Studie: GW-Geschäft wird zum Risiko

Ifa-Chef: „Bisheriges Vermarktungsmodell ist am Ende“

03.03.2010 | Redakteur: Gerd Steiler

Das bisherige Vermarktungsmodell im Gebrauchtwagen-Handel steht laut einer Dekar/IFA-Studie vor einer schweren Krise.

Restwertrisiken in Höhe von mehr als 1,6 Milliarden Euro rollen in den kommenden beiden Jahren auf Automobilhändler und Hersteller zu. Die sich daraus ergebenden „Drohverluste“ werden für viele Händler zur Existenzfrage: Spektakuläre Insolvenzen im Automobilhandel lassen sich daher nur mit Unterstützung der Hersteller vermeiden. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Instituts für Automobilwirtschaft (Ifa) unter dem Titel „Optimierung im GW-Mangement“ im Auftrag der Dekra.

Nach Auffassung des wissenschaftlichen Leiters der Studie, Professor Willi Diez, ist das bisherige Vermarktungsmodell für Gebrauchtwagen am Ende. Inbesondere beim Leasing von hochpreisigen Premiumautomobilen der oberen Mittelklasse und der Oberklasse müssten die Hersteller Verwertungsketten organisieren: Ein Premiumautomobil dürfe erst dann verleast werden, wenn klar sei, über welchen Kanal es anschließend vermarktet werden soll. Dies sei Aufgabe der Automobilhersteller, da solche Verwertungsketten von Leasingfahrzeugen international organisiert werden müssten.

Viel zu lange Standzeiten

Neben Deutschland bezieht die Studie auch andere europäische Märkte mit ein. Dabei zeigte die Dekra/Ifa-Studie in einer Vergleichsanalyse, dass die Gebrauchtwagen-Standzeiten im deutschen Fabrikatshandel mit durchschnittlich über 110 Tagen teils mehr als doppelt so lang sind wie in anderen europäischen Märkten. So etwa lägen die durchschnittlichen Standzeiten in den Niederlanden bei 75 Tagen, in Großbritannien gar nur bei 45 Tagen.

Angesichts dieser enormen zeitlichen Disparitäten bleibe „die Erhöhung des Umschlagfaktors die wichtigste Herausforderung, um die finanziellen Belastungen aus dem Gebrauchtwagengeschäft zu verringern“, heißt es in der Studie. Notwendig sei dabei vor allem eine weitere Verbesserung der Gebrauchtwagen-Prozesse von der Hereinnahme bis zum Verkauf.

GW-Markt bleibt auf „niedrigem Niveau“

Das Ifa-Institut rechnet damit, dass der deutsche Gebrauchtwagenmarkt im Jahr 2010 - nach Auslauf der staatlichen Umweltprämie - in etwa das Niveau des Vorjahres erreichen wird. Gestützt werde der Gebrauchtwagenmarkt derzeit vor allem durch das niedrige Preisniveau: So seien die Gebrauchtwagenpreise im vergangen Jahr um 3,1 Prozent gesunken. Andererseits treffe die voraussichtlich steigende Arbeitslosigkeit potenzielle Gebrauchtwagenkäufer besonders hart.

Der deutsche Gebrauchtwagenmarkt war offiziellen Angaben zufolge im Jahr 2009 zum vierten Mal in Folge gesunken und erreichte nur noch knapp über sechs Millionen Besitzumschreibungen. Gegenüber 2008 bedeutete dies einen Rückgang um 1,6 Prozent.

Die vollständige Dekra/Ifa-Studie erscheint voraussichtlich im Mai dieses Jahres.


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