Opel wieder tiefer in den roten Zahlen

246 Millionen Dollar Verlust im vierten Quartal

| Autor: dpa/cs

Opel begründet die neuerlichen Verluste vor allem mit dem Brexit.
Opel begründet die neuerlichen Verluste vor allem mit dem Brexit. (Bild: Opel)

Opel hat den angepeilten ersten Jahresgewinn seit 1999 klar verpasst. Der US-Mutterkonzern General Motors (GM) meldete am Dienstag in Detroit einen operativen Verlust in Höhe von 257 Millionen Dollar (239 Mio. Euro) für seine Europatochter im Gesamtjahr 2016. Im Vergleich zu 2015 fallen die Verluste damit zwar deutlich geringer aus – damals hatten Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall ein Defizit von 813 Millionen Dollar eingefahren. Dennoch ist der Hersteller im letzten Quartal 2016 wieder tiefer in die roten Zahlen gerutscht.

Denn allein zwischen Oktober und Dezember fielen 246 Millionen Dollar Verlust an. Das war zwar etwas besser als im Vorjahreszeitraum (-298 Mio.), dennoch geht die Kurve bei Opel wieder nach unten.

Noch deutlicher zeigt das ein Blick auf die Bilanz über das gesamte Jahr hinweg: Im zweiten Quartal hatten die Rüsselsheimer noch öffentlichkeitswirksam den ersten Gewinn seit Jahren gefeiert: 137 Millionen Dollar waren es zwischen April und Juni, nach einem fast ausgeglichenen ersten Quartal immer noch 131 Millionen Dollar zum Halbjahr. Seitdem haben Opel und Vauxhall also in zwei Quartalen 388 Millionen Dollar Verlust gemacht.

Opel-Chef Karl-Thomas Neumann bewertete die Zahlen in einer ersten Reaktion dennoch positiv. „Für GM in Europa ist dies das beste Resultat eines vierten Quartals sowie das beste Jahresergebnis seit zehn Jahren.“ Er machte vor allem das Brexit-Votum und den damit verbundenen Absturz des britischen Pfunds für die Schwierigkeiten im zweiten Halbjahr verantwortlich.

Großbritannien ist weit vor Deutschland der wichtigste Einzelmarkt für die Blitzmarke, die auf der Insel unter dem historischen Namen Vauxhall antritt. Britische Autokäufer hielten sich nach dem Brexit-Votum merklich zurück. 289.000 Vauxhall gingen dort nach Firmenangaben 2016 an Kunden, satte 23.000 weniger als im Jahr zuvor. In den anderen Märkten Europas konnte Opel hingegen zulegen. So schaffte der Autobauer schließlich mit 1,16 Millionen Fahrzeugen inklusive Großbritannien ein Absatzplus von vier Prozent.

Brexit nicht alleinverantwortlich

Allerdings sind sich die Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer vom Car-Institut der Universität Duisburg und Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach einig, dass Opel nicht allein wegen des Brexit-Votums, sondern auch weiterhin wegen hausgemachter Probleme strauchelt. Konkret kritisieren sie die Modellpolitik der Rüsselsheimer.

Erst langsam nimmt die Marke die begehrten und margenträchtigen Geländewagen in ihr Programm auf, mit denen Konkurrenten wie Hyundai oder Ford seit Jahren Gewinne einfahren. „Möglicherweise hat man sich zu sehr auf die Werbung konzentriert und zu wenig auf die Produkte“, sagt Dudenhöffer. „Die vielen Eigenzulassungen drücken zudem auf den Gewinn.“ In Deutschland lag der Anteil an Händler- und Herstellerzulassungen bei Opel im vergangenen Jahr bei 44,3 Prozent – nur Honda konnte das noch toppen.

„Opel muss endlich liefern und nachhaltig in die schwarzen Zahlen kommen“, mahnt Bratzel. Noch habe das Unternehmen aber etwas Luft: „Derzeit verdient GM auf dem US-Markt gutes Geld, so dass derzeit keine Gefahr für das Europageschäft besteht. GM braucht Opel für den Zugang zum großen EU-Markt. Anderenfalls würden sie den Anspruch eines globalen Autokonzerns aufgeben.“

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