GTÜ-Mängelstatistik 2012: „Enormer Reparaturbedarf“

Neue Mängeleinstufungen in der Praxis

| Autor: Steffen Dominsky

Ein zwiespältiges Bild zeichnet die HU-Statistik der GTÜ für 2012.
Ein zwiespältiges Bild zeichnet die HU-Statistik der GTÜ für 2012. (Foto: GTÜ)

Zuerst die schlechte Nachricht: Die Zahl der erheblichen Mängel an Autos ist weiter gestiegen. Das ist ein Ergebnis der jährlichen HU-Statistik, die die Gesellschaft für Technische Überwachung mbH, GTÜ, jetzt vorgestellt hat. Von 19,5 Prozent 2011 auf 21,5 Prozent im vergangenen Jahr. Wichtig in diesem Zusammenhang: Die Einführung eines neuen Mangelbaums (Einstufung der Fahrzeugmängel) Mitte 2012 verzerrt dieses Ergebnis ein Stück weit. Aus sicherheitstechnischen Gründen müssen Prüfer einzelne Mängel nun stärker bewerten. Einige der Mängel, die bisher als „geringer Mangel“ galten, sind nun als „erheblicher Mangel“ einzustufen. Beispiel: Ein zu niedrig eingestellter Scheinwerfer gilt mittlerweile als „erheblicher Mangel“.

Die gute Nachricht: Aufgrund dieser Tatsache ist umgekehrt die Zahl der von der GTÜ untersuchten Fahrzeuge mit geringen Mängeln auf 24,7 Prozent (Vorjahr 32,2 Prozent) gesunken und die Zahl derer ohne Mängel auf 53,8 Prozent (Vorjahr 48,3 Prozent) gestiegen. Beispiel in diesem Zusammenhang: Galt ein Sprung im Blinker oder Schlusslicht bisher als „geringer Mangel“, ist dies im Sinne der Verkehrssicherheit nun kein Mangel mehr. Insgesamt sei die neue Mängeleinstufung für den Autofahrer jedoch klarer und transparenter als bisher, so das schwäbische Prüfunternehmen. Ein Vorteil für den Verbraucher bzw. die Werkstätten sei, dass der neue Mängelbaum „eindeutige Vorgaben für erforderliche Reparaturen“ gibt – die Praxis wird zeigen, ob dem so ist.

Jeder fünfte Pkw fällt bei der HU durch

An jedem fünften Pkw stellen die GTÜ-Prüfer bei der HU schwerwiegende Mängel fest. Spitzenreiter über alle Altersklassen hinweg ist mit 22,8 Prozent die Mängelgruppe „Beleuchtung und Elektrik“. Auf Platz zwei folgen „Umweltbelastungen“ wie Motorabgase, Ölverlust, Lärmentwicklung etc. mit 18,7 Prozent. Den dritten Platz belegen die Mängel an der Bremsanlage mit 13,7 Prozent. Auf Platz vier liegen „Achsen, Räder, Reifen, Aufhängungen“ mit 13,2 Prozent und auf Platz fünf landen die Mängel an „Fahrgestell/Rahmen/Aufbau“ mit 7,4 Prozent. Den Negativtrend an erheblichen Mängeln konnten laut GTÜ auch die 2012 erstmals geprüften Fahrzeuge aus dem Abwrackprämienjahr 2009 nicht stoppen. Bei den relativ neuen Pkw, die bei der HU bis zu drei Jahre alt sind, ist sei Mängelquote sogar noch deutlich gestiegen – von 4,0 auf 5,2 Prozent.

In der Altersgruppe über neun Jahre sind rund 64 Prozent der Fahrzeuge mit Mängeln unterwegs. Knapp ein Drittel der Autos dieser Altersklasse weisen erhebliche Mängel auf oder sind gar verkehrsunsicher. Die GTÜ kommt zu dem Ergebnis, dass ein „enormer Reparaturbedarf“ bestehe – besonders bei Pkw in der Altersklasse über neun Jahre. Erst ab einem Fahrzeugalter von 20 bis 25 Jahren sinkt die Mängelzahl wieder, da die meisten alten Pkw ab dann einen Liebhaberstatus genießen. Rund vier Millionen Autos hatten die GTÜ-Partner 2012 geprüft und so dazu beigetragen, dass das Stuttgarter Unternehmen bei den Hauptuntersuchungen im Vergleich zum Wettbewerb deutlich zulegen konnte.

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