Gericht stützt sich auf BVSK-Honorarbefragung

Gutachterkosten blieben im Kostenrehmen

| Autor: autorechtaktuell.de

(Bild: VBM-Archiv)

Das Amtsgericht Stuttgart hat in einem jetzt veröffentlichten Urteil (Urteil vom 1.4.2014, AZ: 42 C 3318/13) die BVSK-Honorarbefragung 2013 einmal mehr als geeignete Schätzgrundlage bei der Berechnung notwendiger Gutachterkosten bestätigt.

Im vorliegenden Fall begehrte ein geschädigter Autofahrer (Kläger) von der eintrittspflichtigen Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallgegners (Beklagte) restliche Sachverständigenkosten für ein von ihm in Auftrag gegebenes Schadensgutachten. Das Amtsgericht (AG) Stuttgart gab der Klage vollumfänglich statt.

In seiner Urteilsbegründung führt das AG Stuttgart aus, dass es für die Geltendmachung der Ersatzansprüche grundsätzlich ohne Belang sei, ob die Sachverständigenkosten zu hoch angesetzt sind oder das Gutachten fehlerhaft ist. Die Ersatzpflicht bestehe grundsätzlich auch dann, wenn das Gutachten objektiv ungeeignet ist und die Kosten überhöht sind.

Als erforderlicher Herstellungsaufwand können laut Urteil jedoch nur jene Kosten verlangt werden, „die aus Sicht eines verständigen, wirtschaftlich denkenden Menschen in der Situation des Geschädigten zur Behebung des Schadens zweckmäßig und angemessen erscheinen“.

Keine Marktforschung

Den Geschädigten trifft nach Ansicht des Gerichts allerdings grundsätzlich nicht die Verpflichtung, vor der Beauftragung eines Gutachters dessen Preise mit anderen Sachverständigen am Markt zu vergleichen oder sich weitere Kostenvoranschläge einzuholen. Nur für den Fall, dass den Geschädigten ein Auswahlverschulden trifft oder er eine unangemessene Überhöhung des Honorars hätte erkennen können, sei ein überhöhtes Sachverständigenhonorar nicht erstattungsfähig.

Aus der Tatsache, dass der Geschädigte einen Sachverständigen beauftragt hatte, der 31 Kilometer entfernt ansässig ist, resultiert nach Einschätzung des Gerichts noch kein Auswahlverschulden. Dem Gericht erschien die Fahrstrecke von insgesamt 62 Kilometer (Hin- und Rückfahrt) als noch vertretbar. Unabhängig davon berücksichtigte das Gericht, dass nach der BVSK-Honorarbefragung 2013 ein Honorarkorridor von bis zu 2,51 Euro je Kilometer ermittelt wurde.

Da bei Zugrundelegung dieser Werte ein Sachverständiger bei einer halb so großen Entfernung nahezu den gleichen Gesamtbetrag in Ansatz bringen könnte, sah das Gericht keinen Anlass, dem Kläger hier ein Auswahlverschulden zur Last zu legen. Der vom Sachverständigen berechnete Kilometersatz lag deutlich unter diesem Höchstwert.

Deshalb sprach das Gericht dem Geschädigten die restlichen Sachverständigenkosten in voller Höhe zu.

Kommentare werden geladen....

Ihr Kommentar zum Thema

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 43011190 / Recht)

Plus-Fachartikel

Abfindungen: Fallstricke drohen

Abfindungen: Fallstricke drohen

Kündigt ein Arbeitgeber einem Mitarbeiter, führt das oft zu Konflikten. Viele Unternehmen streben daher einen einvernehmlichen Aufhebungsvertrag an. lesen

Drumann: Insolvenzrecht ist Damoklesschwert

Drumann: Insolvenzrecht ist Damoklesschwert

Insolvenzverwalter forderten bisher Zahlungen häufig noch nach Jahren von Gläubigern zurück. Nun hat die Bundesregierung beschlossen, die Vorsatzanfechtung zu entschärfen. lesen