Sichere Zukunft für den Servicemarkt

Wilhelm Hülsdonk über die Chancen der Freien Werkstätten

06.11.2009 | Redakteur: Andreas Grimm

Bundesinnungsmeister Wilhelm Hülsdonk verdeutlichte im Gespräch mit »kfz-betrieb ONLINE« die Chancen für den Freien Markt.

Flatrate-Angebote für die Werkstatt und qualitative Verbesserungen der Fahrzeuge beschneiden den Markt der Freien Werkstätten. Im Interview mit »kfz-betrieb ONLINE« verdeutlicht Bundesinnungsmeister Wilhelm Hülsdonk, wie die Werkstätten angesichts eines verschärften Wettbewerbs die Zukunft meistern sollen.

Besten Kundenservice und qualifierte Arbeiten, „das gesamte Standardrepertoire eines Unternehmers“, empfiehlt der Bundesinnungsmeister dem Kfz-Gewerbe, das er allerdings „hervorragend aufgestellt“ sieht. Trotz der derzeitigen Offensive der Hersteller, die mit Flatrate- und anderen Werkstattangeboten die Kundenbindung intensivieren wollen, habe die Freie Werkstatt gute Zukunftschancen. Angesichts von 47 Millionen Fahrzeugen sei der Anteil der von diesen Maßnahmen betroffenen Fahrzeuge zu gering, um den freien Service vor wirtschaftliche Probleme zu stellen. Zudem erwartet Hülsdonk, dass die Neufassung der GVO missbräuchlich verwendete Kundenbindungssysteme wettbewerbsrechtliche Schranken setzen werde.

Hülsdonk wies am Rande der Fachtagung für Freie Werkstätten und Servicebetriebe allerdings auch darauf hin, dass nicht alle Werkstätten sich behaupten könnten. Dazu sei der Servicemarkt zu klein und zu dicht. Ein Prozent der Betriebe werde mittelfristig aufgeben, so seine Schätzung. Ursächlich für die schrumpfende Zahl an Betrieben seien aber vielmehr Auswirkungen der Wirtschaftskrise sowie die steigende Qulität der Fahrzeuge, die in der Folge weniger Wartung benötigten.

Umweltprämie schadet Freien nicht

Auch Stimmen aus der Branche, die der Umweltprämie eine Mitschuld an einem sinkenden Servicevolumen für die Freien Werkstätten geben, wollte Hülsdonk nicht gelten lassen. „Die Zahlen des Verbandes sprechen eine andere Sprache“, so der Bundesinnungsmeister und ZDK-Vizepräsident. Dieses Jahr rechne er mit 73 Millionen Aufträgen für die Werkstätten, im vergangenen Jahr seien es dagegen nur 71 Millionen Aufträge gewesen.

Auch sei die Werkstattauslastung gestiegen. Rückgänge seien vor allem im Bereich der Schwarzarbeit sowie bei den Werkstattketten zu verzeichnen, die eher auf den einfachen Tausch von Verschleißteilen fokussiert seien.

Neuer Umsatzbringer „Autoglas plus“

Zusätzliche Unterstützung für das Servicegeschäft erhalten die Freien Werkstätten zudem durch die von ZDK und ZKF eingeführte Marke „Autoglas plus“. Diese Marke solle den Betrieben helfen, im Glasgeschäft gegen die etablieren, bundesweit agierenden Glasreparatur-Anbieter zu bestehen und wieder Marktanteile zurückzugewinnen.

Mit „Autoglas plus“ werde unter anderem der Workflow zwischen der Werkstatt und der Versicherungswirtschaft erleichtert. Interessierte Werkstätten müssten einerseits Mitglied ihrer zuständigen Innung sein und dem System gegen eine Gebühr von 89 Euro beitreten. Von diesem Beitrag werde unter anderem auch die Werbung für das neue System bezahlt.

Das vollständige Interview mit Wilhelm Hülsdonk können Sie als Video hier abrufen.


Kommentar zum Beitrag schreiben

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 326057) | Fotos: Archiv