Viele Innungen sind zu klein

Dr. Harry Brambach über die Straffung der Kfz-Organisation

02.03.2009 | Redakteur: Christoph Baeuchle

Dr. Harry Brambach, Präsident des Landesverbands Baden-Württemberg, will die Zahl der Innungenauf acht bis zwölfreduzieren. Foto: Opitz

Redaktion: Herr Brambach, als Präsident des Landesverbands Baden-Württemberg sind Sie nun etwa ein Jahr im Amt. Welche Maßnahmen haben Sie in den ersten zwölf Monaten ergriffen?

Dr. Harry Brambach: In einem Landesverband mit 26 Innungen kann man nicht immer so agieren, wie man das gerne möchte. Es ist viel Abstimmungsarbeit in Gremien notwendig. Dadurch werden schnelle Entscheidungen manchmal gehemmt. Dennoch haben wir bereits einige Dinge auf den Weg gebracht und zum Teil auch umgesetzt. Mir liegt besonders die künftige Aufstellung unseres Verbands am Herzen.

Was wollen Sie an der aktuellen Aufstellung ändern?

Knapp die Hälfte unserer 26 Mitgliedsinnungen hat etwa 100 Mitgliedsbetriebe – das sind zu wenig. Die Innungen werden von Ehrenamtlichen geführt, die vorwiegend in ihrem Betrieb tätig sind. Um ihren Mitgliedern einen entsprechenden Service zu bieten, ist eine Mindestgröße notwendig. Dazu müssten Innungen miteinander fusionieren. Ich könnte mir vorstellen, dass unser Verband am Ende des Prozesses noch aus acht bis zwölf schlagkräftigen Innungen besteht.

In welchem Zeitraum wollen Sie dies umsetzen?

Das ist natürlich ein heikles Thema, entsprechend langfristig muss man denken. Dies können wir nicht in zwei oder drei Jahren umsetzen.

Was wäre für eine solche Innung entscheidend?

Große Innungen muss man anders organisieren und zum Beispiel hauptamtliche Geschäftsführer einsetzen. In unserem Verband stechen die Innung Region Stuttgart mit 660 und die Innung Rhein-Neckar-Odenwald mit 400 Mitgliedsbetrieben hervor. Da kann ein Obermeister nicht alle Mitgliedsbetriebe besuchen, diese Aufgaben könnten zum Teil die Kreisvorsitzenden in ihrem Gebiet wahrnehmen.

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Zur Person

Wie viele hauptamtliche Geschäftsführer gibt es denn bereits im Bereich des Landesverbands, die ausschließlich für die Kfz-Innungen tätig sind?

Mit acht Innungen hat bereits knapp ein Drittel einen „Hauptamtlichen“. Mit sechs Innungen ist die badische Schiene klarer Vorreiter, in Württemberg sind es lediglich zwei. Immerhin decken diese acht Innungen knapp die Hälfte der Landkreise in Baden-Württemberg ab.

Der Landesverband hat Ende vergangenen Jahres beschlossen, die Beiträge zu erhöhen.

Unser Verband rutscht ohne Beitragsanpassung ins Minus. Abgesehen von einer pauschalen Erhöhung vor zwei Jahren um 15 Euro waren die Beiträge in den vergangenen Jahren stabil. Nun haben wir den Grundbeitrag wieder dynamisiert, so wie wir es bereits 1992 beschlossen hatten.

Was bedeutet dies?

Es wird ein Grundbeitrag pro Betrieb und Jahr erhoben, der sich am „Ecklohn“ orientiert. So kommt durch die Tarifentwicklung eine Dynamisierung zustande. Außerdem wird wie bisher ein Zusatzbeitrag aufgrund der Lohnsumme fällig. Wir sprechen deshalb nicht von einer Erhöhung, auch wenn diese in diesem Jahr faktisch gegeben ist. Vielmehr setzen wir die Dynamisierung wieder ein.

Sind damit stark steigende Beiträge verbunden?

Aufgrund der wirtschaftlichen und finanziellen Gesamtlage ist bis auf Weiteres nicht damit zu rechnen, dass die tariflichen Entgelte „explodieren“ werden. Folglich wird unsere dynamische Beitragsregelung „schwäbisch bescheiden“ bleiben.

Ergänzendes zum Thema

Verband des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg e. V.

Welche Vorteile hat die Dynamisierung?

Durch die Anlehnung an die Lohn- und Gehaltszuwächse haben wir stabile finanzielle Verhältnisse und sparen uns die jährlichen Diskussionen über die Anpassung der Beiträge.

Eine Besonderheit von Baden-Württemberg ist die einjährige Berufsfachschule. Steht der Verband weiterhin hinter dieser Einrichtung?

Die Berufsfachschule hat sich in der Vergangenheit hervorragend bewährt. Wir würden es begrüßen, wenn der Besuch einer Berufsfachschule weiterhin mit einem Jahr auf die Ausbildungszeit angerechnet würde, sofern die Schule mindestens mit der Note drei abgeschlossen wird. Leider soll die obligatorische Anrechnung Ende Juli 2009 auslaufen.

Warum wird dieses Modell in Frage gestellt?

Das Ministerium will verschiedene Optionen anbieten. So sieht das Berufsbildungsgesetz ausdrücklich vor, dass nach Auslaufen der obligatorischen Regelung eine Anrechnung weiterhin möglich ist, sofern dies von Ausbilder und Berufsfachschüler festgelegt wird. Nach einer solchen Vereinbarung soll das bisherige Modell auch weiterhin maßgeblich bleiben.

Der Landesverband hat im vergangenen Jahr seine Tarifhoheit abgegeben. Wie hat sich die Lohnsituation in Baden-Württemberg entwickelt?

Über diese Entscheidung bin ich noch immer sehr froh. Durch die Gründung einer Tarifgemeinschaft mit freiwilliger Mitgliedschaft konnte unser Verband wieder Mitglieder gewinnen, die sich zuvor aufgrund des Flächentarifvertrags gegen eine Mitgliedschaft entschieden hatten.

Welche Folgen hat dies für ein Innungsmitglied?

Die Betriebe können unabhängig von ihrer Innungsmitgliedschaft frei entscheiden, ob sie sich einer Tarifbindung unterwerfen. Zurzeit gehören der Tarifgemeinschaft etwa 600 Betriebe an, die 21.000 Mitarbeiter beschäftigen. Damit ist nahezu die Hälfte der Beschäftigten von Tarifverträgen erfasst.

Nimmt die Orientierung am Tarif eher zu oder ab?

Weitere Betriebe wollen der Tarifgemeinschaft beitreten. Daher gehen wir im laufenden Jahr davon aus, dass die Zahl der erfassten Mitarbeiter auf etwa 22.000 steigt. Doch nicht nur die großen Betriebe tendieren zum Tarifvertrag, sondern auch die kleineren in der Fläche lehnen ihre Verträge häufig an die tariflichen Vereinbarungen an.

Woran machen Sie dies fest?

Rund 80 Prozent der Formulare für Arbeitsverträge, die bei unserem Verband abgerufen werden, beinhalten die Tarifklauseln. Die meisten Betriebe orientieren sich grundsätzlich an den Tarifbestimmungen, sie ändern vielleicht einzelne Punkte, zum Beispiel die Wochenarbeitszeit, etwas ab.

Im vergangenen Jahr lag Baden-Württemberg bei den Neuzulassungen noch etwas besser als der bundesweite Schnitt. Werden die Kfz-Händler dafür im laufenden Jahr härter getroffen?

Wir konnten im vergangenen Jahr noch ein leichtes Plus verbuchen, während es auf Bundesebene bereits zu einem Minus kam. Deshalb sind wir nun vom Rückgang aufgrund der Exportabhängigkeit unserer heimischen Wirtschaft vielleicht auch etwas stärker betroffen. Wir hatten ursprünglich mit einem deutlichen Absatzrückgang gerechnet. Durch die Umweltprämie hoffen wir nun auf ein kleines Plus.


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