Sachverständigenkosten erstattungsfähig

Grundsatz der subjektbezogenen Schadenbetrachtung

| Autor: autorechtaktuell.de

(Foto: Gina Sanders © Fotolia.com)

Das Amtsgericht (AG) Leverkusen hält Sachverständigenkosten für erstattungsfähig, wenn für den Geschädigten als Laien nicht erkennbar ist, dass der Sachverständige sein Honorar geradezu willkürlich festsetzt, Preis und Leistung in einem auffälligen Missverhältnis zueinander stehen oder dem Geschädigten selbst ein Auswahlverschulden zur Last fällt oder er grobe und offensichtliche Unrichtigkeiten der Begutachtung oder der Vergütungsberechnung missachtet oder gar verursacht hat (Urteil vom 28.10.2015, AZ: 24 C 378/15).

Zum Hintergrund: Die Klägerin fordert aus abgetretenem Recht restliche Sachverständigenkosten für ein in einem Haftpflichtschadenfall im Auftrag des Geschädigten erstelltes Gutachten. Die Beklagte hatte dieses bereits zu 97 Prozent reguliert. Die Beklagte verweigerte die Zahlung der restlichen Gutachterkosten. Der hiergegen gerichteten Klage wurde vollumfänglich stattgegeben.

Aussage des Gerichts

Das AG Leverkusen kam zu dem Ergebnis, dass die angesetzten Preise für Schreibarbeiten, Fotos, Fahrtkosten und Porto/Telefonpauschale etc. neben dem Grundhonorar – obwohl nicht besonders preiswert – jedoch insgesamt erstattungsfähig waren. Abzüge waren daher auch nicht gerechtfertigt.

Es bestand nach dem Grundsatz der subjektbezogenen Schadenbetrachtung kein Grund für den Geschädigten zu der Annahme, dass ein erkennbares Missverhältnis der Nebenkostensätze im Verhältnis zu den Ansätzen anderer Sachverständiger vorliegt. Dies war insbesondere unter der Prämisse, dass der Geschädigte keine Marktforschung betreiben muss, auch nicht ersichtlich.

Auch sonst trug die Beklagte keine Anhaltspunkte dafür vor, dass der Geschädigte eine auffallende Überhöhung der Gutachterkosten hätte erkennen können – dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass bereits 97 Prozent des Rechnungsbetrages durch die Beklagte reguliert wurden.

Abschließend stellte das AG Leverkusen noch klar, dass für die Frage der Erforderlichkeit der Kosten stets auf die Person des Zedenten – hier des Geschädigten – abzustellen ist.

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