10.09.2007 | Autor: Das Interview führte
Stephan Maderner

Redaktion: Wo sehen Sie noch Verbesserungspotenzial für Deutschlands Autohäuser im operativen Online-Business?
Manfred Seidel: Die Qualität der Fahrzeuganzeigen hat insgesamt zugenommen. Dennoch sind viele Autohäuser von der perfekten Online-Fahrzeugpräsentation noch ein ganzes Stück entfernt. Das größte Verbesserungspotenzial sehe ich bei den Prozessabläufen zur Vermarktung durch das Internet: Die Aufgabenverteilung im Autohaus ist meist nicht klar geregelt, und ein Internetverantwortlicher, der heute eigentlich selbstverständlich sein sollte, ist noch die Ausnahme.
Durch welche Kriterien lassen die Gewinnerbetriebe des diesjährigen Awards ihre Wettbewerber hinter sich?
Es ist schön zu sehen, welchen Professionalisierungsgrad die Gewinnerbetriebe inzwischen erreicht haben. Überzeugt hat mich vor allem, wie einzelne Geschäftsvorgänge und -prozesse im operativen Tagesgeschäft ineinandergreifen und ein perfektes Gesamtbild ergeben. Aber auch einzelne Highlights waren ausschlaggebend: Vor allem der Gewinner, das Autohaus Robert Kunzmann GmbH & Co. KG, hob sich ab durch individuelle und innovative Online-Lösungen wie beispielsweise die eigene Auktionsplattform für Wiederverkäufer-Fahrzeuge. Über eine einzigartige Organisation verfügt der Zweitplatzierte, die DaimlerChrysler AG Niederlassung Rhein-Ruhr: Sie bedient die Kundennachfrage ergebnisorientiert, erfasst alle Nachfrageströme statistisch und nutzt sie zur Prozessoptimierung. Der Drittplatzierte, die Dürkop GmbH, zeigt mit seiner Homepage, wie man den Kunden trotz verschiedener Standorte und Marken schnell und unkompliziert zu den gewünschten Informationen und Angeboten navigiert.
Gibt es im Online-Business große Qualitätsunterschiede zwischen Händlergruppen und kleinen, mittelständischen Betrieben?
Wir haben die unterschiedlichen Unternehmensgrößen bei der Bewertung natürlich berücksichtigt. Auch bei kleinen Betrieben stießen wir auf überzeugende Lösungen. Natürlich sind Investitionen in Technik und neue Organisationsformen betriebswirtschaftlich erst ab einer gewissen Unternehmensgröße rentabel. Doch ein kleiner Betrieb bedeutet im positiven Sinne auch schlankere Prozesse und schnellere Umsetzung. So hat letztlich die Nase vorn, wer auf innovative und kundenorientierte Lösungen setzt.
Welche generellen Trends im Internet-Geschäft sehen Sie fürs Kfz-Gewerbe und worin liegen große Chancen für die Zukunft?
Durch das Internet ist der Automobilhandel globaler geworden. Grenzüberschreitender Handel wird in absehbarer Zeit selbstverständlich werden. Er wäre ohne die globale Ausrichtung des Internets – z.B. durch die automatische Übersetzung eines Angebotes in andere Sprachen – gar nicht möglich. Hier gebe ich den Rat: Selbst aktiv werden, bevor es die anderen tun! Auch die potenziellen Käufer, die dank Internet bestens informiert sind, stehen Angeboten aus anderen Ländern erfahrungsgemäß offen gegenüber.
Ansonsten gilt: Gerade weil sich der Endkunde zunehmend im Internet informiert, kann der Handel mit einem überzeugenden Internetauftritt punkten. Der diesjährige Gewinner ist für mich in dieser Hinsicht Trendsetter: Werfen Sie mal einen Blick auf seine Homepage! Genauso wichtig sind alle Dienstleistungen, die dem Käufer den Autokauf erleichtern: Call-Back-Funktionen, Online-Rechner sowie die Perfektion der Fahrzeugbilder bis hin zu Videos.
Was raten Sie Teilnehmern für den Award 2008?
Eigentlich ganz einfach: Schauen Sie sich an, was die Erstplatzierten besonders gut machen, fügen Sie alles zu einem Ganzen und bringen Sie eigene Ideen mit ein. Dann freue ich mich darauf, Sie nächstes Jahr auf der Bühne in Frankfurt beglückwünschen zu dürfen.

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