Uber-Chef Kalanick zieht sich vorerst zurück

Manager reagiert auf Skandale beim Fahrdienst-Vermittler

| Autor: dpa

Uber-Chef Travis Kalanick.
Uber-Chef Travis Kalanick. (Bild: 509306865DH00005_TechCrunch / TechCrunch / CC BY 2.0)

Neuanfang beim teuersten Start-up der Welt: Uber-Chef Travis Kalanick nimmt eine unbefristete Auszeit, während der umstrittene Fahrdienst-Vermittler mehr Ordnung in sein Geschäft bringen will. So sollen Beschwerden von Mitarbeitern über das Arbeitsklima künftig besser dokumentiert und mehr Frauen in der Auswahl für Führungspositionen berücksichtigt werden. Zudem schränkt Uber den Konsum von Alkohol bei Firmenpartys ein und erstattet keine Betriebsausgaben mehr ohne Rechnung. Die 13 Seiten langen Empfehlungen offenbaren auch das Ausmaß der Mängel in Ubers Unternehmensführung.

Uber wurde von einer Untersuchung zu Vorwürfen von Sexismus und Diskriminierung erschüttert. Kalanick selbst verlor vor kurzem seine Mutter bei einem Bootsunfall. Sein Vater wurde dabei schwer verletzt.

Kalanick nannte in einer E-Mail an die Mitarbeiter keinen Zeitraum für eine Rückkehr. Zuvor war in Medienberichten von einem dreimonatigen Urlaub die Rede gewesen. „Die jüngsten Ereignisse haben mir beigebracht, dass Menschen wichtiger als die Arbeit sind“, schrieb Kalanick.

Zugleich machte Kalanick deutlich, dass er eine Führungsrolle bei Uber behalten wolle. Er brauche eine Auszeit vom Tagesgeschäft, um seine Mutter zu betrauern, sowie „um nachzudenken, an mir zu arbeiten und ein Weltklasse-Führungsteam aufzubauen“. Er verabschiedete sich mit „wir sehen uns bald“.

Während seiner Abwesenheit soll der Rest des Führungsteams die Firma leiten, ein kommissarisch amtierender Chef wurde nicht ernannt. In den vergangenen Monaten hatten mehrere Top-Manager Uber verlassen. Zuletzt ging Kalanicks umstrittener Vertrauter Emil Michael, der eine wichtige Rolle im operativen Geschäft spielte.

Mehrere Turbulenzen innerhalb weniger Wochen

Uber und Kalanick gerieten in den vergangenen Wochen immer stärker unter Druck. Das wegen seiner aggressiven Firmenkultur und Wachstumsstrategie berüchtigte Unternehmen musste eine tiefgreifende Untersuchung einleiten, nachdem eine ehemalige Software-Entwicklerin von Sexismus und sexuellen Belästigungen berichtete, die trotz Beschwerden folgenlos geblieben seien. Die Ermittlungen leitete der ehemalige Justizminister Holder, der heute bei einer Anwaltskanzlei arbeitet. In einem ersten Schritt hatte Uber rund 20 Mitarbeiter entlassen. Jetzt will das Unternehmen neue Strukturen und Kontrollmechanismen schaffen, um solche Fälle zu verhindern.

Ausgerechnet bei der Vorstellung des Untersuchungsberichts fiel Verwaltungsratsmitglied David Bonderman mit einem Kommentar auf, der allgemein als sexistisch aufgefasst wurde. Als seine Kollegin Arianna Huffington davon sprach, mehr Frauen in den Verwaltungsrat zu bringen, warf er ein, dass dadurch bei den Sitzungen mehr geredet würde. Bonderman, ein Milliardär, der für den Privatinvestor TPG im Uber-Kontrollgremium sitzt, rechtfertigte sich später, er habe das positiv gemeint. Er zog sich dennoch aus dem Verwaltungsrat zurück, nachdem die Kritik an der Bemerkung immer lauter wurde.

In dem Untersuchungsbericht wurde auch vorgeschlagen, Kalanick solle einen Teil seiner Vollmachten an andere Top-Manager abgeben. „Die ultimative Verantwortung dafür, wo wir stehen und wie wir dort angekommen sind, liegt auf meinen Schultern“, schrieb Kalanick in seiner E-Mail. Er wolle an einem „Uber 2.0“ arbeiten und dafür sei auch ein „Travis 2.0“ nötig.

Kalanick gilt als treibende Kraft hinter der aggressiven weltweiten Expansion des Start-ups, das in Finanzierungsrunden zuletzt laut Medienberichten mit bis zu 69 Milliarden Dollar bewertet wurde. Zugleich stand Kalanick aber auch in der Kritik, eine Kultur bei Uber geschaffen zu haben habe, bei der Leistung und Erfolg wichtiger als alles andere seien. Der Manager musste sich in den vergangenen Monaten bereits rechtfertigen, nachdem ein Video im Internet landete, in dem er hitzig mit einem Uber-Fahrer diskutierte. Er versprach danach, künftig erwachsener zu agieren.

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