Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt

Mitgliederversammlung der Kfz-Innung Frankfurt/Oder

| Autor: Holger Zietz

Jörg O. Richter, Obermeister der Kfz-Innung Frankfurt/Oder.
Jörg O. Richter, Obermeister der Kfz-Innung Frankfurt/Oder. (Foto: Zietz)

Zwar ist im Kfz-Gewerbe im Vergleich zu anderen Gewerken von den fehlenden Nachwuchskräften bislang noch wenig zu spüren. Doch regional sieht die Situation unterschiedlich aus: „Autohäuser und Werkstätten konnten nicht mehr alle Ausbildungsplätze besetzen“, sagte Jörg O. Richter, Obermeister der Innung Frankfurt/Oder-Mitte, im Rahmen der Mitgliederversammlung.

Das hat in der Stadt an der Grenze zu Polen verschiedene Gründe. Richter machte sowohl den oft zitierten demografischen Wandel als auch die mangelnde Qualifikation zahlreicher Bewerber für die offenen Stellen verantwortlich. Natürlich seien die Kfz-Betriebe auch wählerisch in der Besetzung der Ausbildungsplätze, so Richter. Schließlich seien die Anforderungen an die künftigen Kfz-Mechatroniker bereits während der Ausbildung hoch.

Sind die jungen Männer und Frauen für eine Ausbildung geeignet, gehen sie oft einen anderen Weg: Statt für das Handwerk entscheiden sie sich für ein Studium. „Der Akademisierungswahn treibt die jungen Menschen an die Hochschulen“, bedauert Richter. Aus Sicht des Obermeisters der falsche Weg: Denn der großen Zahl an Studenten würde eine deutlich kleinere Zahl an Arbeitsplätzen gegenüberstehen, die für Akademiker geeignet seien.

Da hilft es wenig, wenn die Bundesagentur für Arbeit bei den Arbeitgebern der Region dafür wirbt, auch schlechteren Schülern eine Chance zu geben. Gibt es Defizite in der Schulbildung, gleicht die Agentur diese durch entsprechende Fördermaßnahmen aus. Doch bei den Betrieben herrscht Skepsis: Bisher scheinen sie es kaum zu nutzen.

Nicht nur die fehlenden Nachwuchskräfte machen den Autohäusern und Werkstätten in Frankfurt/Oder zu schaffen. Wie auch in anderen Regionen steigt der Druck auf die Betriebe beim Servicegeschäft. „Nach wie vor ist der Service die Einnahmequelle Nummer eins“, betont der Obermeister. Doch die Erträge seien in letzter Zeit gesunken.

Richter warnte die Betriebe vor den falschen Maßnahmen. „Das Verschleudern von Werkstattleistungen zu Ramschpreisen ist keine Lösung.“ Dies gehe immer zu Lasten des Ergebnisses und könne am Ende den gesamten Betrieb gefährden. Stattdessen empfiehlt er, auf Qualität zu setzen und die Kunden an den Betrieb zu binden. Für Richter ist klar: „Die richtige Kalkulation der Leistungen ist wichtig.“

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