23.04.2009 | Autor: Andreas Grimm/ZDK

Das zivile 20. Jahrhundert war geprägt von der Mobilität der Menschheit, insbesondere im Autoland Deutschland. Seit 1909 wird diese Entwicklung begleitet von den Interessenvertretungen des Kfz-Handels und Kfz-Service, als deren Sprachrohr heute der ZDK fungiert.
Redaktion: Herr Rademacher, der ZDK wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Was waren Ihrer Ansicht nach die größten Errungenschaften des Verbandes?
Rademacher: Jede Dekade hatte ihre Meilensteine. Wenn der Bogen von 1909 zum Jahr 2009 gespannt wird, so ist dieser Zeitraum gekennzeichnet vom allmählichen Zusammenwachsen der Interessen des Autohandels und der Werkstätten zum Dienstleistungsverband für Handel und Service. Die noch heute stabile Basis unseres Verbandes ist aus der Fusion des Handels- und Handwerksverbandes Ende der 70er Jahre entstanden.
Welche Bedeutung hat das Kraftfahrzeuggewerbe für den Wirtschaftsstandort Deutschland?
Eine sehr große Bedeutung. Mit unseren Betrieben und Beschäftigten und einem Gesamtjahresumsatz von fast 130 Milliarden Euro zählt das Kraftfahrzeuggewerbe zu den großen und starken Wirtschaftszweigen in Deutschland. Wir sind der größte gewerbliche Ausbilder. Unsere Branche ist mit dem Produkt Automobil höchst emotional und zukunftsorientiert. Gerade für junge Menschen gibt es berufliche Perspektiven mit Zukunft und immer wieder neuen Technologien. Und das seit 100 Jahren.
Wie beurteilen Sie die Situation des Kfz-Gewerbes insgesamt?
Wir stehen auf dünnem Eis. Es ist durch die Umweltprämie etwas dicker geworden. Aber die Prämie ist ja nur eine vorübergehende Stimulans. Im Handel hat die Branche erstmals im Durchschnitt tiefrot geschrieben. Wir verdienen kein Geld, denn das Branchenergebnis lag mit Minus 0,4 Prozent in der Umsatzrendite deutlich unter der Null-Linie. Diese Zahlen sprechen für sich. Zu nachhaltig besseren Renditen werden wir nur kommen, wenn es uns gelingt, die Zusammenarbeit mit den Herstellern neu aufzustellen.
Viele Hersteller drosseln die Produktion. Entlastet das den Handel?
Perspektivisch wird das auch dringend notwendig sein. Der Handel war lange genug der Parkplatz für Überproduktionen. Aktuell wünschen sich natürlich viele, dass die Lieferzeiten der durch die Umweltprämie begünstigten Modelle etwas kürzer wären. Aber im Jahr 2008 konnte keiner erahnen, dass es erstens eine Umweltprämie geben könnte und zweitens, dass diese Prämie eine derart nachhaltige Nachfrage auslöst.
Lässt damit auch der Druck auf die Rabatte nach?
Hoffentlich. Bei den Nachlässen haben wir das Ende der Fahnenstange des kaufmännisch Vernünftigen längst erreicht. Bekanntlich ist aus den Taschen eines nackten Mannes nichts mehr zu holen.
Wie sieht eine Werkstatt in 25 Jahren aus?
Ich bin kein Hellseher. Sicher ist aber: Mittelfristig wartet und repariert eine Werkstatt Autos mit Verbrennungsmotor parallel zu alternativen Antrieben und Energien. E-Mobilität wird vor allem in den großen Städten zu Hause sein. Servicebetriebe werden immer stärker zu „Unternehmen Mobilität“ mit wachsenden Dienstleistungen.
Was wünschen Sie sich zum Geburtstag?
Faire Marktverhältnisse und einen fairen Wettbewerb. Ich wünsche aber auch allen Unternehmern, die heute außerhalb unserer Verbandsorganisation arbeiten, die Erkenntnis, dass im Sinne berufsständischer Interessenvertretung gemeinsam mehr erreicht werden kann. Schwerpunkt unserer Arbeit ist auch ein neues Geschäftsmodell in der Gemeinsamkeit mit den Herstellern. Die Verfügbarkeit der technischen Daten für alle Werkstätten zu gleichen Konditionen wird unsere Aufmerksamkeit und Sensibilität erfordern.
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