Studie: GW-Geschäft braucht höhere Erträge

IFA und Dekra suchen Verbesserungsansätze

10.06.2010 | Autor: Wolfgang Dank/Andreas Grimm

Das Institut für Automobilwirtschaft (IFA) rechnet für das laufende Jahr mit einem stagnierenden Gebrauchtwagenmarkt, nachdem die Zahl der Besitzumschreibungen zuletzt viermal in Folge gesunken ist. Einerseits werde die Nachfrage durch das derzeit niedrige Preisniveau gestützt, andererseits hemmen die unsichere Wirtschaftslage und möglicherweise steigende Arbeitslosigkeit eine Marktbelebung. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Optimierung im GW-Management“, die das IFA im Auftrag der Sachverständigen-Organisation Dekra erstellt hat.

Vor dem Hintergrund der Marktentwicklung ist die geringe Profitabilität im Markenhandel eines der zentralen Probleme des Gebrauchtwagengeschäfts. Hohe Restwertrisiken könnten schnell zur Überlebensfrage für die Betriebe werden. Unternehmen, die mit Gebrauchtwagen noch Geld verdienen wollen, seien auf eine konsequent auf höhere Erträge ausgerichtete Strategie angewiesen, heißt es in der Studie, die am Mittwochabend in Stuttgart vorgestellt wurde.

Nach Ansicht von Prof. Willi Diez, wissenschaftlicher Leiter des IFA, muss der „Geschäftsbereich mit den höchsten Risiken und Chancen im Markenhandel“ eine aktive Zukaufstrategie und ein systematisches Bestandsmanagement auf die Agenda setzen und eng mit den Herstellern zusammenarbeiten.

Typische Schwachstellen im GW-Handel

Neben dem seit 2001 um eine Million Einheiten geschrumpften Marktvolumen identifiziert die Studie typische Schwachstellen im Gebrauchtwagengeschäft selbst: das Fehlen einer aktiven GW-Strategie, eine zufallsgesteuerte Sortimentsstruktur, die mangelhafte Nutzung von GW-Börsen und eine fehlende abteilungsbezogene Abrechnung von Kosten und vor allem Erlösen. „Viele Händler haben keine ausreichende Klarheit, mit welchen Autos sie Geld verdienen und mit welchen sie Geld verlieren“, konstatierte Diez.

Problematisch sieht die Studie die langen Standtage. Während Gebrauchtwagen in Deutschland im Schnitt 110 Tage auf den Höfen der Händler stehen, sind es der Studie zufolge in den Niederlanden nur 77. Über die Kombination von aktivem Zukauf und schneller Vermarktung könne der Händler einen um 1,5 Prozent höheren GW-Bruttoertrag erreichen.

Für die nahe Zukunft gehen die Studienmacher davon aus, dass sich Nachfrage und Vermarktungswege deutlich verändern. So ist der Hang zum kleineren Fahrzeug beim Privatkunden bereits spürbar. Und wer den Kunden von morgen erreichen will, muss sich nicht nur im Internet, sondern auch auf dem Parkett von Web 2.0 mit Youtube, Twitter und den Social Networks sicher bewegen.

Die Studie ist zum Preis von 89 Euro zu beziehen über barbara-jutta.conzelmann@dekra.com, Tel. 0711/78 61 24 14.


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