Motorrad- und Rollermarkt Schweiz: Womit die Branche Kohle macht

Starker Servicesektor, starkes Zubehör- und Bekleidungsgeschäft

15.11.2010 | Redakteur: Stephan Maderner

Neben dem Business mit Neufahrzeugen und Gebrauchten gewinnt das Geschäft mit Bekleidung und Zubehör in der Schweiz immer mehr an Bedeutung.

Mit dem Verkauf von neuen Motorrädern („Töffs“) und Rollern (33,3 Prozent) sowie gebrauchten Maschinen („Occasionen“, 16,2 Prozent) erzielt die Motorrad- und Rollerbranche knapp die Hälfte ihres Jahresumsatzes von insgesamt 1,114 Milliraden Schweizer Franken (umgerechnet rund 832 Millionen Euro). Wenig bekannt ist, dass die anderen 50 Prozent mit Bekleidung, Service, Ersatzteilen, Reifen und Zubehör erzielt werden.

Wer Motorrad oder Roller sagt, denkt an rassig-sportliche Maschinen, chromglitzerne Chopper, ausladende Touring-Bikes, hübsch verpackte Stadtflitzer oder futuristisch gestylte Megascooter. Vielleicht auch noch an Töfffahrer in fransenbestückten Lederjacken oder eng anliegenden Töffmonturen. „Begriffe wie Service, Ersatzteile, Reifen oder Zubehör führen hingegen im Motorrad-Vokabular von Otto Normalverbraucher ein Mauerblümchendasein“, beschreibt Roland Fuchs von der schweizerischen Fachstelle für Zweiradfragen (sfz). „Nicht jedoch bei Motorrad/Roller-Händlern und Importeuren, denn sie wissen: Dieser „Sekundärbereich“ ist im Töff/Rollergeschäft die halbe Miete!“

Ein Umsatzdrittel mit Service/Reparaturen, Ersatzteilen und Reifen

Ohne Werkstattleistungen läuft bzw. fährt gar nichts im Motorrad/Roller-Gewerbe. Mit dem Unterhalt der Motorräder und Scooter werde über 35 Prozent des Gesamtumsatzes erzielt: 159 Millionen Franken (rund 119 Millionen Euro) entfallen auf Service/Reparaturen, 83 Millionen auf Ersatzteile und 153 Millionen auf den Verkauf und die Montage von Reifen. Diese Zahlen sind Durchschnittswerte. Sie unterliegen je nach Wetterverhältnissen grossen saisonalen Schwankungen, ganz nach dem Motto: Schönes Wetter gleich mehr Kilometer gleich mehr Service- und Reparaturarbeiten. Bekleidung: Sicherheitsdenken und Modeansprüche bringen Umsatz

Früher undenkbar: Die Verbindung von Sicherheit und Lifestyle ist heute bei der Motorrad/Roller-Bekleidung – ähnlich wie in anderen Bereichen, z.B. bei den Skifahrern oder Mountainbikern – eine Selbstverständlichkeit. Was schützt, darf und soll auch dem Auge gefallen und dazu möglichst praktisch sein. Ob Leder oder Textil: Moderne Motorrad/Roller-Jacken, Hosen, Kombis, Handschuhe, Stiefel und Helme werden nicht mehr nur nach sicherheits-relevanten Aspekten gefertigt, sondern zeigen auch modisch-sportiven oder lässig-bequemen Stil. Vom guten Dress auf dem richtigen Töff profitiert auch die Branche und macht damit 125 Millionen Franken Umsatz pro Jahr, Tendenz steigend.

Zubehör: vom GPS über den Tankrucksack bis zur Gegensprechanlage

Der Wunsch nach mehr Individualität und gesteigerte Komfortbedürfnisse führen zu mehr Nachfrage beim Zubehör. Helmgegensprechanlagen, GPS-Systeme, Windschutzscheiben, Koffer-Sets etc. – der Motorrad- und Roller-kunde hat die Wahl. Mit 43 Millionen Franken bzw. rund vier Prozent des Gesamtumsatzes ist der Handel mit Zubehör ein willkommenes Zusatzgeschäft der Branche.


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