E-Autos: Deutschland hinkt weiter hinterher

Studie sieht China als stärksten Wachstumstreiber

| Autor: Christoph Seyerlein

Studienautor Stefan Bratzel fordert eine konzertierte Aktion von deutscher Politik und Automobilindustrie.
Studienautor Stefan Bratzel fordert eine konzertierte Aktion von deutscher Politik und Automobilindustrie. (Foto: Audi)

Deutschland wird dem eigenen Anspruch als Leitmarkt für Elektromobilität nach wie vor nicht gerecht. Zu diesem Ergebnis kommen die Autoren der Studie „Elektromobilität im internationalen Vergleich. Bilanz 2015 und Prognose“ vom Center of Automotive Management (CAM). Besonders stark wächst die Nachfrage demnach derzeit in China, das die USA als Leitanbieter abgelöst hat.

Zwar stiegen in Deutschland die Neuzulassungen von rein elektrischen Fahrzeugen und Plug-in-Hybriden im vergangenen Jahr verglichen mit 2014 um rund 80 Prozent. Die insgesamt 23.500 Einheiten werden aber beispielsweise von Großbritannien (28.000), Frankreich (27.000) oder Norwegen (25.000) übertroffen. Den Zuwachs hierzulande bei den vollelektrischen Autos von 8.500 in 2014 auf 12.300 im Vorjahr (+45 %) führen die Autoren zumindest teilweise auf taktische Zulassungen von Herstellern zurückzuführen. Kia habe beispielsweise einen Großteil der hier angemeldeten Elektroautos nach Norwegen weiterverkauft.

Noch deutlich stärker legten in Deutschland die Plug-in-Hybride zu. 11.100 verkaufte Modelle im Jahr 2015 bedeuteten ein Plus von 145 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In der Zulassungsstatistik lag der Kia Soul EV mit 3.850 Einheiten ganz vorne, gefolgt vom BMW i3 (2.250) und dem Mitsubishi Outlander PHEV (2.150). Der Marktanteil von Elektrofahrzeugen bleibt hierzulande mit 0,7 Prozent auf einem niedrigen Niveau.

Aufgrund des Rückstandes im internationalen Vergleich fordert Studienleiter Stefan Bratzel ein besseres Zusammenspiel von Politik und Automobilindustrie in Deutschland. Es brauche eine „konzertierte Aktion“ von Herstellern und Regierung, um mittel- und langfristig die Batteriezelltechnologie ins Land zu holen. Der Staat müsse vor allem beim Aufbau einer dichten Schnellladeinfrastruktur mehr unterstützen. „Wenn nicht massiv gegengesteuert wird, droht Deutschland bei der Elektromobilität abgehängt zu werden. Dies würde dem Automobilstandort Deutschland schwer schaden“, sagte Bratzel.

China neuer Leitmarkt

Dagegen hat in China die Entwicklung der Elektromobilität deutlich an Dynamik gewonnen. Im vergangenen Jahr verdreifachte sich der Absatz von E-Autos im Vergleich zu 2014 auf 188.000 Einheiten. Laut CAM hat China die USA mit deutlichem Abstand als Leitmarkt für Elektromobilität abgelöst. In den Vereinigten Staaten gingen die Neuzulassungen mit 115.000 Autos im vergangenen Jahr um rund drei Prozent zurück. Der zunehmende Absatz von rein elektrischen Fahrzeugen im Vergleich zu 2014 (+14 %) konnte den Einbruch der Plug-in-Hybride (-22 %) nicht ausgleichen.

Die starke Nachfrage in China führen die Studienautoren neben den schon länger bekannten Kaufanreizen auf bevorzugte Zulassungsbedingungen in Städten wie Shanghai und Peking zurück. Staatliche Behörden erteilen Autos mit konventionellen Antrieben dort wegen vieler Staus und hoher Umweltbelastungen keine oder nur eingeschränkte Zulassungen, Käufer von Elektroautos bekommen dagegen keine Probleme. Marktführer in China ist BYD, allein mit den Modellen „Qin“ und „Tang“ setzte das Unternehmen 2015 50.000 Plug-in-Hybride ab. Erfolgreichstes nicht-chinesisches Modell ist das Tesla Model S auf Platz 15 der E-Zulassungsstatistik mit 4.500 Einheiten.

Deutlicher Schub erwartet

Für die kommenden Jahre rechnet das CAM mit einem deutlichen Schub für die Elektromobilität. Im Jahr 2020 könnten E-Autos bis zu fünf Prozent aller weltweiten Neuzulassungen ausmachen. Bereits 2025 rechnen die Studienautoren dann mit bis zu 15 Prozent beziehungsweise 14 Millionen neu verkauften Stromern. Fünf Jahre darauf könnte der Anteil dann mit bis zu 30 Millionen Einheiten auf rund 30 Prozent zulegen.

Kommentare werden geladen....

Ihr Kommentar zum Thema

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 43833961 / Neuwagen)

Plus-Fachartikel

„My Business“: Pflegebedarf bei Profilen

„My Business“: Pflegebedarf bei Profilen

Google ermöglicht es Unternehmen, sich mit Brancheneinträgen prominent im Umfeld der Ergebnislisten zu platzieren und zu präsentieren – und das kostenlos. Autohäuser schöpfen das Potenzial aber oft nicht voll aus. lesen

Mercedes-Benz-Online-Store: „Vertrieb der Zukunft“

Mercedes-Benz-Online-Store: „Vertrieb der Zukunft“

Mercedes-Benz verkauft ab sofort ausgewählte Neuwagen bundesweit über den eigenen Online-Shop. Der Hersteller will die Kunden mit attraktiven Preisen und einer kostenlosen Überführung zum Kauf animieren, der Handel liefert die Fahrzeuge aus. lesen