Opel-Eigenzulassungen: „Kein schönes Tool“

Auch Januar-Quote über der 40-Prozent-Marke

| Autor: Jens Rehberg

Karl-Thomas Neumann: „Jeder tut es.“
Karl-Thomas Neumann: „Jeder tut es.“ (Foto: Opel)

Mit breiter Brust tragen die Opel-Mitarbeiter auf dem Genfer Messestand den großen bunten „Car-of-the-Year“-Button. „Die haben wir auf Verdacht machen lassen“, erklärt ein Pressesprecher das plötzlich allgegenwärtige Accessoire. Auch ein Vorführwagen auf dem Stand ist bereits mit dem Logo des renommierten internationalen Journalistenpreises beklebt. Und einen großen Aufsteller mit dem Award-Emblem haben die Opelaner auch schon herbeigeschleppt.

Opel-Chef Karl-Thomas Neumann zeigt sich anlässlich eines Pressegespräches auf dem Messestand sichtlich stolz und erleichtert über die Auszeichnung für den neuen Astra – den überlebenswichtigen Bestseller aus Gliwice und Ellesmere Port, der vor kurzem den Corsa als volumenstärksten Opel wieder abgelöst hat. Neumann räumt ein, letztes Jahr an dieser Stelle deutlich weniger entspannt gewesen zu sein, als er den Journalisten den Rückzug aus Russland erklären musste und befürchtete, das weggebrochene Volumen nicht kompensieren zu können.

Mittlerweile ist aber klar, dass er es mit Ach und Krach geschafft hat, das Gesamtabsatzvolumen des Herstellers im vergangenen Jahr zu halten. Und der Jahresstart 2016 ist vielversprechend verlaufen. In Deutschland hat Opel im Januar und Februar knapp einen halben Prozentpunkt Marktanteil gewonnen – 25 Prozent mehr Verkäufe als im Vorjahreszeitraum zaubern Karl-Thomas Neumann ein siegessicheres Lächeln aufs Gesicht.

Doch angesichts der hohen Eigenzulassungsquote, die Rüsselsheim fährt – mit 42 Prozent (Gesamtjahr 2015) ist Opel das taktisch eindeutig aktivste deutsche Volumenfabrikat – muss er sich auch die Frage nach der Substanz der jüngsten Zahlen gefallen lassen.

Für den Februar liegen der Redaktion noch keine detaillierten Werte zu den einzelnen Vertriebskanälen vor, im Januar lag die Eigenzulassungsquote aber auf dem für Opel üblichen, hohen Niveau oberhalb von 40 Prozent. Zwar fiel die Quote etwas geringer aus als im gleichen Monat des Vorjahres, doch dafür schnellten die Opel-Neuzulassungen der Vermieter im Januar um 36 Prozent nach oben.

Im Gespräch mit »kfz-betrieb« äußerte sich Karl-Thomas Neumann nun offen über die Motivationslage: „Der nicht so gute Teil der Eigenzulassungen ist der Teil, den wir über den Handel in den Markt drücken, aber so läuft das Spiel nun mal – jeder Hersteller tut es“, sagt Neumann. Er weist die Auffassung zurück, eine sehr hohe Eigenzulassungsquote in manchen Monaten sei immer ein schlechtes Signal. „Es ist ein Kanal, den man eben benutzt – wir müssen Geld verdienen, wir müssen unsere Preispunkte schützen und wir müssen mehr Kunden zum Leasing hinführen.“ An dieser Stelle ergänzt er resigniert: „Es wird immer nur über Eigenzulassungen geschrieben – aber niemand schreibt über die weit verbreitete Praxis, Leasingraten hochgradig zu unterstützen.“

Und weiter: „Wir müssen auch zugeben, dass es nach wie vor Überkapazitäten auf dem Automarkt gibt.“ Jeder fahre deshalb taktische Aktionen. „Es ist kein schönes Tool, aber nun mal eins von vielen.“

Freude bereitet Neumann dagegen die hohe Anzahl an Werkszulassungen – der „gute Teil“ der Eigenzulassungen. „Wir konnten die Verkäufe an unsere Mitarbeiter dramatisch steigern“, sagt der Opel-Chef. „Unser Vertriebsvorstand Peter Küspert hat das gewaltige Potenzial erkannt, das wir hier haben. Wir müssen unsere Angestellten in unsere Autos hineinbekommen.“ Dafür habe man entsprechend attraktive Programme entwickelt und die Leasingraten gesenkt. Man werde das nun – genauso effizient wie hierzulande – auch an den Opel-Standorten im Ausland praktizieren. „Das ist vorteilhaft für unsere Angestellten und vorteilhaft für Opel.“

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