GM will Opel verkaufen

Kurzfristige Vereinbarung möglich

| Autor: Jens Rehberg

Hersteller-Zentrale in Rüsselsheim
Hersteller-Zentrale in Rüsselsheim (Bild: Rehberg/»kfz-betrieb«)

Die französische Peugeot-Mutter PSA hat offenbar Interesse an der Übernahme der Europasparte von General Motors (GM). Der Konzern sei in Gesprächen zur Übernahme des deutschen Autobauers Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Dienstag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Eine Vereinbarung könne in den kommenden Wochen zustande kommen, hieß es. Allerdings könnten die Gespräche auch noch scheitern.

Bei der Nachrichtenagentur Reuters ist von Gesprächen „im fortgeschrittenen Stadium“ die Rede.

PSA bestätigte unterdessen Gespräche mit GM über eine Ausweitung bestehender gemeinsamer Projekte. Es würden zudem mehrere strategische Initiativen überlegt, dazu gehöre auch der Erwerb von Opel, hieß es. Ziel sei, die Ertragskraft von PSA zu steigern. Mittlerweile hat auch General Motors in Detroit diese Darstellung bestätigt.

Die Opel-Betriebsräte haben unterdessen verlauten lassen, dass sie sich bei den Verkaufsgesprächen mit PSA übergangen sehen. Es wäre eine beispiellose Verletzung sämtlicher deutscher wie europäischer Mitbestimmungsrechte, sollten sich die Meldungen über Gespräche zwischen PSA und GM bestätigen, erklärte am Dienstag der für die deutschen Opel-Werke zuständige IG-Metall-Bezirk Mitte in Frankfurt. Gleichzeitig erklärte die Gewerkschaft aber ihre Bereitschaft zur vorbehaltlosen Prüfung der Vorschläge.

Auch der Opel-Händlerverband zeigte sich von der Nachrichtenlage vollkommen überrascht. Von den Gesprächen mit PSA sei im Vorfeld nichts bekannt gewesen, sagte ein Sprecher der Verbandsgeschäftsstelle auf Anfrage.

Kein gutes letztes Jahr

GM musste in der vergangenen Woche vermelden, dass Opel den angepeilten ersten Jahresgewinn seit 1999 klar verpasst hat. Der US-Mutterkonzern schrieb für sein Europageschäft im Gesamtjahr 2016 einen operativen Verlust in Höhe von umgerechnet rund 239 Millionen Euro. Opel-Chef Karl-Thomas Neumann hatte den Brexit und den Verfall des britischen Pfundes dafür verantwortlich gemacht. In Wahrheit dürften jedoch eine teilweise verfehlte Modellpolitik sowie die nach wie vor schwache Marke, die unter anderem eine sehr hohe Quote an Eigenzulassungen in Deutschland nach sich zieht, eine mindestens ebenso große Rolle gespielt haben.

Der Opel-Marktanteil entwickelte sich hierzulande 2016 erneut nur leicht nach vorne – mit rund 7,3 Prozent stellte sich die Lage lediglich 0,1 Prozentpunkte besser dar als im Vorjahr. Dabei hatte Opel auch seine selbst gesteckten Ziele wie schon in den Jahren zuvor deutlich verfehlt – zumal die Vertriebsspitze das Marktanteilsziel für 2016 sogar von 7,5 auf 8 Prozent angehoben hatte.

Auch das Marktanteilsziel für das laufende Jahr erscheint trotz mehrerer Modelleinführungen eher unrealistisch – es liegt nach Informationen von »kfz-betrieb« bei 7,8 Prozent.

Europaweit ist der Opel-Anteil am Pkw-Markt 2016 um 0,1 Prozentpunkte auf 6,6 Prozent zurückgegangen. Damit belegt Opel/Vauxhall im Fabrikatsranking hinter VW (11,4%), Renault (7,1%) und Ford (6,9%) Rang 4.

Erste Produkte aus der Entwicklungskooperation

Bereits vor einigen Jahren hatte es Gespräche über eine sehr enge Kooperation zwischen Opel und PSA gegeben. Letztlich entstand hieraus die gemeinsame Entwicklung verschiedener Pkw-Modelle wie dem Meriva-Nachfolger Crossland X, der sich die Basis mit dem Peugeot 2008 teilt.

Ein Verkauf von Opel stand zuletzt während der großen GM-Krise 2009 zur Debatte – als aussichtsreichster Käufer galt damals ein Konsortium, dem unter anderem der Autozulieferer Magna und die russische Sberbank angehörten. Ein Deal scheiterte mutmaßlich letztlich vor allem daran, dass man in den USA befürchtete, russische Hersteller könnten so unbeschränkten Zugang zu Technologien und Patenten des US-Autobauers erhalten.

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