Gefahren: Genesis G90 – die unbekannte Größe

Marktstart in Europa zunächst nicht geplant

| Autor: sp-x

Der Genesis G90 ist das erste Modell, das unter dem Label der neuen koreanischen Luxusmarke an den Start geht.
Der Genesis G90 ist das erste Modell, das unter dem Label der neuen koreanischen Luxusmarke an den Start geht. (Foto: Hyundai)

Audi A7, Mercedes CLS, und BMW vom Fünfer bis zum Siebener – die erste Reihe beim Valet-Parking am Flughafen Incheon ist fest in deutscher Hand. Doch zwischen all den importierten Luxuslinern schiebt sich plötzlich das markante Gesicht des neuen Genesis G90 heraus. Stolz und strahlend rückt sich das neue Flaggschiff des Hyundai-Kia-Konzerns ins Blickfeld und buhlt um jene Aufmerksamkeit, die dem koreanischen Marktführer bei den Besserverdienern bislang verwehrt geblieben ist:

„Wir wollen das Geschäft in der Oberklasse nicht länger den Luxus-Importeuren überlassen“, sagt Albert Biermann, der bei Hyundai und Kia für die Fahrdynamik verantwortlich zeichnet. Deshalb und natürlich als technologisches Aushängeschild des gesamten Konzerns legen die Koreaner unter dem Namen Genesis ihre eigene Luxusmarke auf und beginnen das ganz standesgemäß mit einem neuen Top-Modell.

Von 800 Ingenieuren in vier Jahren detailverliebter Arbeit entwickelt, war der G90 das erste Auto, das Biermann nach seinem Amtsantritt im letzten Jahr in die Finger bekommen hat: „Damit müssen Sie sich besonders viel Mühe geben, damit wir uns nicht blamieren“, habe ihm der Chairman gesagt, erinnert sich Biermann. Und eine gemeinsame Testfahrt in seinem neuen Dienstwagen beweist, dass er einen guten Job gut gemacht.

Denn auch wenn die Limousine im Mutterland der Tempo-Schwellen so butterweich abgestimmt ist, dass sie selbst die höchsten Bodenwellen gleichmütig wegswingt, wirkt der 5,20 Meter lange Luxusliner ebenso souverän wie solide. Flüsterleise, samten und seidig gleitet er deshalb über die Autobahn der Hauptstadt entgegen. Vom Motor hört man ebenso wenig wie vom Fahrtwind. Das einzige, was hier die Sinne reizt, sind eine elegante Landschaft aus Lack und Leder, der Duft von echtem Holz und das kühle Gefühl, wenn man im nüchtern noblen Cockpit Metallknöpfe anfasst, die tatsächlich aus Metall sind.

Beeindruckendes Infotainment-System

Den größten Eindruck schindet der G90 aber mit seinem Infotainment-System. Nicht nur, weil jede der zahlreichen Radarfallen einzeln angesagt wird und die Elektronik danach gleich auch wieder Entwarnung gibt. Oder weil ein dezenter Gong vor den unzähligen Speedbumps warnt. Vor allem, weil die Grafik so brillant, die Auflösung so hoch und die Animation so faszinierend ist, dass man gar nicht mehr nach draußen schauen möchte. Warum auch?

Was von der alles andere als schmucken Millionen-Metropole durch die stark getönten Scheiben und die elektrischen Jalousien überhaupt noch zu sehen war, versinkt gerade in der Dunkelheit und solange der G90 auf der Autobahn unterwegs ist, fährt er ohnehin fast alleine. Während der Highway Driving Assistant genau wie in Siebener & Co alleine Kurs und Abstand hält und nur gelegentlich einen Kontrollgriff zum Lenkrad fordert, kuschelt man sich in den imposanten Thronsessel, lässt den Blick durch das aufgeräumte Cockpit schweifen und schleicht sich geduldig der Stadtmitte entgegen.

Ja, mit seinem neuen V6-Benziner könnte der G90 durchaus etwas engagierter bewegt werden. Nicht umsonst mobilisiert der 3,3 Liter dank Doppelturbo und Direkteinspritzung 370 PS und bis zu 510 Nm und wenn man das Setup von Smart auf Sport stellt, lässt einen die Limousine ihre gespannte Vorfreude durchaus spüren. Doch so gesittet, wie es auf den Straßen in und um Seoul zugeht, verbietet sich der Kickdown fast von selbst. Dass der G90 in 6,2 Sekunden auf Tempo 100 kommt, glaubt man ihm deshalb unbenommen. Und ob er wirklich mühelos die in dieser Liga üblichen 250 Sachen schafft, wird man in Korea nie herausfinden, wenn man nicht seinen Heimflug riskieren möchte.

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