Audi bleibt Händlern Antworten auf Vertriebsfragen schuldig

Audi-Chefkonferenz in Frankfurt ohne konkrete Aussagen

| Autor: Andreas Grimm

(Bild: Grimm / »kfz-betrieb«)

Die Emotionen im Audi-Händlernetz kochen hoch nach Bekanntwerden der Konzernpläne, den Automobilvertrieb deutlich zu verändern. Audi hätte auf der „Chefkonferenz“ für die Inhaber und Geschäftsführer der Partnerbetriebe am Freitag in Frankfurt am Main die Chance gehabt, die Händler wieder zu beruhigen, doch letztlich blieben Kopfschütteln und Frustration, wie ein Teilnehmer die Gemütslage beschreibt. Ein anderer VW- und Audi-Partner berichtete von „eisiger Stimmung“ – die Veranstaltung sei von Ärger und Sorgen bei den Händlern sowie von Beschwichtigungsversuchen von Seiten des Herstellers geprägt gewesen. „Ich habe die Veranstaltung genauso schlau verlassen, wie ich sie betreten habe“, so der Händler. Ein solches Ergebnis hatten einige Audi-Partner wohl schon befürchtet und waren nach Informationen von »kfz-betrieb« erst gar nicht angereist.

Zu Beginn der Veranstaltung, die gemäß der Tagesordnung nur zum Teil die Neugestaltung des Vertriebs betraf, hatte es fast noch so ausgesehen, als wolle der Hersteller gar nicht mehr auf die Veränderungen im Vertrieb eingehen. Audi-Vertriebschef Martin Sander kritisierte das Rundschreiben des VW- und Audi-Händlerverbands als Vertrauensbruch, weswegen sogar erwogen wurde, die Informationen zum Vertrieb zu verschieben.

So weit ging der Hersteller letztlich zwar nicht, blieb jedoch in der Sache offenbar wortreich an der Oberfläche. Roswitha Rommel, Leiterin Vertriebsorganisation Deutschland, und Alexander Schuhmacher, Regionalleiter Süd, präsentierten „strategische Herausforderungen für den Handel“, die in neuen Händlerverträgen abgebildet werden müssten. Die identifizierten Veränderungen waren für die Anwesenden ein eher geringer Erkenntnisgewinn, denn die Themen Multichannel-Vertrieb, Professionalisierung des Flottengeschäfts, neue Mobilitätskonzepte und Elektrifizierung beschäftigen die Händler schon länger und intensiv.

Audi zieht daraus allerdings den Schluss, dass auf den Wandel der Kunden ein Wandel im Vertrieb folgen müsse. Beispielsweise müssten Kundendaten zentral gepflegt werden, um den Audi-Fahrer jederzeit bedienen zu können – egal ob er nun beim Händler, in einer Audi-City oder im Internet unterwegs ist.

Entsprechend sind die bisherigen Händlerverträge aus Herstellersicht nicht mehr zeitgemäß. Zwar soll es dem Vernehmen nach grundsätzlich keine Ausdünnung des Netzes geben, aber eben Vertragsanpassungen. Zu einem vertraglichen Grundgerüst sollen dann so genannte Sideletters kommen, Zusatzabkommen mit individuellen Regelungen für die einzelnen Händler. Die wären dann allerdings mit kurzen Fristen veränder- oder auch kündbar. Detaillierte Aussagen blieben am Freitag aus, bei Nachfragen wurden die Händler auf Einzelgespräche verwiesen.

Einen Zeitpunkt, wann es zu den Vertragsanpassungen kommen soll, nannten die Hersteller-Vertreter nicht. In Händlerkreisen kursiert die Vermutung, die Bestimmungen würden im Spätsommer vorliegen, um dann schon zum kommenden Jahr in Kraft zu treten. Ob sich dagegen einzelne Händler wehren werden, bezweifeln sogar kritische Stimmen in der Vertriebsorganisation. „Dabei wäre das einzige Mittel, um noch dagegenzuhalten, dass der Handel jetzt zusammenhält“, sagte ein Teilnehmer. Ähnlich äußerten sich Kommentatoren auf der Webseite von »kfz-betrieb«.

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