Deutschlands beste Ausbilder

Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe und Vogel Auto Medien verliehen Auszeichnung

09.05.2007 | Redakteur:

Wer sind die besten Ausbildungsbetriebe im Land, wollten der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe sowie die Fachmagazine »kfz-betrieb«, »autoFACHMANN« und »autoKAUFMANN« 2007 zum dritten Mal wissen. Deshalb schrieben sie mit Unterstützung der Unternehmen Shell Deutschland Schmierstoff GmbH, Nürnberger Versicherungsgruppe und Adolf Würth GmbH & Co. KG wieder den Bundesbildungspreis des Deutschen Kfz-Gewerbes aus.

Es ist schon eine gute Tradition, dass die Veranstalter die Abendveranstaltung des Bundes-Berufsbildungs-Kongresses in Bad Wildungen als würdigen Rahmen für die Preisverleihung nutzen. ZDK-Präsident Robert Rademacher, der Geschäftsführer der Vogel Auto Medien, Ernst Haack, sowie Vertreter der Sponsoren überreichten den ausgezeichneten Betrieben ihre Pokale und Schecks. Auf dem Siegertreppchen standen in zwei Kategorien je drei Betriebe. Sie hatten sich unter rund 300 Bewerbern durchgesetzt, von denen etwa 50 in die engere Wahl der Jury gekommen waren.

Preise in zwei Kategorien

Die Auswahlkommission aus Vertretern des ZDK, der Sponsoren und der Vogel Auto Medien hatte dann die schwierige, aber auch erfreuliche Aufgabe, zwei Top-Ten-Ranglisten zu erstellen. Zwei Wertungen deshalb, weil die Betriebe je nach Mitarbeiterzahl in zwei Größengruppen unterteilt wurden: bis 60 Beschäftigte und mehr als 60 Mitarbeiter. Die Aufteilung sollte vermeiden, dass die Jury kleine Handwerksbetriebe mit mittelständischen Unternehmen vergleichen musste.

Erfreulich für die Juroren war die Tatsache, dass sie vielen engagierten Betrieben begegneten, die mit einer Vielzahl von pfiffigen Ideen die Ausbildung im deutschen Kfz-Gewerbe bereichern. Umso schwerer fiel es dem Gremium, eine endgültige Reihenfolge festzulegen. Zu welchem Ergebnis die Jury schließlich kam, ist in den Tabellen (Seite 20) abzulesen.

Spitzenausbilder mit bis zu 60 Mitarbeitern

Willi Jarosch von der Nürnberger Versicherungsgruppe zeichnete die besten Betriebe der Kategorie II (bis 60 Mitarbeiter) aus. Die Urkunde für den ersten Rang überreichte er an das Ausbildungsteam von Autoschmitt in Idstein. Dort, so betonte er in seiner Laudatio, zeichne Konsequenz die Ausbildung aus. Vom ersten Tag an seien die Azubis als vollwertige Teammitglieder in den Betrieb integriert. Das zeige sich beispielsweise während der Vorbereitung von Produktpräsentationen. Dann darf der Berufsnachwuchs aktiv seine Ideen einbringen und auch umsetzen. Konsequenz verlangt der Betrieb aber von seinen Auszubildenden auch bei der Erfüllung ihrer Pflichten, beispielsweise bei der lückenlosen Führung der Berichtshefte. Die Ausbilder achten hier sehr genau darauf, dass die Lehrlinge nicht in Rückstand geraten. Eindringliche Ermahnungen sind nicht als Schikane gedacht, sondern sollen dem Nachwuchs zeigen, dass auch ungeliebte Arbeiten notwendig sind. Nicht zuletzt schützt dieser Umgang mit dem Thema „Pflichten“ den Berufsnachwuchs vor viel Nacharbeit, wenn die Prüfungen bevorstehen.

Umfangreiche Unterstützung

Der zweite Platz ging an Auto Schneider in Leipzig, wo eine qualifizierte Ausbildung ebenfalls einen hohen Stellenwert genießt: „Wenn sich ein Betrieb keine Auszubildenden mehr leisten kann, soll er lieber gleich aufhören“, zitierte der Laudator Betriebsinhaber Claus Schneider. Gute Bewerber um einen Ausbildungsplatz seien für diesen ein so wertvolles Gut, dass er schon mal über den vorhersehbaren Bedarf hinaus ausbilde, wenn sich viele geeignete Schulabgänger bewerben. Zur Unterstützung bietet er seinen Nachwuchskräften zusätzliche Nachhilfemaßnahmen an, die die Agentur für Arbeit fördert. Mit einer externen Trainerin hat er außerdem ein spezielles Weiterbildungsprogramm für die Auszubildenden organisiert.

Beim drittplatzierten Autohaus Holz & Haller in Neu-Ulm lernen die Azubis bereits zu Beginn ihrer Ausbildung, Theoretisches in die Praxis umzusetzen. Das, so führte Jarosch in seiner Glückwunschrede aus, mache Mut und gebe Sicherheit. Holz & Haller fördere außerdem den Blick seiner Lehrlinge über den Tellerand, beispielsweise durch einen Austausch mit anderen Betrieben. Außergewöhnliche Leistungen der jungen Mitarbeiter belohnt das Autohaus mit besonderen Aktionen. Ein Extrabonbon war zum Beispiel ein Konzert von Laith Al-Deen im Autohaus.

Großbetriebe in der Ausbildung ganz groß

Der erste Platz in der Kategorie I (Betriebe mit mehr als 60 Beschäftigten) ging an die Fahrzeug-Werke Lueg AG in Bochum. In seiner Laudatio hob Ingo Fischer (Shell) die hervorragende Betreuung der derzeit insgesamt 171 Auszubildenden hervor. Diese beginne schon mit der gewissenhaften Auswahl der geeignetsten Kandidaten aus einer Fülle von rund 2 000 ernsthaften Bewerbern. Die fachliche Ausbildung erfolgt abschnittsweise in einer eigenen Ausbildungswerkstatt unter Anleitung zweier extra dafür abgestellter Meister. Regelmäßige Bewertungen und Personalgespräche sorgen dafür, dass der Lehrling stets weiß, wo er gerade steht und an welchen Schwachstellen er noch gemeinsam mit seinem Ausbildungsverantwortlichen arbeiten muss. Um die jungen Mitarbeiter schon frühzeitig an eine selbstständige Arbeitsweise heranzuführen, setzt Lueg Projektarbeiten ein. Zum Beispiel gestalten die Azubis in Eigenregie den Schauraum ihres Centers und können sich auf diese Weise sogar noch ein Preisgeld verdienen.

Ausbildung mit Rundumbetreuung

Die Nummer zwei unter den großen Betrieben sticht durch ein außergewöhnliches Versprechen heraus: Jeder Auszubildende bei Koller & Schwemmer in Nürnberg erhält bereits bei Unterzeichnung des Vertrages die feste Zusage, später einmal übernommen zu werden. Weiterhin lobte Fischer das Rundum-Betreuungspaket von Koller & Schwemmer für seine Lehrlinge. Es umfasst feste Paten als „Kümmerer“ im Betrieb und sogar die regelmäßigen Besuche einer externen Psychologin. Die Unternehmensphilosophie „Jeden Tag besser“ wendet Koller + Schwemmer auch für die Ausbildung an. Es liegt auf der Hand und ist doch ungewöhnlich, dazu eine Gruppe zu befragen, die von Natur aus Experte in Sachen Ausbildung ist: die Azubis. Mithilfe eines anonymen Fragebogens bewerten sie regelmäßig, wie gut sie in einer Abteilung ausgebildet werden.

Gut ausgebildete Mitarbeiter sind die Zukunft des Betriebs, hat das Autohaus Gute Fahrt erkannt. Deshalb spielt der Betrieb aus Riesa die ganze Klaviatur der Bewerberrekrutierung. Nicht zuletzt deshalb erreichte er Rang drei in der Kategorie Großbetriebe: Die Patenschaft für eine Realschule, Betriebspraktika, Tage der offenen Tür sowie die Beteiligung am Girls‘ Day und an der sächsischen Woche der offenen Unternehmen zeichnen den Betrieb aus. Führungsnachwuchs rekrutiert das Autohaus aus einer Zusammenarbeit mit der Berufsakademie. Vier Absolventen fanden bislang eine Anstellung bei Gute Fahrt, zwei tschechische Austauschstudenten absolvierten ein Praktikum in Riesa.

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