Privatkunden distanzieren sich vom Diesel

Probleme für gewerbliche Rückläufer werden wahrscheinlicher

| Autor: gr/sp-x

Kommt bei Privatkunden derzeit gar nicht gut an: der Dieselmotor.
Kommt bei Privatkunden derzeit gar nicht gut an: der Dieselmotor. (Bild: Seat)

Die Analyse des Neufahrzeugmarkts zeigt immer deutlicher, dass vor allem Privatkunden dem Diesel den Rücken kehren. Grundsätzlich sinkt der Absatz von Dieselfahrzeugen in Deutschland zwar nicht dramatisch, aber doch deutlich. In diesem April hatten 41,3 Prozent der Neuwagen einen Dieselmotor, nach 47 Prozent im April 2016. Zuletzt hatten laut einer Untersuchung des CAR-Instituts an der Universität Duisburg-Essen nur noch 23,8 Prozent der Privatkäufer einen Selbstzünder geordert.

Bereits in den vergangenen Wochen waren aus anderen Untersuchungen ähnliche Zahlen bekannt geworden. Laut einerForsa-Umfrage im Auftrag der Targobank will fast jeder dritte Dieselfahrer beim nächsten Autokauf voraussichtlich einen Benziner kaufen. Unter dem Strich zeigen in dieser Untersuchung sogar nur 15 Prozent der potenziellen Privatkäufer Bereitschaft für einen Diesel (GW- und NW-Kunden). Und auf dem Neuwagenportal Meinauto.de suchen nur noch 24,5 Prozent der Interessenten nach einem Diesel – auch hier geht es in erster Linie um Privatkunden.

Die CAR-Studie konstatiert nun das niedrigste Diesel-Interesse seit dem Auslaufen der Abwrackprämie, mit deren Hilfe 2009 vor allem benzingetriebene Kleinwagen auf den Markt gebracht worden waren. Auslöser der Entwicklung sind für Studienleiter Ferdinand Dudenhöffer die vielen Meldungen über zu hohe Abgaswerte im Regelbetrieb der Dieselfahrzeuge, die ein Vielfaches über den erlaubten Grenzwerten lägen „Die Verunsicherung führt bei privaten Neuwagenkäufern immer stärker zur Kaufverweigerung“, folgert der Auto-Experte.

Der Absturz der Diesel-Quote im Privatkundenmarkt ist über die vergangenen gut zehn Jahre gesehen deutlich. Am beliebtesten war der Selbstzünder bei Privatkäufern im Dezember 2011 mit einem Anteil von 40 Prozent. Bis Mitte 2016 hielt sich dieser stabil über der 30-Prozent-Marke. Setzt sich der Trend fort, sinkt die Dieselquote im Frühjahr 2018 auf 20 Prozent.

Heftige Folgen für Gebrauchtwagenmarkt drohen

Eine solche Entwicklung hätte auch dramatische Folgen für den Gebrauchtwagenmarkt. Anders als Firmenkunden müssten Privatleute häufig das volle Risiko des möglichen Wertverfalls ihres Autos tragen. Sollten sich später auch die Gebrauchtwagenkunden vom Diesel abwenden, könne sich eine unverkäufliche Halde von Leasing-Rückläufern und anderen Ex-Dienstwagen mit Dieselmotor auftürmen. Das würde nicht nur für die Hersteller dann zu einem teuren Problem, warnt das CAR.

Da 95 Prozent der Gebrauchtwagen von Privatkunden erworben werden, könnte der Überbestand am Ende nur noch über den Export absetzbar sein. Bislang hatten Marktbeobachter allerdings noch keine signifikanten Veränderungen der Diesel-Restwerte feststellen können.

Als mögliche Lösung des Misstrauens-Problems beim Diesel schlägt CAR-Leiter Ferdinand Dudenhöffer ein Euro-6-Plus-Zertifikat für „echte“ Euro-6-Pkw vor. Die Autobauer würden dann garantieren, dass diese Fahrzeuge im normalen Fahrbetrieb den Stickoxid-Grenzwert tatsächlich einhalten. Aktuell ist das häufig nicht der Fall, wie unter anderem ein aktueller Test der Zeitschrift „Auto Motor und Sport“ ergeben hat. Dabei überschnitten die Kandidaten den erlaubten Wert im Schnitt um das 6-Fache, in der Spitze sogar um das 16-Fache..

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