EU-Experte: Schon ab 2007 auffällige Diesel-Werte

Abweichungen bei „praktisch allen Fahrzeugen“

| Autor: dpa

(Bild: DUH)

Bei eigenen Abgas-Messungen von Forschern der EU-Kommission haben sich nach Angaben eines Brüsseler Experten bereits vor zehn Jahren auffällige Werte von Dieselautos ergeben. Man habe dies etwa bei Modellen von Volkswagen (Golf, T5 Multivan), Fiat (Scudo, Bravo), Renault (Clio) und BMW (120d) bemerkt, sagte der Leiter des Referats für nachhaltigen Verkehr, Alois Krasenbrink, am Donnerstag im Untersuchungsausschuss des Bundestags zur Abgas-Affäre.

Bei den damals von Lkw auf Pkw übertragenen Messungen hätten sich für „praktisch alle Fahrzeuge“ Abweichungen zwischen Prüfstandsdaten und realem Straßenbetrieb gezeigt. Die Werte seien zwischen 2007 und 2010 entstanden und im Jahr 2011 in einen Bericht zum Thema eingeflossen.

Krasenbrink betonte, es habe aber noch keine konkreten Hinweise auf „betrügerische Absichten“ gegeben. Die Existenz von Abschaltsoftware, mit der die Schadstoff-Reinigung künstlich vermindert wird, sei ihm seinerzeit nicht bekannt gewesen. Eher seien Zweifel an den eigenen Messverfahren entstanden. Sein Team habe auch nicht die nötigen Kompetenzen gehabt, um die Auffälligkeiten aktiv weiterzuverfolgen.

Der Berliner Untersuchungsausschuss soll klären, was die Bundesregierung seit 2007 mit Blick auf Abgasregeln unternommen hat und wann sie von Manipulationen erfuhr. Auch Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufseher Stephan Weil (SPD) sowie Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) haben am Donnerstag ausgesagt.

Weil hält an seiner Darstellung fest, erst unmittelbar vor dem öffentlichen Bekanntwerden vom Abgas-Skandal erfahren zu haben. Er sei am 19. September 2015 über die „gravierende Fehlentwicklung“ im Bilde gewesen, sagte der SPD-Politiker.

Auch Dobrindt will erst zu diesem Zeitpunkt aus den Medien von Manipulations-Vorwürfen gegen VW erfahren haben. Zwei Tage später habe er eine Untersuchungskommission eingesetzt. Vorwürfe mangelnder Aufklärung des Abgasskandals wies er zurück. „Keine andere europäische Regierung hat so eine Vielzahl von Messungen veranlasst“, sagte der CSU-Politiker. Er bekräftigte seine Forderung, die europäischen Vorschriften zu Abschalteinrichtungen der Abgasreinigung strenger zu fassen.

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