20.06.12 | Autor: sp-x

Die Überraschung war groß als ausgerechnet Audi vor 30 Jahren mit dem stromlinienförmigen Modell 100 und neuer Antriebstechnik die meist backsteinförmige Mittelklasse stürmte. Galt doch die große Limousine der Bayern bis dahin als Inbegriff der biederen Beamtenlimousine.
Erst die dritte Audi-100-Generation (C3) konnte 1982 die Vormachtstellung des kantigen Mercedes-Benz W123 sowie des 5er BMWs sprengen und neue Importlimousinen wie Volvo 760 ins Abseits stellen. Unterstützung auf dem Weg nach oben erhielt der Audi 100 durch die leistungsstärkeren Schwestermodelle Audi 200 (ab 1983) und 300 (ab 1988). Nicht zu vergessen der Avant (ab 1983) als erster großer Lifestyle-Kombi. Seiner Zeit voraus wurde der hybride Pionier an den Vorderrädern mit einem 100 kW/136 PS-Benziner und 9,4 kW/13 PS-Elektromotor an den Hinterrädern angetrieben.
Ferdinand Piëch, seit 1974 Leiter der technischen Entwicklung, vollzog damals den Wandel von Audi zum ingenieurgetriebenen Unternehmen: zunächst mit Fünfzylinderbenzinern (1976), Turboladertechnik (1979) und dem Allradantrieb quattro (1980), die 1982 in die weltweit strömungsgünstigste Großserienlimousine (cW-Wert 0,30), den Audi 100 (C3) übernommen wurden, dann mit vollverzinkten Karosserien (ab 1985) und Dieselmotoren mit Turboaufladung (ab 1989). Der Achtzylindermotor und Allradantrieb im Audi 100 bereiteten 1988 den Weg in die Premiumklasse vor und deklassierten den Erzrivalen Mercedes-Benz deutlich.
Der erste deutsche Diesel-Direkteinspritzer leistete 88 kW/120 PS und machte den Audi 100 Avant TDI zum weltweit ersten 200-km/h-Kombi mit Selbstzünder. Bemerkenswert war auch sein damals unschlagbar niedriger Verbrauch und auch beim Thema Abgasreduzierung war der Audi 100 ein Vorreiter.
Der Audi 200 Avant quattro 20V mit 162 kW/220 PS leistendem Fünfzylinder erreichte als erster Großserienkombi die 240-km/h-Marke. Aber auch der 55 kW/75 PS-Basismotor setzte bei Audi 100 einen Bestwert. In Relation zur Motorleistung war die Spitze von 165 km/h rekordverdächtig, so benötigte etwa der Mercedes 200 im Jahr 1982 über 50 Prozent mehr Leistung für das gleiche Tempo. Als erstes deutsches Serienfahrzeug wurde der 85 kW/115 PS starke 2,2-Liter-Benziner ab Januar 1984 mit einem geregelten Drei-Wege-Katalysator lieferbar.
Der Audi 100 gewann den Medientitel „Auto des Jahres 1983“, wurde ausgezeichnet mit dem „Goldenen Lenkrad“ und eroberte Filmrollen, die zuvor anderen Nobelmarken vorbehalten waren. Im James-Bond-Streifen „Der Hauch des Todes“ setzte „007“-Schauspieler Timothy Dalton auf das Verfolgungspotential der Limousine und im Hollywoodstreifen „E.T.“ übernahm die US-Version „Audi 5000“ die automobile Hauptrolle.
Der Audi 100 begnügte sich zu seinem sechsten Geburtstag mit einem Facelift, das an Details wie neue Rückleuchten und anderen Türgriffen erkennbar war. Die Qualitäten des Langstreckenläufers – Laufleistungen von über 300.000 Kilometer sind üblich, der Rost hat kaum Chancen – spiegeln sich im Gebrauchtwagenmarkt. Dort ist der Audi 100 (C3) auch nach 30 Jahren und mit H-Kennzeichen-Anwartschaft noch allgegenwärtig.
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