13.02.2009 | Redakteur: Klaus Opitz
Redaktion: Herr Nouvertné, wie sehen Sie die Aufgabe des Landesverbands innerhalb der Verbandsorganisation?
Ernst-Robert Nouvertné: Wir sind das Bindeglied zwischen dem Zentralverband ZDK und den Kfz-Innungen. Ich denke, wir sind ganz nahe an den Innungen und müssen diesen die entsprechenden Informationen und Arbeitsanweisungen liefern.
Sehen Sie besondere Probleme auf die Betriebe zukommen, wo auch der Landesverband involviert ist?
Es gibt sehr viele Bereiche. Ich denke zum Beispiel an die Kfz-GVO. Hier müssen die Weichen für die zukünftigen Rahmenbedingungen für die Branche neu gestellt werden. Die Innungen und Betriebe erwarten da von uns rechtzeitig Informationen, wie die Verhandlungen in Brüssel laufen. Oder auch an den Bereich der neuen obligatorischen Fahrzeugprüfungen, der neu geregelt wird. Wir haben ja eine agile Branche, die mitten in der Gesellschaft lebt, und unser Landesverband lebt da natürlich auch und muss entsprechend reagieren.
Das Kfz-Gewerbe verfügt über eine große, von anderen Handwerken oft beneidete Organisation. Wie fühlen Sie sich darin eingebunden: Stimmen Sie mit den anderen Landesverbänden und dem ZDK grundsätzlich überein oder setzen Sie andere Akzente?
Wir haben natürlich oft kontroverse Diskussionen, auch innerhalb des Vorstands. Da treffen unterschiedliche Interessen aufeinander. Dem Vorstand gehören ja Vertreter von Betrieben unterschiedlicher Fabrikate und auch von Freien Werkstätten an. Aber in den meisten Fällen kommen wir zu einem Konsens im Interesse des gesamten Gewerbes. In vielen Fällen stimme ich da mit den Kollegen aus den Vorständen der anderen Landesverbände überein. Wobei es da natürlich auch mal unterschiedliche Auffassungen gibt. Unser Landesverband ist im ZDK gut vertreten – die beiden Vizepräsidenten Fromme und Hülsdonk und meine Wenigkeit kommen z. B. aus NRW. Und wenn eine gute Idee aus unserem Land kommt, dann sind wir auch in der Lage, diese Idee wirkungsvoll im Zentralverband zu vertreten.

Nicht nur wegen der Finanzkrise rechnen viele mit einem Anstieg der Insolvenzen im Kfz-Gewerbe. Hat der Landesverband überhaupt Möglichkeiten, in Schwierigkeiten geratene Betriebe zu unterstützen?
Nicht erst seit diesem Jahr kommen Betriebe in Schieflage. Wir haben uns darauf also schon lange eingestellt und verfügen in der Düsseldorfer Geschäftsstelle über eine Betriebsberatung mit hervorragenden Fachkräften, die exzellente Branchenkenntnisse haben. Darüber hinaus bieten wir auch betriebswirtschaftliche Seminare an.
Ist die Kreditversorgung ein allgemeines Branchenproblem oder sind nur einzelne Betriebe betroffen?
Unsere Betriebe sind ja insbesondere durch die örtlichen Sparkassen und Volksbanken sowie die Herstellerbanken finanziert. Ich kenne noch keinen einzigen Fall, dass ein Unternehmen, das entsprechende Zahlen vorlegen kann, unzureichende Kreditmittel zur Verfügung gestellt bekommen hat. Über die Frage der Konditionen muss man sicher im Einzelfall sprechen. Aber für Betriebe mit einer realistischen Planungsrechnung für das laufende und kommende Jahr gibt es von unseren Banken auch Geld.
Was haben Sie für Erwartungen an die Politik bezüglich der Interessen der Branche?
Die Durchsetzung unserer Interessen ist natürlich nicht sehr einfach. Aber gerade jüngst bei der Umweltprämie haben wir dort Gehör bekommen und konnten einiges für eine praxisnahe Umsetzung bewirken. Die Politiker wissen, dass jeder siebte Arbeitsplatz vom Automobil abhängig ist. Daher haben wir auch jetzt diese Unterstützung erhalten. Wobei ich anmerken will, dass sich die Umweltprämie über zusätzliche Steuereinahmen ja zu einem großen Teil selbst finanziert, wenn die Verkäufe so erfolgen, wie sich dies jetzt abzeichnet.
Im vergangenen Jahr gab es in Ihrem Verbandsgebiet tarifpolitische Turbulenzen. Wie sieht es da jetzt aus?
Wir sind mit dem Ergebnis der letzten Tarifverhandlungen sehr zufrieden. Auf der einen Seite haben die Mitarbeiter mehr Geld bekommen. Das ist es ja, was unsere Beschäftigten wollten, nämlich einen vernünftigen Lohn für ihre qualifizierte Arbeit. Andererseits konnten wir für die Betriebe erreichen, dass die Wochenarbeitszeit ausgedehnt wurde. Somit ist dies für die Betriebe bezahlbar.
Auffällig ist, dass dem LV NRW 44 Innungen angehören, in Bayern sind es nur sieben. Wo liegt die optimale Struktur?
Die Bayern haben zum Teil etwas gemacht, was bei uns noch bevorsteht. Sicher bedarf es noch einiger Zusammenschlüsse von Innungen, um größere Einheiten zu erreichen. Wir haben Innungen mit 250, aber auch solche mit 40 oder 50 Mitgliedsbetrieben, da besteht im Einzelnen Handlungsbedarf. Dabei geht es jedoch nicht darum, das Beispiel Bayern einfach nachzuahmen. Nur sieben Kfz-Innungen in NRW kann ich mir nicht vorstellen. Anzumerken ist auch, dass der Organisationsgrad der Kfz-Betriebe bei uns nach der neuesten ZDH-Statistik unter den Flächenstaaten an der Spitze liegt. Die Effektivität einer Organisation hängt also nicht nur von der Größe ab.
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