Online-Voting elektrisiert die Massen

Ramsauer, wir kommen!

11.03.2010 | Redakteur: Stephan Maderner

Die Fakten

Ohne die individuelle Verkehrsmobilität kann eine moderne Volkswirtschaft nicht funktionieren. Wohlhabende Gesellschaften sind mobil. Wenn Teile der Bevölkerung von bezahlbarer Mobilität ausgeschlossen werden, führt dies zur Beschränkung von Möglichkeiten und Perspektiven. Wo beispielsweise der öffentliche Nahverkehr keine Mobilität bereitstellen kann, müssen Alternativen für den Individualverkehr her. Das Auto ist nach wie vor das Mobilitätsinstrument Nummer eins in Deutschland; die Kosten sind aber vor allem für einkommensschwächere Personen, Jugendliche und Familien nicht zu leisten. Anschaffung und Unterhalt eines Zweitwagens sind deswegen oft nicht realisierbar. Das motorisierte Zweirad ist wie geschaffen für die Schließung städtischer und ländlicher Mobilitätslücken.

Vor allem Roller und Leichtkrafträder sind simpel und intuitiv zu handhaben. In Sachen Ökologie und Ökonomie ist das Kleinkraftrad vor allem im urbanen Lebensraum das ideale Transportmittel.

Sperriger Gesetzgeber

Leider hat der Gesetzgeber in den vergangenen Jahren durch immer restriktivere (Führerschein)-Regeln den Zugang zur Zweiradmobilität ständig weiter erschwert. Die Abschaffung der Mofa-Klassen und das Absenken des Einstiegsalters auf 15 Jahre würde dem Mobilitätsbedürfnis der jungen Verkehrsteilnehmer (z.B. Anfahrt zur Lehrstelle) gerecht werden. Zudem würde sich durch das Verschwinden manipulierter Mofas die Verkehrssicherheit weiter erhöhen. Inhaber des Pkw-Führerscheins sollte es nach sechs Übungsstunden auf dem Zweirad wieder möglich sein, ein leistungsreduziertes Leichtkraftrad bis 125 cm³ Hubraum fahren zu dürfen.

Führerscheinflaute

Deutschland braucht wieder mehr Zweiradmobilität. Der Abwärtstrend ist unverkennbar: 2009 wurden insgesamt ca.100.000 neue Motorräder weniger neu zugelassen als noch vor zehn Jahren! Zudem machen immer weniger Bundesbürger den Zweirad-Führerschein. Die Zahl der jährlich neu ausgestellten A und A1-Papiere ist von 2002 bis 2008 um fast ein Drittel auf 200.000 gefallen. Jugendliche scheuen die hohen Kosten, die eine Lizenz zum Motorradfahren verursacht. Deutschland hat längst seine Position als Vorzeigemarkt für Zweiräder verloren.

Reform tut not!

Jetzt ist die Zeit reif, dass die Bundesregierung ihre Reformfähigkeit unter Beweis stellt. Beide Regelungen bergen ein großes wirtschaftliches Potenzial für den Zweiradhandel, der momentan tief in der wirtschaftlichen Krise steckt. Die Führerscheinneuregelung könnte der Branche einen positiven Schub geben. Ein Blick in andere Länder zeigt, wie es klappen kann: In Österreich reichen zum Erwerb der A1-Klasse vier zusätzliche Fahrstunden zur B-Klasse. Eine weitere Prüfung ist nicht notwendig. Entsprechend ist das Interesse an der Führerscheinklasse

A1 wesentlich größer. Diese Leute sind später auch leichter auf ein Motorrad zu bekommen. In den EU-Ländern Belgien, Italien, Spanien, Frankreich und Österreich wurde die Regelung mit durchweg positiven Erfahrungen bereits umgesetzt. Für Deutschland und die anderen EU-Staaten wäre sie ab 2013 umsetzbar.

Ökonomie und Ökologie

Wenn die Freunde und Fans des motorisierten Zweirads jetzt nicht zusammenstehen, steht zu befürchten, dass das Moped und Motorrad in nicht mehr allzu großer Zukunft von der gesellschaftlichen Bildfl äche verschwindet. Es geht auch um die Sicherung einer bodenständigen Branche, die 30.000 Arbeitsplätze bundesweit sichert, um die nachhaltige Entwicklung einer traditionellen Fahrzeugkultur, die sowohl kultiges Alltags- und Freizeitvergnügen ist – und in Zukunft verstärkt – auch eine ökonomische und ökologische Verkehrsalternative darstellt.

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