Opel: Zunehmende Unruhe in der Belegschaft

Betriebsrat beklagt Kommunikation der Führungsriege

| Autor: dpa

Opel und Vauxhall beschäftigten etwa 38.000 Mitarbeiter in sieben europäischen Ländern, die Hälfte davon in Deutschland.
Opel und Vauxhall beschäftigten etwa 38.000 Mitarbeiter in sieben europäischen Ländern, die Hälfte davon in Deutschland. (Bild: Opel)

Der Opel-Gesamtbetriebsrat ist verärgert über ein gemeinsames Interview von Konzernleiter Carlos Tavares und Marken-Chef Michael Lohscheller. Die beiden Automanager hatten sich für ein am Sonntag veröffentlichtes Zeitungsinterview am Nürburgring in Rennanzügen fotografieren lassen. PSA-Chef Tavares hatte als neuer Eigner des Rüsselsheimer Autobauers erneut deutlich gemacht, dass allein dauerhafte Gewinne die Jobs der Opel-Beschäftigten sicher könnten.

Dagegen macht nun nach Informationen der „Mainzer Allgemeinen Zeitung“ der Gesamtbetriebsrat Front. „Wir halten nichts von solchen öffentlichen Selbstinszenierungen. Aussagen, dass in einer kapitalistischen Marktwirtschaft Opel profitabel sein muss, um Arbeitsplätze zu schützen, sind eigentlich keine Meldung wert. Nur in der derzeitigen Situation wird damit eine Stimmung gegen die Belegschaft bedient, die verantwortungslos ist“, heißt es in einem Opel-internen Newsletter, aus dem die Zeitung zitiert und der in Firmenkreisen bestätigt wurde. Solche Aussagen würden der Marke schaden.

Wörtlich hatte PSA-Chef Tavares der „Bild am Sonntag“ gesagt: „Der Status Quo ist keine Option. Der beste Weg, unser Unternehmen und unsere Belegschaft zu schützen, ist, profitabel zu sein. Das müssen alle verstehen.“ Und weiter: „Wir müssen anpassungsfähiger und schneller sein. Dann sind Arbeitsplätze automatisch sicher.“

Lohscheller hatte betont, er wolle Opel schnell zurück in die Gewinnzone führen: „Opel muss wieder profitabel sein. Ich verlange das. Das muss mir PSA nicht sagen.“ Dafür würden bis 2026 jährliche Synergien in Höhe von 1,7 Milliarden Euro genutzt, etwa bei Entwicklung und Einkauf.

Tavares sagte der Sonntagszeitung zudem: „Wenn Opel irgendwann eine rein elektrische Automarke werden will, ist das für uns auch okay – vorausgesetzt, dass dies profitabel ist.“ Für den Gesamtbetriebsrat sind dies allerdings Aussagen, die die Unsicherheit in der Belegschaft nach den aktuell kursierenden Spekulationen und Gerüchten um die Zukunft von Opel nur noch verstärken.

Neuer Mokka ist zu teuer

Wie der Mitteldeutsche Rundfunk zudem am Montag vermeldete, hat Opel die Vorbereitungen für den Bau des neuen Mokka in Eisenach bereits vor einigen Tagen unterbrochen. „Es gibt bezüglich der Mokka-Nachfolge in Eisenach keinen neuen Sachstand“, sagte ein Firmensprecher dazu auf Anfrage. Laut den ursprünglichen Planungen soll der Mokka ab 2019 in Eisenach produziert werden.

Wie die „Allgemeine Zeitung“ aus Mainz unterdessen berichtete, sei das Projekt angehalten worden, um es „auf Profitabilität zu trimmen“. Durch die Verwendung von GM-Teilen werde das Fahrzeug zu teuer. Über eine Zusammenarbeit mit dem neuen Eigentümer PSA sei ein großes Einsparpotenzial möglich – der vergleichbare 2008er Peugeot sei in der Fertigung circa 1.500 Euro billiger.

Nach Jahrzehnten unter den Fittichen des US-Autoriesen General Motors gehört Opel seit August zum französischen PSA-Konzern. Das Management in Rüsselsheim soll bis November ein Zukunftskonzept für den seit 1999 defizitären Autobauer vorlegen. Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall beschäftigten etwa 38.000 Mitarbeiter in sieben europäischen Ländern, die Hälfte davon in Deutschland. Die Beschäftigten in den deutschen Werken sind über einen Tarifvertrag bis Ende 2018 vor Entlassungen sicher.

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