Wie viel Alkohol ist erlaubt?

Der geplante E10-Kraftstoff ist umstritten

07.03.2008 | Redakteur: Jan Rosenow

Motorräder sind auch nur Menschen: Genau wie bei ihren Besitzern darf ihr Blut, sprich Benzin, einen bestimmten Alkoholgehalt nicht überschreiten. Während beim Menschen 0,5 Promille gemeinhin als ungefährlich gelten, sind es beim Motorrad immerhin fünf Prozent. Mit einer neuen Kraftstoffnorm kann der Ethanolgehalt im Ottokraftstoff ab 2009 bis auf zehn Prozent steigen.

Doch warum enthält das Benzin überhaupt Ethanol? Verantwortlich dafür ist die Richtlinie 2003/30/EG der EU. Sie schreibt vor, dass bis zum Jahr 2010 5,75 Prozent des Kraftstoffverbrauchs (gemessen am Energieinhalt) aus regenerativen Quellen stammen sollen. Mit den bestehenden Kraftstoffnormen, die eine Beimischung von höchstens fünf Prozent gestatten, ist das aber nicht zu schaffen.

Im Bemühen, sein Umweltengagement zu beweisen und die Kohlendioxid-Emissionen der deutschen Fahrzeugflotte durch vermeintlich CO2-neutralen Biosprit zu senken, sicherte der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) zu, dass neugebaute Autos deutscher Produktion sogar bis zu zehn Prozent Bioethanol-Beimischung (so genannter E10-Kraftstoff) vertrügen. Nach Meinung des Verbandes gilt das für praktisch alle Gebrauchtfahrzeuge – bis auf wenige Ausnahmen (etwa ein Prozent des Bestands). Diese sollen das teure Super Plus tanken, das weiterhin mit nur fünf Prozent Ethanol (E5) versetzt wird.

Mittlerweile häufen sich aber die Stimmen, die der optimistischen Schätzung des Autoverbandes widersprechen. So rechnet etwa der ADAC nicht mit lediglich 375 000, sondern mit bis zu zwei Millionen Autos, denen der Alko-Sprit nicht schmeckt – von den Motorrädern gar nicht zu reden.

Schätzung kassiert

Auch die Autoindustrie hat ihre Schätzung bereits wieder kassiert und versprochen, bis Ende März (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe) die tatsächliche Zahl der Autos zu ermitteln, die E10-unverträglich sind. Erst dann will die Bundesregierung entscheiden, ob und wann die Kraftstoffe nach der neuen Norm DIN 51626-1 an die Tankstellen gelangen.

Laut den Aussagen des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) blieben die tatsächlichen Beimischungsquoten ohnehin weit unter zehn Prozent. Die neue Norm lege lediglich die Eigenschaften fest, die ein Kraftstoff haben müsse, wenn er bis zu zehn Prozent Ethanol enthielte. Tatsächlich würde die Beimischung im nächsten Jahr nur von derzeit 3,07 auf 4,3 Volumenprozent steigen.

Viel Lärm um nichts also? Trotzdem prüft die Motorradbranche ihre Typen fieberhaft auf E10-Tauglichkeit (siehe Kasten). Auch wenn der Start des Bio-Mixbenzins noch einmal verschoben würde, sind diese Kenntnisse hilfreich.

Auf lange Sicht wünschenswert wäre der Ausbau des E10-Angebotes allemal. Ökologisch korrekte Erzeugung vorausgesetzt, hilft ein höherer Anteil an regenerativ erzeugtem Brennstoff der Umwelt und macht Europa ein Stück weit unabhängiger vom Erdöl. Sollte der Alko-Sprit allerdings Millionen Motorradfahrer ausschließen und zwingen, Super Plus zu tanken, wäre der Umwelt und vor allem dem Image der Biokraftstoffe gewiss nicht geholfen.

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