RDKS: Noch viele Unklarheiten

Sensorhersteller lassen Fragen offen

| Autor: Jan Rosenow

Sorgt für Diskussionen: der Sensor für das Reifendruckkontrollsystem.
Sorgt für Diskussionen: der Sensor für das Reifendruckkontrollsystem. (Foto: Rosenow)

Mit der Einführung des serienmäßigen Reifendruckkontrollsystems zum 1. November 2014 ist es wie mit einem Tsunami: Solange sich die Killerwelle noch auf hoher See befindet, ist sie kaum wahrnehmbar und schon gar nicht gefährlich. Trifft sie allerdings auf Land, entfaltet sie eine ungeheure Wucht.

Immer wieder ist zu hören, dass sich die Kfz-Werkstätten noch nicht genügend auf diese Welle eingestellt hätten. Eine Umfrage des Reifenhändlerverbands BRV liefert nun Zahlen zu diesem Vorwurf: Danach sehen sich immerhin drei von vier Reifenbetrieben als „ausreichend vorbereitet“, 57 Prozent haben bereits ein Training absolviert. Unter den freien Kfz-Werkstätten dürften diese Zahlen allerdings deutlich niedriger liegen.

Doch selbst unter den Herstellern von Reifendrucksensoren sind noch längst nicht alle Fragen zum Thema geklärt, wie sich auf dem Round Table Reifentechnik zeigte, der am 20. März bei Stahlgruber/Rema Tip Top in Poing bei München stattfand. Dort präsentierten Vertreter der Firmen Alligator, Schrader, Huf und Continental ihre Produkte zum Sensor-Einbau in der Werkstatt. Dabei zeigten sich zum Teil erhebliche Unterschiede in den Konzepten und Ansichten der einzelnen Anbieter.

Wie viele Sensoren werden wirklich gebraucht?

Das begann schon bei der Abschätzung des zukünftigen Marktanteils des direkt messenden RDKS und der daraus resultierenden Größe des Ersatzbedarfs. Bekanntlich lässt sich die EU-VO 661/2009 auch mit einem indirekten System erfüllen, das keine Reifensensoren braucht – und mit dem Volkswagenkonzern setzt zumindest ein sehr mächtiger Player auf diese Lösung.

Ging die Branche noch vor wenigen Jahren von fast 100 Prozent Anteil für das direkte System aus, rechnet beispielsweise Alligator nun nur noch mit 65 Prozent. Aber auch diese werden nicht alle automatisch Ersatzsensoren brauchen, wenn die Kunden ihre ersten Winterreifen kaufen. Wie viele Autofahrer sich angesichts der hohen Kosten dazu entschließen, ihre Reifen auf den Felgen ummontieren zu lassen oder aber auf Ganzjahresreifen umzusteigen, kann nur geschätzt werden.

Im Ergebnis ist es fraglich, ob die enormen Stückzahlerwartungen wirklich bestätigt werden. Alligator rechnet für die Wintersaison 2014 bereits mit 4,4 Millionen, im Gesamtjahr 2015 dann mit 7,8 Millionen Stück. Zusammen mit der nötigen Werkstattleistung wäre das ein Milliardenmarkt für die Kfz-Branche – doch der Kunde muss auch mitziehen.

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