Händlerumfrage: Optimismus schwindet

Das dritte Quartal lässt erahnen, was die Branche erwartet

| Autor: Wolfgang Michel

Für Nissan-Händler Martin Huber ist der derzeitige Preiskampf im Autohandel „eine Katastrophe“.
Für Nissan-Händler Martin Huber ist der derzeitige Preiskampf im Autohandel „eine Katastrophe“. (Foto: Archiv)

Die Absatzkurve im Neuwagenhandel geht deutlich nach unten, eher stabil erscheinen die Zahlen im Gebrauchtwagenmarkt. Doch hier wie dort nagt die allgemeine Entwicklung an der Rendite der Händler. »kfz-betrieb ONLINE« hat Vertreter verschiedener Marken und Betriebsgrößen zum Verlauf des dritten Quartals und zu ihrer Prognose für die kommenden Monate befragt.

Nissan-Händler Martin Huber sagt über die vergangenen drei Monate: „Trotz zielgerichteter Marketingmaßnahmen und starker Verkaufsförderungsprogramme verbuchten wir einen erheblichen Nachfragerückgang. Nur dank guter Abschlussquoten und erfolgreicher Maßnahmen bei unseren Bestandskunden konnte ein noch schlimmeres Ergebnis verhindert werden.“ Den Preiskampf im Autohandel bezeichnet der Wasserburger Autohauschef als Katastrophe. „Die extrem hohen Bestände bei allen Händlern, über alle Marken hinweg, erhöhen den finanziellen Druck auf die einzelnen Händler massiv und veranlassen diese Unternehmen zu teilweise extrem unwirtschaftlichen Entscheidungen sowohl im Pkw- als auch Nutzfahrzeuggeschäft.“

Die eigene Bilanz bezeichnet Huber als „gerade noch akzeptabel“. Allerdings kämpfen auch die Wasserburger täglich gegen Internetangebote, welche nicht nachvollziehbar seien. Als kalkulierbare Größe stellte sich auch im vergangenen Quartal das Service- und Gebrauchtwagengeschäft dar. Über das anstehende Quartal sagt Huber: „Es werden noch mehr zielgerichtete Marketingaktivitäten notwendig sein, um das derzeit schon niedrige Verkaufsniveau aufrechtzuerhalten. Dies bedingt natürlich, dass Hersteller und Importeure noch stärkere Verkaufsförderungsprogramme am Markt platzieren müssen, da der finanzielle Spielraum der Händler begrenzt ist.“

Sehr unzufrieden in Sachen Neuwagenverkauf ist Citroën-Kollege Nico Petelka. Über das dritte Quartal sagt der Autohändler aus Saalfeld/Thüringen: „Trotz Tageszulassungen sind der Neuwagen-Auftragseingang und der Neuwagenverkauf um 50 Prozent gesunken, im Pkw-Service liegt der Rückgang bei 25 Prozent.“ Rabatte und auch Bruttoerträge seien zwar stabil geblieben, jedoch fehle der Umsatz. Sehr zufrieden hingegen ist Petelka mit dem Gebrauchtwagengeschäft: „Sowohl Umsatz und Ertrag sind um 35 Prozent gestiegen. Die Nachfrage ist sehr erfreulich.“

Für die letzten drei Monate des Jahres erhofft sich der Geschäftsführer vor allem einen besseren Auftragseingang bei seinen Neuwagenverkäufern. Jedoch weiß Petelka bereits heute, dass er das Vorjahresniveau deutlich verfehlen wird. Vor allem die Privatkunden seien verunsichert und träfen keine Kaufentscheidung.

Auch Peter Schäfer vom Mercedes-Autohaus Schäfer in Königsbrunn verzeichnete im Vergleich zu den beiden vorangegangenen Quartalen „ein schwächeres drittes Quartal.“ „Wir bewegen uns jedoch immer noch auf einem sehr guten Niveau und liegen insgesamt deutlich über Vorjahr“, sagt der Geschäftsführer. Erfreulicherweise seien die Neuwagenrabatte in den ersten neun Monaten weitgehend stabil geblieben. Deutlich mehr Leben kam vor allem im September in das Gebrauchtwagengeschäft. „Im Vergleich zum Vorjahr per September können wir insgesamt eine Steigerung von rund 14 Prozent verzeichnen. Die Steigerung resultiert vor allem aus Fahrzeugen, die ein Alter von mehr als zwei Jahren aufweisen“, stellt Schäfer fest. Sehr erfreut ist der Autohauschef über den durchschnittlichen Ertrag pro Fahrzeug.

Zufrieden ist Schäfer auch mit der Nutzfahrzeugsparte. Das Baugewerbe investierte in Lkw, die Handwerksbetriebe in neue und gebrauchte Transporter. Beides wirkt sich bereits positiv auf die Nfz-Werkstatt aus. Gut gestimmt blickt Schäfer auf die kommenden drei Monate: „Durch die Markteinführung der neuen A-Klasse bekommen wir ein starkes viertes Quartal und auch bei den Gebrauchtwagen gehen wir derzeit von anhaltend guten Verkaufszahlen aus.“

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