Münchner E-Flugtaxi-Start-up sammelt 90 Millionen Dollar ein

Namhafte Größen investieren in Lilium

| Autor: Christoph Seyerlein

Im Jahr 2019 will das Lufttaxi-Start-up Lilium mit Testflügen beginnen.
Im Jahr 2019 will das Lufttaxi-Start-up Lilium mit Testflügen beginnen. (Bild: Lilium)

Fliegende Autos und Lufttaxen kommen in der Tech-Branche immer mehr in Mode. Die Google-Gründer, Uber, Airbus – viele große Namen haben bereits Geld in entsprechende Projekte gesteckt. Nun ist dem Münchner Start-up Lilium ein Coup gelungen: Die vier Gründer und Absolventen der Technischen Universität München, Daniel Wiegand, Matthias Meiner, Sebastian Born und Patrick Nathen, haben in einer Finanzierungsrunde 90 Millionen US-Dollar für ihr Unternehmen eingesammelt.

Unter den Geldgebern sind einige renommierte Namen: Beispielsweise haben Skype-Gründer Niklas Zennström, der chinesische Internetgigant Tencent und die Investmentfirma Obvious Ventures von Twitter-Mitgründer Ev Williams in Lilium investiert.

Mit dem Geld will Lilium mit seinen 70 Mitarbeitern nun ein Kleinflugzeug mit fünf Sitzen entwickeln. Für den Antrieb sollen 36 Elektromotoren in den Flügeln sorgen. Die ersten Testflüge sind für 2019 geplant. Einen Prototypen hatte das Start-up bereits nach einer 10-Millionen-Dollar-Geldspritze Ende 2016 gebaut. Dieser konnte senkrecht starten und landen. Außerdem fliegt die Maschine anders als viele andere Konzepte für Lufttaxen wie ein klassisches Flugzeug und nicht wie eine Drohne oder ein Multikopter.

Mit einer Batterieladung soll der Jet in den Plänen der Münchner für eine Stunde mit einer Geschwindigkeit von 300 Stundenkilometern fliegen können. Dank seines reinelektrischen Antriebs soll das Flugzeug im Betrieb umweltschonend und wesentlich leiser als herkömmliche Flieger sein. Zunächst soll noch ein Pilot die Maschine steuern, langfristig plant Lilium aber mit autonomen Flugtaxen.

In fünf Minuten einmal quer über Berlin

Den Betrieb stellt sich Lilium folgendermaßen vor: In einer Stadt mit einer Million Einwohnern gibt es zunächst 10 bis 20 Anlaufstellen für Kunden. Von dort fliegen sie Kurzstrecken von 10 bis 20 Kilometern. In Berlin dauere es zum Beispiel mit dem Auto eine Stunde, um von einem Ende der Stadt ans andere zu kommen – mit dem Lilium-Jet bräuchte man fünf Minuten, nennt Lilium-Mitgründer und -Chef Martin Wiegand ein Beispiel.

Außerdem könne man mit solchen kleinen Fluggeräten erstmals eine Hochgeschwindigkeits-Anbindung jedem Ort zur Verfügung stellen. „ICE oder Autobahn sind extrem teure Infrastrukturen, die normalerweise Großstädten vorbehalten bleiben.“ Für die Flugzeuge müsse eine Gemeinde hingegen „nur“ 100.000 Euro in einen Start- und Landeplatz investieren.

Bis zur Serienreife des Lilium-Flugtaxis ist es aber trotz des frischen Geldes noch ein weiter weg, wie Unternehmens-Mitgründer und -Chef Daniel Wiegand in einer Mitteilung sagte: „Der größere Schritt ist der vom Prototypen zum zugelassenen Serienflugzeug.“ Gerade die Zulassungsvoraussetzungen für derartige Flugkörper seien extrem streng. Eine weitere Finanzierungsrunde für Lilium sei alternativlos, mit den 90 Millionen Dollar könne man aber schon viel bewegen.

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