Stundenverrechnungssätze bei fiktiver Abrechnung

Substantiierter Vortrag zur Gleichwertigkeit fehlte

03.09.2010 | Autor: autorechtaktuell.de

Der Geschädigte eines Verkehrsunfalls muss sich nur dann auf eine günstigere Reparaturmöglichkeit in einer Freien Werkstatt verweisen lassen, wenn der Schädiger tatsächlich beweist, dass die Reparatur in der Freien Werkstatt vom Qualitätsstandard her gleichwertig mit der Reparatur in einer Vertragswerkstatt ist. Die Frage der Gleichwertigkeit ist nicht an subjektiven Maßstäben, sondern an objektiven Maßstäben wie Schadensumfang, Know-How und Wiederverkaufswert zu beantworten. Dies entschied das Amtsgericht (AG) Trier am 19.02.2010 (AZ: 32 C 500/09).

Im konkreten Fall machte die Klägerin, Eigentümerin eines Maseratis, restliche Schadenersatzansprüche aus einem Verkehrsunfall geltend, da ihr im Rahmen der fiktiven Schadensabrechnung aufgrund eines Prüfberichts lediglich die Stundenverrechnungssätze einer alternativ benannten freien Werkstatt erstattet wurden und nicht die im Gutachten enthaltenen Stundenverrechnungssätze der Maserati-Vertragswerkstatt. Darüber hinaus kürzte die beklagte Haftpflichtversicherung die Verbringungskosten.

Das AG Trier entschied jedoch: Nur wenn der Schädiger substantiiert vorträgt und beweist, dass die Freie Werkstatt die Reparatur vom Qualitätsstandard her gleichwertig mit der Reparatur in der Markenwerkstatt durchführen kann, muss sich der Geschädigte auf diese gleichwertige günstigere Reparaturmöglichkeit verweisen lassen.

Nach Auffassung des AG Trier sei die Gleichwertigkeit an objektiven Kriterien wie dem Schadensumfang, dem Know-How der Werkstatt sowie dem Wiederverkaufswert des Fahrzeugs zu bemessen. Bei reinen Blech- oder Lackschäden sei grundsätzlich davon auszugehen, dass diese auch in einer freien Karosseriewerkstatt behoben werden könnten. Weiterhin sei in Bezug auf das Know-How der Werkstatt die Frage zu stellen, ob diese auf die spezielle Automarke des Geschädigten spezialisiert ist. Nur dann könne eine Gleichwertigkeit der Reparatur angenommen werden. Darüber hinaus spiele auch der Widerverkaufswert des Fahrzeugs eine Rolle, da Reparaturarbeiten in einer herstellergebundenen Vertragswerkstatt sich auch auf den Wiederverkaufswert auswirken. Substantiierter Vortrag zur Gleichwertigkeit fehlte jedoch im konkreten Fall.

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