Caroobi-Gründer im Interview: „Bei Amazon haben auch alle nur geschaut“

„Digitale Werkstatt“ will mit frischem Geld expandieren

| Autor: Christoph Seyerlein

Nico Weiler (li.) und Mark Michl wollen mit ihrem Start-up Caroobi den Werkstattmarkt in Deutschland digitalisieren.
Nico Weiler (li.) und Mark Michl wollen mit ihrem Start-up Caroobi den Werkstattmarkt in Deutschland digitalisieren. (Bild: Caroobi)

Mitte der Woche hat das Start-up Caroobi darüber informiert, dass BMW über seinen Risikokapitalfonds i-Ventures einen zweistelligen Millionenbetrag in das Unternehmen steckt. Die Nachricht brachte der selbsternannten „ersten digitalen Werkstatt Europas“ viel Publicity. Auf einen Online-Beitrag von »kfz-betrieb« kamen aus der Leserschaft gemischte Reaktionen.

Das Konzept von Caroobi, Kunden per Ferndiagnose einen Festpreis für eine Reparatur oder eine Inspektion am Auto vorzuschlagen, sehen einige Leser kritisch, von „Glaskugel-Methoden“ ist die Rede. Es gibt aber auch Stimmen, die dem Start-up einräumen, einen Kanal besetzt zu haben, den die Branche selbst zu verschlafen droht. Im Interview mit »kfz-betrieb« äußern sich nun die beiden Caroobi-Gründer Nico Weiler und Mark Michl zu ihrem Konzept und den Plänen für die Zukunft.

Redaktion: Herr Weiler, Herr Michl, sind Sie klassische Kfz-ler oder wie ist Ihre Idee zu Caroobi entstanden?

Mark Michl: Wir kommen beide aus der Berliner Start-up-Szene. Im Kfz-Bereich wollten wir etwas machen, weil wir den Markt sehr spannend finden. Unsere Arbeitsthese war damals, dass wir uns das nötige Branchenwissen mit der Zeit reinholen können. Aber aus der Branche selbst kommen wir definitiv nicht, Nico hat nicht mal einen Führerschein.

Nico Weiler: Das stimmt. Der Antrieb war einfach der Gründergeist. Mark hat sein erstes Unternehmen bereits mit 15 Jahren gegründet, ich direkt nach der Uni. Vor knapp zwei Jahren haben wir uns dann die Kfz-Branche ausgeguckt.

Sie haben keine eigene Werkstatt. Wie sind Sie an das Meisterschild der Innung Berlin-Brandenburg gekommen?

Nico Weiler: Wir machen alles, was eine Werkstatt macht, außer zu reparieren. Unser Konzept erlaubt es uns, eine digitale Werkstatt extrem schnell und schlank aufzuziehen, ohne eine einzige Halle mit Hebebühne und Co. Aber auf dem Papier dürften wir auch reparieren, es arbeiten ja über 30 Kfz-Experten für uns. Wir nehmen Reparaturaufträge an, wie eine normale Werkstatt auch und setzen diese dann um. Deswegen sind wir ein offizieller Meisterbetrieb.

Die Reparaturen selbst führen dann aber nicht Sie selbst sondern Partnerwerkstätten durch. Welche Werkstätten sind bei Ihnen mit im Boot?

Mark Michl: Wir konzentrieren uns extrem stark auf freie Werkstätten. Die Integration unserer Idee stiftet genau dort am meisten Mehrwert. Das eröffnet uns die besten Möglichkeiten, unser Konzept umzusetzen.

Sind auch Kooperationen mit großen Werkstattketten denkbar?

Nico Weiler: Wir haben uns mit verschiedenen Ketten unterhalten. Die Prozesse sind dort aber oft tief verankert und festgefahren. Dort wäre es mit der Integration unseres Konzepts schwierig geworden. Deswegen setzen wir auf die freien Werkstätten. Im Markt herrscht außerdem ein extrem unterschiedliches Qualitätsbewusstsein. Gerade bei großen Ketten unterscheidet sich die Qualität der einzelnen Filialen aus unserer Sicht oft recht stark. Und wir wollen einheitliche, hohe Qualitätsstandards bieten.

Wie wäre es dann mit eigenen, reinen Caroobi-Werkstätten? Oder wollen Sie lieber reiner Vermittler bleiben?

Nico Weiler: Wir sehen uns nicht als Vermittler, sondern als Helfer, Werkstätten produktiver zu machen. Reparieren können unsere Partner sehr gut. Da müssen wir uns nicht unnötig einmischen.

Wie sieht der Deal mit den Partnerwerkstätten konkret aus? Wer erhält welchen Anteil? Und wie überzeugen Sie Werkstätten davon, den direkten Kontakt zum Kunden an Sie abzugeben?

Mark Michl: Zu den genauen Details äußern wir uns nicht. Wir haben uns als Auftrag gesetzt, den Werkstätten zu helfen, effektiver zu werden. Von uns bekommen Werkstätten Kunden und nicht nur Terminanfragen. Außerdem können Werkstätten einzelne Bereiche an uns auslagern. Beispielsweise nehmen wir ihnen oft lästige Aufgaben wie die Rechnungsstellung ab.

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