21.05.2008 | Redakteur:
Die europäische Automobilindustrie muss laut einem Pressebericht den Schadstoffausstoß ihrer Pkw möglicherweise deutlich stärker senken als bislang bekannt. Der Europa-Parlamentarier Guido Sacconi fordere in seinen Änderungsvorschlägen zum EU-Gesetz zur Reduzierung des Ausstoßes von Kohlendioxyd bei Autos, dass der CO2-Ausstoß bis 2020 auf mindestens 95 Gramm pro Kilometer fallen muss.
Das gehe aus dem Entwurf seiner Änderungsvorschläge hervor, der der "Financial Times Deutschland" (FTD, Mittwochausgabe) vorliege. Der italienische Sozialist übe als Berichterstatter für das Gesetz im federführenden Umweltausschuss großen Einfluss auf die Vorschriften aus, die derzeit im EU-Parlament verhandelt werden.
Deutsche Premiumhersteller wären besonders betroffen
Sacconis Vorstoß würde laut "FTD" den bestehenden Druck auf die Automobilindustrie zur Emissionsabsenkung weiter verschärfen. Die EU-Kommission schlägt in ihrem Gesetzentwurf bislang vor, dass Neuwagen ab 2012 durchschnittlich nur noch 120 Gramm pro Kilometer ausstoßen dürfen. Dabei soll die Absenkung auf 130 Gramm durch sparsamere Motoren erreicht werden. Weitere zehn Gramm sollen durch Öko-Innovationen wie bessere Reifentechnik eingespart werden. Die Regeln stellen deutsche Hersteller wie Mercedes und BMW vor Probleme, da deren Oberklassewagen mehr CO2 ausstoßen als Kleinwagen. Deshalb würde Sacconis Vorschlag ihnen besonders große Anstrengungen abverlangen.
Autoindustrie: "Völlig unrealistisch"
Sacconi verteidigte seine Initiative. "Die Pkw-Industrie hätte fast zwei Produktionszyklen Zeit, Autos zu entwickeln, die diese Vorgabe einhalten", wird Sacconi von der "FTD" zitiert. Autobauer brauchen fünf bis sieben Jahre, um einen neuen Autotyp zu entwickeln. Doch in deutschen Branchenkreisen hieß es, die Vorgabe sei völlig unrealistisch. Mit derzeit verfügbaren Technologien sei das Ziel nicht erreichbar. Kritik gab es auch vom CDU-Parlamentarier Werner Langen, der sich im Industrieausschuss für einen schrittweisen Übergang zu den neuen Ausstoßwerten und für eine Verringerung der Geldbußen für Autobauer einsetzt, die die Ziele verfehlen. "Mit diesem Vorschlag findet Sacconi im Plenum keine Mehrheit", sagte Langen der "FTD".
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