Handel zieht Halbjahresbilanz

Autohäuser bauen auf Servicegeschäft und Gebrauchtwagen

01.07.2010 | Autor: Wolfgang Michel

Der Geschäftsführer der Gottfried-Schultz-Gruppe, Nicholas J. Dunning, beurteilt das erste Halbjahr wie viele seiner Kollegen durchwachsen.

Bezüglich des Neuwagenverkaufs ist das erste Halbjahr 2010 deutschlandweit sehr unterschiedlich verlaufen. Die Händlerstimmen reichen von „erwartungsgemäß schlecht“ über „leicht besser als 2008“ bis hin zu „sehr positiv“. Hingegen lautet der mehrheitliche Tenor in Sachen Gebrauchtwagen: „Die Geschäfte sind dieses Jahr deutlich ertragreicher als im Vorjahr, da sich höhere Margen realisieren lassen und teilweise die Ware knapp ist.“

Und wie in den Vorjahren war der Service von Garmisch-Partenkirchen bis Flensburg und von Aachen bis Dresden in den ersten sechs Monaten des Jahres eine gut kalkulierbare Umsatz- und Ertragsgröße im Kfz-Gewerbe. Das ergab eine von »kfz-betrieb« aktuell durchgeführte Befragung von markengebundenen Handels- und Servicebetrieben.

Unterschiedliche Händlerstimmen

Helmut Peter, Geschäftsführer der Autohaus-Peter-Gruppe mit Sitz in Nordhausen, ist nicht unzufrieden mit den Verkaufzahlen im ersten Halbjahr: Immerhin liegen sie leicht über denen des Jahres 2008. Positiv ist für ihn auch, dass sich die Neuwagenrabatte auf dem gleichen Niveau wie in den Jahren 2008 und 2009 bewegen. Sehr erfreut äußert sich der Geschäftsführer über das Gebrauchtwagengeschäft: „Wir konnten unsere Erträge in diesem Geschäftsfeld um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigern und sind hoch zufrieden.“

Das Servicegeschäft laufe auf hohem Niveau – auch hier also kein Grund zur Klage. Seine positive Einschätzung des Nutzfahrzeuggeschäfts rundet dieses optimistische Bild ab: „Das Servicegeschäft im Nutzfahrzeugbereich läuft sehr gut, das Reifengeschäft sowie die Aufbaureparaturen haben sich zufriedenstellend entwickelt. Das Verkaufsgeschäft in diesem Segment bewegt sich immerhin auf dem geplanten Niveau.“ Und so geht Mehrmarkenhändler Helmut Peter optimistisch in das zweite Halbjahr: „Wir werden unsere Umsätze in Vertrieb und Service sicher noch leicht steigern, denn das zweite Halbjahr läuft in unserer Region traditionell immer besser als das erste.“

Schwieriges Nutzfahrzeuggeschäft

Ähnlich zufrieden äußert sich Peter Schäfer, Geschäftsführer des Autohaus Schäfer in Königsbrunn: „Seit März beobachten wir eine deutliche Verbesserung im Neuwagengeschäft. Zwar verkaufen wir weniger Autos als im Vorjahr, aber vor allem im Bereich der ertragreichen, hochklassigen Fahrzeuge hat die Nachfrage wieder stark angezogen.“ Erfreulich: Auch wenn die Verkaufszahlen im Gebrauchtwagengeschäft gegenüber 2009 deutlich zurückgegangen sind, liegen sie doch über den Zahlen aus dem Jahr 2008. Und: „Die Geschäfte sind dieses Jahr deutlich ertragreicher als im Vorjahr, da wir höhere Margen realisieren können“, so Schäfer.

Eine positive Nachwirkung der Umweltprämie verspürt der Unternehmer im Servicebereich: „Insbesondere seit April macht sich bemerkbar, dass letztes Jahr mehr Fahrzeuge ausgeliefert wurden – die kommen jetzt zur Jahresinspektion in unsere Werkstatt.“ Und das freut den Geschäftsführer natürlich. Weniger erfreulich gestaltet sich dagegen der Nutzfahrzeugvertrieb. Denn auch wenn die Nachfrage im zweiten Quartal leicht angezogen hat, leidet das Unternehmen unter dem starken Preiskampf in diesem Segment. Immerhin laufe der Nfz-Service etwas besser.

Ausblick 2010 - Die Stimmen der Händler*

Ins zweite Halbjahr blickt Peter Schäfer verhalten optimistisch: „Die Neuwagennachfrage wird leicht steigen, allerdings rechnen wir bereits jetzt mit langen Lieferzeiten. Stabil wird das Gebrauchtwagengeschäft bleiben. Und im Service geht sicher noch mehr aufgrund der vielen im letzten Jahr ausgelieferten Fahrzeuge.“

1. Halbjahr: Besser gelaufen als erwartet!

Für den Geschäftsführer der Gottfried Schulz GmbH in Düsseldorf, Nicholas Dunning, ist das erste Halbjahr besser gelaufen als erwartet – die Nachfrage nach Neuwagen sei nicht so stark zurückgegangen wie befürchtet. Besorgniserregend sei die Entwicklung der Rabatte: „Die haben sich zum Teil sogar noch erhöht!“, kritisiert der Geschäftsführer. Motivierender sei da schon das Gebrauchtwagengeschäft: „Der Vertrieb von Second-hand-Autos entwickelt sich positiv, wenn auch auf einem nach wie vor sehr niedrigen Margenniveau. Die Talsohle ist hoffentlich durchschritten“, meint Nicholas Dunning.

Und zum Glück gibt es ja noch das Servicegeschäft – das entwickele sich gut. Schwierig sei dagegen die Situation im Nutzfahrzeuggeschäft, denn hier gebe es nur eine geringe Nachfrage. Mit gemischten Gefühlen blickt der Unternehmer daher ins zweite Halbjahr: „Im Vertrieb erwarten wir weiterhin keine stetige Entwicklung, der Service wird konstant auf dem jetzigen (hohen) Niveau bleiben.“


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