Finanzamt deckt Tachomanipulation auf

Schaden in sechsstelliger Höhe?

| Autor: Steffen Dominsky

Wenige „Klicks“ genügen und schon sind Kilometerstände mittels moderner Geräte manipuliert.
Wenige „Klicks“ genügen und schon sind Kilometerstände mittels moderner Geräte manipuliert. (Bild: VBM-Archiv)

Nach Angaben des Norddeutschen Rundfunks ermittelt die Osnabrücker Staatsanwaltschaft gegen einen Autohändler aus Lingen: Der Mann soll bei einem großen Autohaus die Kilometerzähler zahlreicher Pkw manipuliert haben. Er habe die Vorwürfe weitgehend eingeräumt, erklärte der Sprecher der Osnabrücker Staatsanwaltschaft Alexander Retemeyer gegenüber NDR 1 Niedersachsen. Aufgeflogen waren die Manipulationen quasi durch Zufall im Rahmen einer Betriebsprüfung. Finanzbeamten sei in den Steuerunterlagen des Autohauses aufgefallen, dass viele Wagen beim Verkauf weniger Kilometer auf dem Tacho hatten als beim Einkauf.

In wie vielen Fällen die Kilometerstände von Fahrzeugen nach unten korrigiert wurden, könne man noch nicht abschließend sagen – die Rede ist von rund 140 Manipulationen. Auch die Höhe des entstandenen Schadens sei noch unklar. Die Staatsanwaltschaft habe aber die Konten des Autohändlers eingefroren und Vermögenswerte in sechsstelliger Höhe sichergestellt, um die Opfer zu entschädigen. Dazu zählten offenbar nicht nur Privatkunden. Der Mann habe manipulierte Pkw auch an andere Autohäuser im Emsland verkauft, zu denen er Geschäftskontakte hatte, heißt es weiter.

Gesetzgebung und Hersteller handeln nicht

Nach Erkenntnissen der Polizei gewinnt ein Pkw durch die Manipulation des Kilometerstands im Schnitt rund 3.000 Euro illegal an Wert. Das führt allein in Deutschland jedes Jahr zu einem Schaden von rund sechs Milliarden Euro für die Gebrauchtwagenkäufer, wie die Polizei ermittelt hat. Über die Problematik der Tachomanipulation hatte »kfz-betrieb ONLINE« bereits umfangreich berichtet.

Erst kürzlich hatten sich die Vertreter zahlreicher europäischer Automobilclubs zu einem Workshop zum Thema Tachomanipulation im Technikzentrum des ADAC getroffen. „Die Auto-Hersteller unterstützen die Verbraucher weder beim Erkennen manipulierter Fahrzeuge noch bei der Aufklärung über diese weit verbreitete Betrügerei. Daher fordern wir, dass dies auf EU-Ebene gesetzlich geregelt wird“, erklärte in diesem Zusammenhang Gerd Preuß, technischer Direktor bei der FIA (Federation internationale de l’Automobile – Zusammenschluss der europäischen Automobilclubs). Auch die bayerische Justiz sowie die schleswig-holsteinische Verbraucherschutzministerin haben bereits ein härteres staatliches Vorgehen gegen Tachomanipulation gefordert.

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