Vorsicht, wenn die Kupplung ruckt

ZF Services gibt Tipps für die Kupplungsreparatur

| Autor: Jan Rosenow

Kupplungsschäden kommen auch bei modernen Autos immer wieder vor.
Kupplungsschäden kommen auch bei modernen Autos immer wieder vor. (Foto: Ralf Barthelmes)

Kupplungen leisten in modernen Fahrzeuge Schwerstarbeit: Von 90 kW/122 PS stieg die durchschnittliche Leistung der in Deutschland neu zugelassenen Pkw in den vergangenen zehn Jahren auf 103 kW/140 PS. Die Drehmomente starker Dieselmotoren legten noch mehr zu, 400 Newtonmeter sind heute keine Seltenheit mehr. Gleichzeitig nahm das Fahrzeuggewicht im gleichen Zeitraum um durchschnittlich 50 Kilogramm zu.

Diese Entwicklungen stellen an die Kupplung als Kraftübertragung zwischen Motor und Getriebe immer höhere Anforderungen. Experten von ZF Services beobachten ein weiteres Phänomen: „Durch die gestiegene Motorleistung merken viele Autofahrer kaum noch, mit welchen Anhängelasten sie teilweise unterwegs sind. Gerade kräftig motorisierte SUV machen zwar mit zwei Tonnen am Haken auch bergauf nicht schlapp – die Kupplung wird hierbei jedoch stark beansprucht.“

Auch harmlos anmutende Symptome können erste Anzeichen für einen Kupplungsdefekt sein, etwa ein Ruckeln beim Anfahren. Werkstätten sollten ihre Kunden für solche Phänomene sensibilisieren und eventuell auch bei der Direktannahme danach fragen – vor allem, wenn der Wagen mit einer Anhängerkupplung ausgestattet ist.

Durch die bei der Überlastung entstehende Reibung zwischen Kupplungsscheibe und Druckplatte bzw. Schwungrad können nämlich punktuelle Wärmezonen entstehen. Hier besteht die Gefahr von Rissen auf den Reibflächen von Druckplatte und Schwungrad sowie der Beschädigung des Belagmaterials der Kupplungsscheibe. Zudem können diese Wärmepunkte zu einem Totalausfall des Zweimassenschwungrads (ZMS) führen, da bei andauernd hoher Wärmebelastung das Spezialfett im ZMS verhärtet.

Schon ein wenig Fett auf dem Belag ist zu viel

Eine weitere mögliche Ursachen für defekte Kupplungen sind verölte oder verfettete Beläge. Diese resultieren aus defekten Dichtungen am Kurbelwellenausgang oder Getriebeeingang. Auch zu viel Fett an der Getriebeeingangswelle oder am Pilotlager sowie Lecks an der hydraulischen Betätigung führen oft zu verunreinigten Belägen. Resultat ist ein verändertes Reibverhalten zwischen Kupplungsscheibe und Druckplatte bzw. Schwungrad. Wichtig ist, die Fehlerquellen sorgfältig zu analysieren und schnell zu beseitigen – denn schon leichte Öl- oder Fettspuren stören das ruckfreie Einkuppeln beim Anfahren.

Bei Fahrzeugen mit hydraulisch betätigter Kupplung kann Luft im System Bedienungsprobleme hervorrufen. Selbst verschlissene Motorlager oder eine schlechte Motoreinstellung kommen als Verursacher für ein verändertes Anfahrverhalten in Frage. Lassen sich im Umfeld aber keine Fehler finden, sind ein Getriebeausbau sowie die Demontage der Kupplung unumgänglich.

Das Umfeld der Kupplung muss beachtet werden

Für den korrekten Einbau geben die ZF-Services-Experten Tipps, um Folgeschäden zu vermeiden:

  • 1. Wichtig ist absolute Sauberkeit. Schon ein Berühren des Kupplungsbelags mit ölverschmierten Händen kann später zu einer Funktionsbeeinträchtigung führen.
  • 2. Die Nabe der Kupplung muss richtig gefettet werden. Bei zu viel Fett verteilt die Zentrifugalkraft den Schmierstoff auf die Kupplungsbeläge.
  • 3. Die Kupplungsscheibe sollte vor dem Einbau auf Planschlag überprüft werden.
  • 4. Um das Nabenprofil nicht zu beschädigen, dürfen die Nabe der Kupplungsscheibe und die Getriebeeingangswelle auf keinen Fall gewaltsam zusammengefügt werden.
  • 5. Die Befestigungsschrauben müssen vorschriftsmäßig – also über Kreuz und mit dem vorgegebenen Drehmoment – angezogen werden. ZF Services empfiehlt, das Ausrücksystem genau zu prüfen und ggf. verschlissene Bauteile zu ersetzen. Hat das entsprechende Fahrzeug einen Zentralausrücker (CSC), ist dieser grundsätzlich zu erneuern.

Bei einem Kupplungsaustausch sollte der Mechatroniker in jedem Fall das direkte Umfeld untersuchen. Sollten hier Komponenten Defekte aufweisen, empfiehlt es sich, diese mit zu ersetzen – das spart teure Folgereparaturen.

Weitere Tipps zum Einbau hat das Unternehmen in Serviceinformationen zusammengestellt, die online abrufbar sind.

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