»kfz-betrieb« Auto-Check: Alfa Romeo Giulia 2.2 Diesel

Innen Biedermann – außen Brandstifter

| Autor: Ottmar Holz

V wie Victory: Nicht nur beim Grill setzt sich das Design der Giulia gegen die Schar ihrer Konkurrenten mühelos durch.
V wie Victory: Nicht nur beim Grill setzt sich das Design der Giulia gegen die Schar ihrer Konkurrenten mühelos durch. (Bild: Holz / »kfz-betrieb«)

Alfa Romeo steht seit Jahrzehnten für außergewöhnlich schöne und schnelle Sportwagen. Die neue Giulia reiht sich hier nahtlos ein, zumindest äußerlich. Nicht nur die Front mit der „Bullet Nose“ und dem charakteristischen Kühlergrill, auch das Fahrzeugheck ist eine optische Augenweide. So dreht man gern eine andächtige Runde um die Parkplatzschönheit, doch nach dem Einsteigen beginnt der triste Ernst des Lebens. Hat der Fahrer hinter dem griffigen Volant auf dem Ledersitz Platz genommen, findet er sich schnell zurecht.

Nüchterne Großserienschalter ohne störendes Chichi, ein dem i-Drive von BMW nachempfundener zentraler Drehdrücksteller und zwei matt spiegelnde Infodisplays stellen dem Fahrer keine unnötigen Denksportaufgaben. Alle für das Vorwärtskommen nötigen Bedienvorgänge gelingen intuitiv. Die Helligkeit der Displays ist leider nicht einstellbar – an hellen Tagen oder mit der Sonne im Rücken sind sie nur schlecht zu erkennen.

Vorbildlich haben die Turiner Ingenieure dagegen die Bedienung der Lüftung konzipiert: Drei gut erreichbare Bedienelemente gestatten schnellen Zugriff auf Temperatur und Gebläseleistung. Will der Fahrer die Luftverteilung ändern, muss er sich ebenfalls nicht durch verschachtelte Menüs wie bei manchem Mitbewerber hangeln. In die A-Säule hat Alfa einen zusätzlichen Anströmer für die Seitenscheibe eingebaut – wohl, um ein eventuelles Beschlagen zuverlässig zu verhindern. Leider ist diese nicht direkt schließbar, und so gelangt in einigen manuell gewählten Lüftungsstellungen ungewollt kalte Außenluft an die Schulter des Fahrers, während es die Füße schön warm haben.

Außen hui, innen langweilig

Die Alupedalerie und die Aluschaltknaufkugel möchten sportliches Flair vermitteln, der Rest des Interieurs ist von der Haptik und optischen Anmutung her wertig, aber bieder. Nach einem Druck auf den extravagant am Lenkrad positionierten Startknopf erwacht der Diesel zu unaufdringlichem Leben – auch auf langen Strecken zeigt sich der Turbodiesel von seiner angenehm leisen Seite. Alfa setzt bei der Giulia sportwagentypisch auf Heckantrieb.

Bereits auf dem Parkplatz überrascht die Limousine daher mit ungeahnter Wendigkeit. Alfa spricht vom längsten Radstand seiner Klasse. Bei der Giulia macht sich dies durch einen geradezu phänomenalen Geradeauslauf bemerkbar. Doch im Innenraum ist vom langen Radstand leider nichts zu spüren: Für die Füße der Fondpassagiere bleibt nur wenig Platz. Hat ein großer Fahrer den Sitz abgesenkt, muss der Fondpassagier seine Schuhe mit Gewalt unter das Gestell drücken.

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