Razzia in der Audi-Zentrale

Hersteller will vollumfänglich kooperieren

| Autor: dpa/gr

(Bild: Audi)

Ermittler haben am Mittwoch die Räumlichkeiten von Audi und des Volkswagenkonzerns an mehreren Standorten durchsucht. Am Mittwochvormittag platzten die Ermittler dabei in Ingolstadt in die Vorbereitungen für die Bilanzpressekonferenz des Autobauers zur Vorlage der Zahlen für 2016. Die Staatsanwaltschaft München II hat die Razzien mit einem Betrugsverdacht im Diesel-Skandal begründet.

Derzeit gebe es aber noch keine konkreten Beschuldigten, es werde gegen Unbekannt ermittelt. Dies teilte die Behörde am Vormittag mit. Außerdem werde geprüft, ob Audi im Zusammenhang mit dem Verkauf von rund 80.000 Dieselwagen in den USA zwischen 2009 und 2015 „strafbare Werbung“ betrieben habe.

An den Durchsuchungen der Audi-Zentrale in Ingolstadt und des Audi-Werks Neckarsulm sowie an weiteren Orten nahmen mehrere Staatsanwälte und Beamte verschiedener Landeskriminalämter teil. Ein Audi-Sprecher hatte bereits zuvor gesagt, die Aktionen stünden im Zusammenhang mit der „Diesel-Thematik“. Audi-Chef Rupert Stadler machte darauf aufmerksam, dass „weder bei mir zuhause noch in meinem Büro durchsucht wurde“. Er verwies auf die intensiven Ermittlungen der US-Anwaltskanzlei Jones Day bei Audi und auf den Aufsichtsrat des VW-Konzerns, der sich im Februar klar hinter ihn gestellt hatte. Er habe sich stets für die Aufklärung der Diesel-Affäre eingesetzt, sie „ist aktuell mein zentraler Job als Vorstandsvorsitzender“.

Im Rahmen der Maßnahmen durchsuchten die Ermittler auch einen Standort am Volkswagen-Stammsitz Wolfsburg durchsucht. Dies bestätigte ein Sprecher des VW-Konzerns. Zu Details könne man sich mit Blick auf die laufenden Untersuchungen noch nicht äußern, hieß es. Audi hatte in den USA Dieselautos mit einer dort illegalen Software verkauft, die niedrigere Abgaswerte angibt. Schon unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe hatte die bayerische Justiz ein Prüfverfahren eingeleitet.

Vor einigen Wochen hatte der frühere Chefentwickler von Audi-Dieselmotoren, Ulrich Weiß, Vorwürfe gegen Audi-Boss Rupert Stadler erhoben. Dieser habe ihn im Zuge der Affäre geopfert. Weiß soll von den Manipulationen gewusst, den Vorstand aber nicht informiert haben. Stadler selbst ist seit 2007 Audi-Chef. Er will von den Manipulationen nichts gewusst haben, kommt wegen der Affäre aber zunehmend unter Druck.

Der Tag sollte für den Autobauer eigentlich unter anderen Vorzeichen stehen. Audi legt seine Jahresbilanz vor. Audi habe ein sehr herausforderndes Jahr 2016 mit einem „robusten Ergebnis aus dem Kerngeschäft abgeschlossen und wichtige Weichen für die Zukunft gestellt“, heißt es in einer Mitteilung zum Unternehmensergebnis.

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