Bildungs-Prognose: Spezialisten werden rar

Technische Berufe mit am stärksten betroffen

13.08.2010 | Redakteur: Gerd Steiler

Technische Berufe sind vom drohenden Fachkräftemangel mit am stärksten betroffen: Deshalb ist die qualifizierte Aus- und Weiterbildung des Kfz-Nachwuchses ein unabdingbares Muss.

Insbesondere Fachkräfte auf der mittleren Qualifikationsebene werden in den kommenden 10 bis 15 Jahern immer mehr zur Mangelware. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Bonner Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg.

Massive Personalengpässe sind laut Studie vor allem deshalb zu befürchten, weil dem nahezu gleichbleibenden Bedarf an Beschäftigten bis 2025 ein zunächst bis 2015 leicht, danach aber rasanter Rückgang der Erwerbspersonen mit entsprechenden Qualifikationen gegenüberstehe. Zudem scheide ab dem Jahr 2020 eine steigende Zahl von Fachkräften aus dem Erwerbsleben aus. In der Summe dieser Faktoren könne sich bis zum Jahr 2025 ein Mangel an qualifizierten Fachkräften in einer Größenordnung von bis zu 1,8 Millionen Erwerbspersonen ergeben, heißt es.

Zu wenig technischer Nachwuchs

Am ersten und stärksten werde sich der „verschärfende Mangel an ausgebildeten Fachkräften“ in den Gesundheits- und Sozialberufen sowie bei Berufen des Verkehrs-, Lager-, und Transportwesens zeigen. „Aber auch in den sogenannten MINT-Berufen, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, wird es zu Engpässen kommen, da gerade diese Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt sehr nachgefragt sind“, schreiben die beiden Autoren Dr. Robert Helmrich (BIBB) und Dr. Gerd Zika (IAB).

Bei den Erwerbstätigen ohne Berufsabschluss wird der Bedarf nach den Projektionen von BIBB und IAB bis zum Jahr 2025 zwar ebenso zurückgehen wie auch das Angebot. Dennoch werde es für diese, insgesamt kleiner werdende Gruppe „zunehmend schwieriger“, eine Beschäftigung zu finden. „Hier sind massive Nachqualifizierungen notwendig, um einem drohenden Fachkräftemangel bei gleichzeitiger Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken und damit den Wirtschaftsstandort Deutschland langfristig zu sichern“, so Prof. Dr. Reinhold Weiß, stellvertretender Präsident und Forschungsdirektor des BIBB.

Experten fordern mehr Durchlässigkeit

Um dem drohenden Fachkräftemangel wirksam begegnen zu können, müssten die Systeme der Berufs- und Hochschulabschlüsse künftig weitaus durchlässiger werden, fordern die Bildungs-Experten. „Bislang sind die Systeme zu sehr gegeneinander abgeschottet. Hier gibt es noch vielfältige ungenutzte Potenziale. In Zukunft können wir es uns keinesfalls mehr erlauben, diese Potenziale zu vergeuden“, sagt IAB-Vizedirektor Prof. Dr. Ulrich Walwei.

„Methodisches Neuland“ betritt die Studie nach eigener Aussage mit dem Nachzeichnen der Wege zwischen erlerntem und ausgeübtem Beruf („berufliche Flexibilität“). Längerfristige Berufsfeld- und Qualifikationsentwicklungen könnten so „differenzierter aufgezeigt“ und frühzeitig Handlungsbedarf für eine „größere Passgenauigkeit von Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt“ angemahnt werden, heißt es. Die Projektionen zeigten unter anderem, in welchen Bereichen ein erheblicher Fachkräftemangel entstehen könnte und welche Qualifikationsebenen besonders von Arbeitslosigkeit bedroht seien.

Die Gemeinschaftsstudie, die neue Modellrechnungen zur Entwicklung des Arbeitsmarktes bis zum Jahr 2025 enthält und das Verhältnis von Arbeitskräfteangebot und -nachfrage in bestimmten Berufsfeldern abgleicht, wurde unter dem Titel „Beruf und Qualifikation in der Zukunft“ auch als Buch veröffentlicht.


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