Hochpreisige Oldtimer verlieren an Wert

In der Breite ziehen die Preise weiter an

| Autor: Andreas Grimm

(Bild: Grimm / »kfz-betrieb«)

Die Zeit des ungebremsten Wachstums im Oldtimermarkt scheint vorbei zu sein. Nachdem der Oldtimerindex des Verbands der Automobilindustrie (VDA) bereits zum Jahresstart eine Verlangsamung des Preisanstiegs in diesem Segment gezeigt hatte, sieht eine ähnliche Statistik der Südwestbank AG nun sogar „eine Abkühlung auf hohem Niveau“.

Erstmals seit Berechnung des Oldtimerindex OTX ging sein Wert im vergangenen Jahr zurück – um 3,93 Prozent. In den drei Jahren zuvor hatte der OTX zwischen 14 und 42 Prozent zugelegt. Aber auch langfristig hatte sich der Index stark entwickelt. Seit 2005 legte sein Wert um 321 Prozent zu, während etwa der DAX um 170 Prozent stieg.

Der Wertverlust des vergangenen Jahres ist vor allem dem Preisverfall des Mercedes 300 SL geschuldet. Er ist im OTX das mit Abstand teuerste Modell und verlor fast ein Viertel an Wert: Waren die Fahrzeuge im Jahr 2015 für knapp 1,1 Millionen Euro zu bekommen, wurden ein Jahr später nur noch 813.000 Euro bezahlt. Auch für Modelle der 911er-Baureihe verzeichnet der Index sinkende Preise. Sie werden derzeit auf durchschnittlich rund 120.000 Euro taxiert.

„Viele vermögende Kaufinteressenten sind vermutlich nicht mehr bereit, solch horrende Preise zu bezahlen“, erklärt sich Manfred Mühlheim, Direktor und Bereichsleiter Asset Management bei der privaten Südwestbank, die Entwicklung. Grundsätzlich sieht er aber eine gesunde Entwicklung auf dem Oldtimermarkt.

Denn unter dem Strich legten die Preise der meisten im Index enthaltenen Fahrzeuge zu. „Vor allem originale Fahrzeuge in sehr gutem Zustand erzielen oftmals höhere Preise als toprestaurierte Exemplare“, erklärt Mühlheim. Sein Tipp ist der Mercedes 190 SL, für den er großes Wertsteigerungspotenzial sieht. In den kommenden Jahren könnten für ein Fahrzeug in gutem Zustand gut 200.000 Euro zu erzielen sein.

Renditeperlen erst ab 100.000 Euro Kaufpreis

Unter Renditegesichtspunkten empfiehlt der Experte einen Oldtimer sowieso erst ab einem Kaufpreis von 100.000 Euro. „Für Liebhaber, die Freude am Fahren und Basteln haben, rentieren sich natürlich auch günstigere Modelle, aber oftmals fallen die Nebenkosten zu stark ins Gewicht.“ Schließlich müssten die Kosten für Steuer, Versicherung, Garagenmiete, Wartung und Reparaturen in eine Gesamtrendite eingerechnet werden.

Der Index der Südwestbank basiert auf den Preisen von 20 ausgewählten Modellen, wobei die Auswahl immer wieder verändert wird. In die Berechnung des OTX fließen Auswertung von Preisangaben des Fachmagazins „Motor Klassik“ sowie den Zulassungszahlen des Kraftfahrt-Bundesamts ein. Den Anfangswert des Index legte die Südwestbank auf 100 Punkte im Jahr 2005 fest. Seitdem erhöhte sich der Wert der im Index enthaltenen Oldtimer durchschnittlich pro Jahr um 12,73 Prozent.

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