Ruf nach Dieselfahrverboten erzeugt wirtschaftliche Schäden

Verunsicherung kann Restwerte drücken

| Autor: Andreas Grimm

Roger Seidel, Geschäftsführer des Landesverbands des hessischen Kfz-Gewerbes, verteidigt den Dieselantrieb gegen Stimmen, die ihn als alleinigen Sünder der Abgasemissionen abstempeln wollen.
Roger Seidel, Geschäftsführer des Landesverbands des hessischen Kfz-Gewerbes, verteidigt den Dieselantrieb gegen Stimmen, die ihn als alleinigen Sünder der Abgasemissionen abstempeln wollen. (Bild: Grimm / »kfz-betrieb«)

Der Diesel wird aus dem Antriebsmix in absehbarer Zeit trotz der aktuellen Emissionsdiskussionen nicht verschwinden, aber verstärkt in Konkurrenz zu alternativen Antrieben oder neuen Mobilitätskonzepten treten. Das verdeutlichte Roger Seidel, Geschäftsführer des Landesverbands des Kfz-Gewerbes Hessen, den Gästen von Autoschmitt in Frankfurt anlässlich der Eröffnung eines Skoda-Showrooms im Stadtteil Niederrad.

Laut Seidel wird in der Öffentlichkeit der Diesel derzeit zu Unrecht als einziger Schuldiger an der Feinstaub- und NOx-Belastung an den Pranger gestellt. Nur ein kleiner Teil der Emissionen komme überhaupt vom Straßenverkehr – übersehen würden in der Diskussion dagegen die Industrie, die Haushalte oder der Flugverkehr. „Den Diesel als alleinigen Sünder auszumachen, ist schon ziemlich dreist“, sagte Seidel.

Wechselt man aber die Perspektive, präsentiere sich der Diesel als eine Technik mit leistungsfähigen Filtern und einem 20 Prozent geringeren CO2-Ausstoß als ein Benziner. „Es wäre angesichts der inzwischen sehr leistungsfähigen Diesel-Aggregate ein großer Fehler, ihn ausgerechnet jetzt abschaffen zu wollen“, sagte Seidel.

Zudem hätten sich mögliche Alternativen zum Dieselantrieb, etwa der E-Antrieb, am Markt noch nicht durchgesetzt. Gleichwohl werde der E-Antrieb eine Zukunft haben, „aber ob er die einzige Zukunft sein wird ist noch unsicher“, sagte Seidel. Gleichzeitig wird aber die Vielfalt der Mobilitätsangebote immer größer – vom ÖPNV über Carsharing bis hin zu Mitfahrdiensten.

Karpinski warnt vor übertriebenen Forderungen

Jürgen Karpinski, Geschäftsführer von Autoschmitt und ZDK-Präsident, äußerte Verständnis für die Not der Städte, Maßnahmen zur Luftreinhaltung ergreifen zu müssen. Problematisch sind aus seiner Sicht aber die sich überschlagenden Forderungen und Maßnahmenvorschläge zulasten des Diesels. „Hersteller, Händler und Kunden brauchen eine Perspektive, um sich auf veränderte Umstände einstellen zu können. Diskussionen um kurzfristige Fahrverbote führen dagegen zu einem wirtschaftlichen Schaden, da beispielsweise die Restwerte zurückgehen“, sagte Karpinski. Zudem könne der Diesel als Teilverursacher auch nur einen Teilbeitrag zu einer sinkenden Belastung leisten.

Gefragt nach der blauen Plakette ist sich der Automobil-Unternehmer sicher, dass sie politisch gewollt ist. „Sie wird kommen, wenn auch erst nach der Wahl.“ Doch auch in dieser Diskussion müsse man differenzieren. Mit ihrer Einführung werde nicht jede Straße für Autos ohne blaue Plakette gesperrt. Der moderne Diesel sei zudem die derzeit am besten entwickelte Verbrennungsmotor-Technik und damit leistungsfähig genug, um kommende Auflagen zu erfüllen.

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