„Chance nutzen und Rabatte zurückfahren“

Jürgen Karpinski über die ideale Größe eines Landesverbands

23.03.2009 | Redakteur: Christoph Baeuchle

Jürgen Karpinski, Präsident des LV Hessen, pflegt und nutzt seine guten Kontakte zur Politik. Foto: Zietz

Redaktion: Herr Karpinski, der Landesverband Hessen tagt verhältnismäßig häufig im Vergleich zu anderen Landesverbänden. Besteht in Hessen so viel Gesprächsbedarf?

Jürgen Karpinski: Je mehr Informationen, desto besser. Die Verbandsorganisation muss für die Mitgliedsbetriebe präsent sein. Es besteht bei unseren Innungsmitgliedern großes Interesse. Das sieht man an unseren Tagungen und Informationsveranstaltungen, die sehr gut angenommen werden. Es kommen bis zu 500 Teilnehmer.

Welche landesspezifischen Themen stehen auf der Agenda?

Das Installieren eines Netzwerks von Partneranwälten für das Versicherungsrecht sowie Angebote einer internetbasierten Teilebörse zur Unterstützung des Lagerbestandsmanagements und regionale Automobilmarktdaten, die Intensivierung des Entsorgungsrings – also viele Angebote, die Mitgliedsbetrieben praktische Hilfen geben können. Ansonsten haben wir die gleichen Themen wie andere Landesverbände. Natürlich werden wir auch die Kontakte mit der neuen Landesregierung wieder aufnehmen.

Ihre Beziehungen in die Politik sind traditionell sehr gut.

Nur so können wir ein offenes Ohr für unsere Bedürfnisse finden. Wichtig ist es, nicht nur zur Politik und zur Staatsverwaltung vertrauensvolle Beziehungen zu pflegen, sondern auch zu anderen Bereichen der Wirtschaft. Die engen Kontakte sind entscheidend, damit wir für unsere Interessen Gehör finden.

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Zur Person

Haben Sie dafür ein Beispiel?

Zum Thema Gruppenfreistellung haben wir mit dem zuständigen Minister und dem Ministerpräsidenten gesprochen. Dies hat dazu beigetragen, dass die GVO zu einem wichtigen Thema auf bundespolitischer Ebene in Berlin wurde. Für uns gilt das Motto: Steter Tropfen höhlt den Stein.

Gilt dies nur auf Landesebene oder auch im regionalen Bereich?

Auch für Innungen sind Beziehungen in die Politik mit entscheidend. Die Innung Frankfurt, bei der ich der Obermeister bin, pflegt gute Kontakte zur Stadt. Dies hat uns in der Vergangenheit zum Beispiel ermöglicht, ein Hofgut von der Stadt zu erwerben. In ihm befindet sich heute die Landesfachschule.

Die Aufstellung der Landesverbände unterscheidet sich gravierend. Während sich in Nordrhein-Westfalen 44 Innungen zusammengeschlossen haben, sind es in Bayern lediglich sieben. Der Landesverband Hessen vereinigt 22 Innungen. Gibt es eine richtige Größe?

Richtig ist immer, was funktioniert. In Hessen funktioniert es hervorragend. Entscheidend ist nicht die Größe, sondern der Organisationsgrad. Dies gilt auf allen Ebenen. In der Frankfurter Innung haben wir einen Organisationsgrad von 96 Prozent.

Dennoch gibt es immer wieder Forderungen, dass sich kleinere zu größeren Innungen zusammenschließen.

Das ist auch grundsätzlich richtig. Durch Zusammenschlüsse kann die Arbeit für die Mitglieder optimiert werden. Es gibt immer weniger Innungen, die sich heute noch die notwendige Infrastruktur leisten können. Da sind wir in Frankfurt mit einer eigenen Geschäftsführung, einem Dutzend Mitarbeitern und sogar mit angestellten Juristen und einer eigenen Schiedsstelle ein positives Beispiel.

Ergänzendes zum Thema

Landesverband Hessen des Kfz-Gewerbes

Also besteht kein Bedarf bei der Innung Frankfurt?

Natürlich könnten sich die Frankfurter, die Offenbacher und die Darmstädter Innung zusammenschließen. Es gibt wirtschaftlich längst keine Stadtgrenzen mehr. Dadurch könnten zahlreiche Synergien genutzt werden. Dies hätte sogar den Vorteil, dass u. a. die Mitgliedsbeiträge gesenkt werden könnten. Aber dennoch klappt dies nicht.

Kein Wunder: Wenn Eintracht Frankfurt gegen Kickers Offenbach spielt, schlagen sich die Fans die Köpfe ein.

Das Problemfeld bezüglich der Zusammenarbeit ist der Mensch: Jeder kämpft um seinen eigenen Bereich und verteidigt sein kleines Königreich. Die Hemmschwelle für Änderungen ist sehr hoch.

Auf der anderen Seite der Verbandsstrukturen stellt sich die Frage nach dem Zusammenspiel von Zentral- und Landesverbänden. Gibt es da Änderungsbedarf?

Dies läuft sehr gut. Entscheidend ist die Grundlage des Gemeinwesens im Kfz-Gewerbe, dieses dürfen wir nicht vernachlässigen.

Was meinen Sie damit?

Den stufenweisen Aufbau der Verbandsstruktur: Der Zusammenschluss der Betriebe in Innungen, der Innungen in Landesverbänden und der Landesverbände in einem Zentralverband. Dies kann nicht infrage gestellt werden, auch nicht mit Argumenten wie z. B. der schnelleren Informationen für die Betriebe.

Warum nicht?

Jede Verbandsebene hat ihre Aufgaben. Wenn alle Betriebe sich direkt an den Zentralverband wenden würden, wäre dieser völlig überlastet. Der Zentralverband muss die Interessen bündeln und auf höchster politischer Ebene Einfluss nehmen.

Inwiefern bekommen Kfz-Händler die Krise der Finanzmärkte zu spüren?

Die Anforderungen der Banken an Mittelständler waren schon immer hoch, jetzt werden sie noch wesentlich höher. Bislang erwarteten die Geldhäuser vom Mittelständler bereits eine 100-prozentige Sicherheit und zahlten die Kredite nicht komplett aus. Nun wird es noch deutlich schwieriger. Positive Ausnahme sind teilweise die Volksbanken, die sich noch mittelstandsfreundlich verhalten.

Das heißt, die Refinanzierung ist teurer geworden?

Die Kosten haben zugenommen und werden weiter zunehmen.

Können Sie dies quantifizieren?

Pauschal lässt sich dies nicht sagen. Es hängt von den einzelnen Betrieben ab: Läuft es gut und stimmen die Ergebnisse, ist es einfach, Geld zu bekommen. Braucht ein Betrieb Geld, weil er nicht so gut dasteht, wird es richtig teuer.


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