22.02.2010 | Autor: Julia Mauritz

Um deutliche 20 Prozent sind die Toyota-Neuzulassungen seit Bekanntwerden der Gaspedal- und Bremsprobleme zurückgegangen. Der Präsident des Toyota-Händlerverbands, Burkard Weller, will diese Entwicklung aber nicht überbewerten. Noch nicht, da angesichts zugespitzter bis unsachlicher Medienberichte ein längerfristiger Schaden immer wahrscheinlicher wird.
„Das tut weh und die Händler machen keine Freudentänze, es ist aber auch kein Weltuntergang“, kommentierte Weller die jüngsten Verkaufszahlen gegenüber »kfz-betrieb ONLINE«. Zurückzuführen sei dieses Minus seiner Ansicht nach in erster Linie auf fehlende Neukunden: Die Toyota-Stammkunden wüssten, „dass sie ein zuverlässiges Auto haben und sind uns treu“.
Im Gegensatz zu den Amerikanern sei bei den deutschen Kunden bislang von Panik nichts zu spüren: „Sie lassen sich nicht durch gestellte YouTube-Filmchen verunsichern, in denen sich jemand per Handy von seiner Familie aus einem Toyota heraus verabschiedet und angeblich ins Verderben fährt“, bemerkt Weller. In ganz Europa sei kein einziger Unfall bekannt, der auf selbstständiges Beschleunigen zurückzuführen sei, ergänzte der Präsident des Toyota-Händlerverbands.
Herbe Kritik äußerte Weller an der Verbraucherpresse: „Durch die unglaubliche Medienschelte, die wir als Marke über uns ergehen lassen müssen, wird es von Tag zu Tag wahrscheinlicher, dass wir das Geschehene nicht in sechs Wochen weggesteckt haben.“ Es bleibe nur die Hoffnung, dass neue spannendere Geschichten den Toyota-Rückruf von den Titelseiten der Verbraucherpresse verbannen.
Der Vizepräsident von Toyota Deutschland, Alain Uyttenhoven, hatte sich erst kürzlich für die verfehlte Informationspolitik seitens des Herstellers entschuldigt. Weller ist vor diesem Hintergrund der Ansicht, dass der Kölner Importeur auf dem richtigen Weg sei und lobte den engen Schulterschluss von Toyota Deutschland mit dem Handel: „Herr Uyttenhoven hat für seine Brüsseler Freunde den Kopf hingehalten.“ Brüssel sei die Schaltstelle für Europa „und da schaltet es sich manchmal sehr langsam“, erneuerte er frührere Kritik am Kommunikationsstil der Europazentrale.
Reibungslos verläuft derweil die Ersatzteilbelieferung: „Die ersten Umrüstungen sind seit einer Woche beim Handel und die ersten KBA-Schreiben gehen jetzt auch schon raus.“ Auch Toyota hatte auf Nachfrage bestätigt, dass keine Lieferschwierigkeiten zu erwarten seien.
Lobend äußerte sich Burkhard Weller auch über die Vertriebs- und Marketingmaßnahmen, mit denen Toyota ab März auf das Rückrufdebakel reagieren will. Das 25-seitige Schreiben lese sich sehr gut. Unter anderem ist ein Extra-Budget für die Einführung des neuen Toyota Auris geplant. Der Kölner Importeur die Werbekostenzuschüsse für die Händler deutlich erhöht und hat die geplante nationale Werbung verdoppelt. Der Fokus liegt dabei vor allem auf Imagekampagnen.
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