VW-Rückruf: „Das Ganze ist sehr ärgerlich“

Gespräche und Messungen werden nach Ostern fortgesetzt

| Autor: dpa

Der Handel wartet derzeit, dass der Passat-Rückruf startet.
Der Handel wartet derzeit, dass der Passat-Rückruf startet. (Foto: VW)

Drei Monate nach dem Start ins „Jahr des Rückrufs“ kommt Volkswagen bei der Bewältigung der Diesel-Manipulationen noch immer nicht wie gewünscht in Fahrt. Wegen einer fehlenden Freigabe durch das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) kann die eigentlich schon für Ende Februar erhoffte zweite Rückrufwelle für die 2,0-Liter-Motoren in Deutschland nach wie vor nicht beginnen.

Die VW-Partner warten schon länger auf das Go. „Das Ganze ist natürlich sehr ärgerlich“, sagt etwa VW-Händler Ernst-Robert Nouvertné aus Solingen. Bislang seien die Kunden aber ruhig. Um die Autos schnell und gesetzeskonform umrüsten zu können, hätten sich die Werkstätten gut vorbereitet. „Wir haben ein Team für den Rückruf gegründet: ein Meister und drei Mechaniker. Und wir haben zusätzliche Geräte angeschafft. Wir sind bereit“, betont er.

Ob die verbleibenden neun Monate ausreichen, um die gesamte Aktion abzuschließen, bezweifelt Nouvertné. „Die Zeit, die uns vorne fehlt, muss hinten wieder dran“, erklärt er. Vom Konzern selbst gebe es auf Rückfragen von seiner Seite längst keine konkreten Zeitangaben mehr. „Abwarten. Wir arbeiten dran“, laute die Antwort aus Wolfsburg.

Wann es konkret mit der nächsten Rückrufwelle weitergehen kann, ist unklar. „Die Gespräche und Messungen werden nach Ostern fortgesetzt“, sagte ein Sprecher des Konzerns am Donnerstag der „Deutschen Presse-Agentur“ (DPA) in Hannover. Damit ist für die Besitzer der von der Abgas-Problematik betroffenen Autos weiter Geduld gefragt. Die nun zur Diskussion stehende Rückrufwelle umfasst in Deutschland neben rund 160.000 VW Passat auch knapp 90.000 Fahrzeuge von Audi und Skoda.

Was genau sind die Gründe für die Verzögerung und den anhaltenden Gesprächsbedarf mit dem KBA? VW will sich offiziell nicht äußern. Dem Vernehmen nach gibt es laut DPA-Informationen aus Konzernkreisen Probleme mit möglicherweise höheren Kraftstoff-Verbrauchswerten.

„Null-Toleranz-Linie“ gilt

Grundsätzlich sollen sich die Eigenschaften des Fahrzeugs nach den Vorgaben des KBA mit dem Update der Motorsoftware nicht ändern. Selbst ein minimal höherer Verbrauchswert könnte VW so einen Strich durch die Rechnung machen – es gilt eine „Null-Toleranz-Linie“. Die Flensburger Behörde legt bei den seit Wochen laufenden Nachmessungen die EU-Verordnung 715/2007 zugrunde. Darin sind – je nach Fahrzeugklasse – Grenzwerte für zulässige Emissionen definiert, unter anderem zum Ausstoß von Kohlenmonoxid und Stickoxiden.

Im Konzern und im Aufsichtsrat gibt man sich trotz der Verzögerungen betont gelassen. Sicher habe man sich einen anderen Start ins „Jahr des Rückrufs“ gewünscht – aber letztlich sei man weiterhin im Plan, heißt es aus dem Kontrollgremium. Bisher gebe es keine Anhaltspunkte, dass sich der Rückruf bis 2017 hinziehen könne. „Wir gehen davon aus, dass der Rückrufprozess den weiteren Jahresverlauf 2016 in Anspruch nehmen wird“, heißt es auch aus der Wolfsburger Konzernzentrale.

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