Der IVM warnt vor Mobilitätsstau

Die Politik muss individuelle Mobilität vereinfachen

09.03.2010 | Redakteur: Markus Lauer

IVM-Präsident Hermann Bohrer: „Wir brauchen mehr 50-cm³-Roller und Kleinkrafträder als Erstmotorisierung für junge Zweiradpiloten.“

Während der Fachmesse „Motorräder Dortmund“ veranstaltete der Industrie-Verband Motorrad (IVM) seine traditionlle Saisoneröffnungskonferenz für die Medien. Der IVM informierte zu folgenden Themen: Konjunktur-Bremse – Im Jahr der Pkw-Abwrackprämie dominieren rote Zahlen, die öffentliche Performance des IVM, Mobilitäts-Lizenz – Die Politik muss individuelle Mobilität vereinfachen und Gourmet-Biker Vivalamopped und der gute Geschmack.

Konjunktur-Bremse – Im Jahr der Pkw-Abwrackprämie dominieren rote Zahlen

137.045 motorisierte Zweiräder über 50 cm³ wurden 2009 in der Bundesrepublik zugelassen, 17,58 Prozent weniger als im Vorjahr. Dabei verzeichneten die Motorräder mit mehr als 125 cm³ Hubraum (Krafträder) bei 86.305 Neuzulassungen einen Rückgang von 16.0 Prozent und das Segment der Motorroller mit mehr als 125 cm³ bei 11.524 Neuzulassungen ein Minus von 16,9 Prozent zum Vorjahr. Noch deutlicher ist die Kaufzurückhaltung im Jahr der PKW-Abwrackprämie bei den Leichtkraftrollern. 25.686 Neuzulassungen sind 17,62 Prozent weniger als 2008. Mit minus 22,78 Prozent geben die Leichtkrafträder 2009 nach und erreichen gerade noch 13.530 Neuzulassungen.

Die wirtschaftliche Situation der Hersteller und Importeure, aber auch des Fachhandels und des Handwerks in Deutschland bleibt von diesem Einbruch nicht unberührt. „Noch reichen Kurzarbeit und das Ausschöpfen von Sparpotenzialen aus, um die krisenhafte Situation zu beherrschen“, erklärt IVM-Präsident Hermann Bohrer und ergänzt, „Dass die Motorrad- und Rollerindustrie mit voller Kraft und im festen Glauben an den starken Motorrad- und Rollermarkt Deutschland den Kampf gegen die konjunkturelle Talfahrt aufnimmt, beweisen viele innovative Modelle 2010.“

Mobilitäts-Lizenz – Die Politik muss individuelle Mobilität vereinfachen

„Wir brauchen mehr 50 cm³-Roller und Kleinkrafträder als Erstmotorisierung für junge Zweiradpiloten. Wir benötigen den Einschluss der 125 cm³-Leichtkrafträder in den PKW-Führerschein.“ Diese Forderungen von IVM-Präsident Hermann Bohrer und Hauptgeschäftsführer Reiner Brendicke zielen in Richtung Liberalisierung des Führerscheinrechts und weitere Demokratisierung der Mobilität.

Mobilität gehört zu den zentralen Ansprüchen der Gesellschaft. Ohne individuelle Mobilität sind Arbeits- und Bildungsplätze schwieriger oder gar nicht zu erreichen. Daher sollte preiswerte und Ressourcen sparende Mobilität nicht mit bürokratischen Hürden versehen, sondern durch leichten Zugang unterstützt werden. Nicht zuletzt erwartet die Motorrad- und Rollerbranche in Deutschland von der Liberalisierung des Führerscheinrechts und des Einschlusses der Leichtkraftlizenz in den Pkw-Führerschein neben der deutlichen Mobilitätssteigerung auch eine dringend notwendige Marktbelebung.

Pkw-Führerscheinbesitzer, die ihre Lizenz vor dem 1. April 1980 erworben haben, können auch Motorräder und Roller bis 125 cm³ Hubraum fahren. Damit ist eine kostengünstige, effiziente Mobilität möglich – für manche als Alternative zum Auto, für andere die einzige wirtschaftlich Form der Fortbewegung. Wer seinen Pkw-Führerschein bis zum 1.04.1980 absolviert hat, ist heute mindestens 48 Jahre alt, d.h. jüngeren Menschen, oder denjenigen, die ihren Führerschein nach dem 1.04.1980 bestanden haben, ist diese ökonomische Möglichkeit der Fortbewegung verwehrt.

Wie dringend kostengünstige Mobilität benötigt wird, zeigt sich in wirtschaftlich angespannten Zeiten. Mit dem Anziehen der Energiepreise und dem subjektiv unsicher erscheinenden Arbeitsmarkt als Wirkung der weltweiten Wirtschaftskrise, stiegen die Zulassungszahlen der Leicht-, Kleinkrafträder und -roller (<125 cm³) sprunghaft an. Die damit verbundene Marktbelebung brach mit dem Start der sogenannten Umwelt- oder Abwrackprämie, der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie initiierten „Richtlinie zur Förderung des Absatzes von Personenkraftwagen“, zusammen. Doch nach dem Erlöschen des Subventions-Feuerwerks ist der graue Alltag in die meisten Autohäuser eingezogen – und auch das Geschäft mit den kleinen motorisierten Zweirädern blieb nachhaltig beschädigt.

Der IVM fordert daher die Politik im Namen der Motorrad- und Rollerbranche dazu auf, die europäischen Richtlinien zur Führerscheinnovellierung mit Augenmaß auch auf die Zukunftsperspektiven von Industrie, Handel und Handwerk auszurichten:

- Einschluss der Führerscheinklasse bis 125 cm³ unter Berücksichtigung einer Mindestdauer für den PKW-Führerscheinbesitz von 5 Jahren sowie einer Schulung auf dem motorisierten Zweirad.

- Senkung des Einstiegsalters der 50 cm³ Kleinkraftradklasse (max. 45 km/h) auf 15 Jahre.


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