturaussichten, eine weiter sinkende Arbeitslosigkeit, günstige Finanzierungsmöglichkeiten und ein hoher Ersatzbedarf gerade in den südeuropäischen Ländern sorgen nach Einschätzung von EY-Partner Fuß immer noch für einen steigenden Neuwagenabsatz. „Doch die Dynamik wird im zweiten Halbjahr weiter nachlassen, sodass wir für das Gesamtjahr mit einem Wachstum um die vier Prozent rechnen.“

Zu schaffen macht den Herstellern und Händlern die Dieselentwicklung, nicht nur in Deutschland. In den fünf größten Absatzmärkten – Deutschland (-18,6 %), Großbritannien (-14,7 %), Frankreich (-7,7 %), Italien (+13,6 %) und Spanien (-8,9 %) – sanken die Neuzulassungen von Selbstzündern im Juni insgesamt um acht Prozent, der Marktanteil ging um 4,5 Punkte auf 46,1 Prozent zurück. In den kommenden Monaten und Jahren wird der Absatz von Dieselfahrzeugen weiter unter Druck bleiben, erwartet Fuß: „Die Hiobsbotschaften beim Thema Diesel reißen nicht ab.“

In den anderen Ländern und Regionen entwickeln sich die Verkäufe sehr unterschiedlich. Während China (+3,1 %) leicht im Plus ist, gehen die Verkäufe in den USA (-3,2 %) etwa gleich stark zurück. Ähnlich entwickelten sich auch Brasilien und Indien: Während der brasilianische Light-Vehicle-Markt (+13,7 %) kräftig zulegte, ging die Nachfrage in Indien (-11,2 %) nahezu in gleicher Stärke zurück.

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