Autositze aus dem Tintenstrahldrucker

Individualisierte Sitze wären schon serienreif

| Autor: sp-x

Individuell bedruckbare Sitze sind keine Zukunftsmusik mehr.
Individuell bedruckbare Sitze sind keine Zukunftsmusik mehr. (Foto: Johnson Controls)

Fläzen wir uns als Autofahrer in wenigen Jahren auf loungeartigen Liegesitzen, in der Hand einen grünen Smoothie aus der bordeigenen Mini-Küche, um uns herum Breitbild-Videoschirme mit den neuesten Nachrichten aus sozialen Netzwerken? Wohl eher nicht, vermutet Andreas Maashoff. Der 47-Jährige ist Chef der Designabteilung beim Sitzhersteller Johnson Controls Automotive Seating im rheinischen Burscheid (firmiert künftig unter dem neuen Namen „Adient“). Und immer auf der Suche nach neuen Trends. Einer der wichtigsten heißt: „Individualisierung“.

Wer viel Geld für einen Neuwagen ausgibt, möchte dessen Aussehen den eigenen Wünschen anpassen, sieht das Auto ein wenig auch als Verlängerung der Persönlichkeit. Die Autohersteller haben das längst erkannt und bieten Sonderlacke, Karosserie-Accessoires und bunte Themenwelten im Innenraum an.

Passend dazu hat Johnson Controls nun die Entwicklung von individuell bedruckbaren Sitzbezügen für die Erstausrüstung von Neuwagen abgeschlossen. Stoff wird dabei im Werk von einer Art Tintenstrahldrucker mit einem vom Kunden nahezu frei wählbaren Motiv verziert und anschließend wie gewohnt über das Sitzgestänge und die Schaumstoffpolster gezogen. Das Auto wird in Kombination mit den weiteren Design-Optionen für Karosserie und Innenraum zum Quasi-Unikat.

Prinzipiell ließen sich die Sitzbezüge sogar in Einzel-Auflage fertigen. Doch dass künftig tatsächlich Haustierfotos oder selbstgemalte Kunstwerke die Autositze zieren, glaubt Maashoff nicht. Vielmehr wird der Fahrzeughersteller seinen Kunden eine Art Katalog möglicher Motive präsentieren und so sein Angebot für die Pkw-Innenausstattung rigoros erweitern. Und mit der einschränkenden Vorgabe auch gleich einige grobe Geschmacklosigkeiten verhindern – gerade Premiumhersteller sind in dieser Hinsicht empfindlich, wie etwa die teils rigorose No-Logo-Politik gegenüber professionellen Tunern belegt, die von ihren aufgebrezelten Modellen alle ursprünglichen Markenzeichen entfernen müssen.

Trotzdem: Mit unifarbenen Langeweiler-Sitzen, maximal noch aufgepeppt durch farbige Nähte, muss sich dann niemand mehr begnügen. Im firmeneigenen Showroom hat Johnson Controls einige Motiv-Beispiele aufgereiht, vom Rallye-Dekor mit Startnummer über regenbogenfarbene, changierende Drucke hin bis zum besonders spektakulären Look von geschmolzenem Metall oder Glas. Was auf Fotos nicht rüberkommt: die verblüffend dreidimensionale Wirkung der Bezüge, unterstützt durch eine weitere Neuerung. Denn die Sitze kommen ohne die heute üblichen Abnäher aus. Die Nähte, mit denen der Oberstoff auf der Füllung fixiert und in Form gebracht wird, sind unsichtbar an der Stoffhinterseite untergebracht.

Die neuartigen Bezüge sind serienreif, könnten bei Interesse eines Autoherstellers innerhalb weniger Monate auf den Markt kommen. Im Portfolio der Marke könnten sie die große Preislücke füllen, die aktuell noch zwischen profanen Stoff- und exklusiven Leder-Sitzen klafft. Für letztere ist die Tintendrucktechnik nicht geeignet – Maashoff und sein Team arbeiten daher an zahlreichen anderen Möglichkeiten, Ledersitze zusätzlich optisch aufzuwerten. Etwa durch eine verstärkt dreidimensionale Gestaltung durch eine neue Steppung oder aufgenähte Taschen, wie sie beispielsweise in den DS-Modellen von Citroën zu finden sind.

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