Autohaus Bald zeigt Optimismus für 2010

„Bald hat schon Schlimmeres überstanden“

12.03.2010 | Autor: Stephan Richter

Tobias Bald, geschäftsführender Gesellschafter der Bald Automobilgesellschaft, bleibt auch im Angesicht der Finanzkrise und sinkender Absatzzahlen gelassen: „Während des Zweiten Weltkriegs sind unsere Gebäude komplett zerstört worden. Mein Urgroßvater und mein Großvater mussten bei null wieder anfangen, das Unternehmen aufzubauen. Wir sind schon früher erfolgreich durch eine Krise gegangen, dann schaffen wir das auch heute!“

Die Bald-Gruppe mit Hauptsitz in Siegen hat schon viel durchgemacht. Die Gebäude lassen nicht viel davon erahnen und gleichen vielen anderen Autohäusern dieser Welt. Aus den hochgelegenen Fenster des Konferenzraums ist es ein Leichtes, das Firmengelände zu überschauen, dessen Gebäude sich wie eine Perlenkette an der stark befahrenen Leimbachstraße aufreihen.

Lange Firmengeschichte

Erst der Blick an die Zimmerwände offenbart die weitreichende Geschichte des Unternehmens: Dankesbriefe, Gründungsurkunden, Anerkennungsschreiben und Visitenkarten aus dem 19. Jahrhundert sind Zeichen aus einer Zeit, in der es noch gar keine Automobile gab.

Vielmehr gründete der Wagenbauer Heinrich Bald 1862 eine Wagenfabrik mit Dampfbetrieb und legte den Grundstein für das heutige Unternehmen Bald in Siegen. Der ursprüngliche Plan war, Kutschen und Lieferwagen zu fertigen, und zwar ein Jahr, nachdem die Ruhr-Sieg-Bahn und die Eisenbahnstrecke zwischen Siegen und Köln eingeweiht worden waren. Der Trend ging zur Schiene, Fuhrunternehmer protestierten. Nur Heinrich Bald behielt den Weitblick, dass die Konsumenten auch zukünftig den Wunsch haben würden, Reiseverkehr mit eigenem Gefährt zu tätigen und Güter selbst zu transportieren.

Regional verbunden

Heute zählt das Unternehmen neun Standorte und vertritt Mercedes-Benz, Smart, Audi und Volkswagen, sodass die Geschichte des Automobils im Siegerland scheinbar untrennbar verbunden ist mit dem Namen Bald. Über fünf Generationen hinweg leiteten immer Mitglieder der Familie die Geschicke der Firma. Auch heute noch befindet sich das inzwischen 500 Mitarbeiter starke Unternehmen in Familienhand. Bis 2004 waren noch neun Bald-Kinder gleichzeitig als Inhaber des Unternehmens geführt, heute leitet Tobias Bald die Geschäfte gemeinsam mit Uwe Hucklenbroich.

In diesem Jahr begann auch die Restrukturierung der Autohaus-Gruppe in den Bereichen Organisation, Computertechnik, Führungsstruktur und Personal. Im Zuge dessen musste der Betrieb fast 100 Arbeitsplätze abbauen: „Das war eine schwierige Zeit und es war gut, dass wir auf loyale Mitarbeiter bauen konnten“, erinnert sich Bald: „Wir haben unsere Prozesse vor einigen Jahren optimiert und können jetzt im Gegensatz zu vielen anderen davon zehren.“ Für 2010 rechnet Bald mit einer großen Insolvenzwelle im mittelständischen Fahrzeughandel.

Fahrertraining und Software

In der gesamten Firmengeschichte hat sich die Bald-Gruppe große Nutzfahrzeugkompetenz erarbeitet. „Dieses Wissen wollten wir nicht ungenutzt lassen“, sagt Tobias Bald. Daher investierte das Unternehmen 2009 160.000 Euro in Schulungsräume und -fahrzeuge und bildete einen seiner Mitarbeiter aus, um Fahrertrainings anbieten zu können.

Der Erfolg gibt der Idee Recht: Seit Mai 2009 hat das Autohaus 200 Fahrer geschult und ist bis März 2010 ausgebucht. „Neben der Ladungssicherung bringen wir die Trucker auch in Sachen ökonomischer und ökologischer Fahrweise auf den neuesten Stand“, erklärt Bald. „Zudem sind die Trainings ein wichtiges Kundenbindungsinstrument.“ Zu den Fahrern gehören aber nicht nur Bald-Kunden; auch Speditionen mit gemischten Fuhrparks oder mit Fremdmarken melden ihre Fahrer zu den Fahrertrainings an.

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