Merkel gibt Millionenziel für E-Autos auf

Kritik aus der Regierung für die Aussage

| Autor: dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist durchaus autoaffin. Doch mit der E-Mobilität hat sie sich wohl verschätzt.
Bundeskanzlerin Angela Merkel ist durchaus autoaffin. Doch mit der E-Mobilität hat sie sich wohl verschätzt. (Bild: Messe Frankfurt)

Kanzlerin Angela Merkel hat das von ihr selbst ausgegebene Ziel von einer Million Elektroautos in Deutschland bis 2020 aufgegeben. Sie hatte am Montag auf einem Arbeitnehmerkongresses der Unionsfraktion gesagt: „So wie es im Augenblick aussieht, werden wir dieses Ziel nicht erreichen.“ Es komme aber immer wieder vor, dass bestimmte technische Entwicklungen sich „ab einem bestimmten Punkt plötzlich exponentiell“ verbreiteten, schränkte sie mit Verweis auf die Smartphones ein.

Die Bundesregierung hatte sich das Ziel gesetzt, über Kaufanreize bis zum Jahr 2020 eine Million E-Autos auf deutsche Straßen zu bringen. Der Verkauf der E-Fahrzeuge läuft trotz der Kaufprämie von bis zu 4.000 Euro aber nur schleppend. Im internationalen Vergleich ist Deutschland sowohl nach Stückzahlen als auch nach Marktanteil weit davon entfernt, ein Leitmarkt für die E-Mobilität zu sein.

Nach Angaben des Branchenverbands VDA sind derzeit insgesamt rund 65.000 Hybrid- und reine Elektroautos in Deutschland unterwegs. Auch die Autoindustrie hält das 2020er Ziel nicht für realistisch. „Die Bundeskanzlerin hat Recht, dass nach heutiger Lage das Eine-Million-Ziel außer Reichweite scheint“, teilte der VDA mit. Das Ziel werde dann aber „wenige Jahre später“ sicher erreicht.

Vor kurzem hatte der Herstellerverband noch deutlich euphorischer geklungen. „Der Umstieg auf die Elektromobilität ist in vollem Gange. Dabei geht es in erster Linie nicht nur um die Zukunft der Automobilindustrie – sondern auch um eine strategische Weichenstellung für den Technologie- und Industriestandort Deutschland“, hatte VDA-Präsident Matthias Wissmann jüngst gesagt.

Hendricks und Zypries verärgert

Die pessimistische Einschätzung von Merkel scheint ein Alleingang zu sein. Die beiden SPD-Ministerinnen für Wirtschaft und Umwelt, Brigitte Zypries und Barbara Hendricks, äußerten sich verärgert. Die E-Mobilität sei für Industrie und Umwelt in Deutschland „von herausragender Bedeutung“, sagten sie am Dienstag der „Deutschen Presse-Agentur“. Die Ziele für die Elektromobilität solle der Bund daher „nicht einfach aufgeben“, sondern überlegen, wie Deutschland hier zum Leitmarkt werden könne.

Die Grünen sprachen von einem Scheitern der Bundesregierung. „Der Ausbau der Ladeinfrastruktur wurde verschleppt, die Kaufprämie für Elektroautos miserabel ausgestaltet“, sagte Fraktionschef Anton Hofreiter. Das Verpassen der E-Auto-Ziele gefährde den wichtigsten Industriesektor Deutschlands.

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