„Versicherer organisieren sich Vorteile per App“

ZDK-Vizepräsident Wilhelm Hülsdonk zur Schadenabwicklung

| Autor: Christoph Baeuchle

ZDK-Vizepräsident und Bundesinnungsmeister Wilhelm Hülsdonk warnt vor Apps in der Schadenregulierung.
ZDK-Vizepräsident und Bundesinnungsmeister Wilhelm Hülsdonk warnt vor Apps in der Schadenregulierung. (Foto: ZDK)

Die Versicherer in der Kfz-Haftpflicht versuchen immer stärker, die Entscheidungsprozesse nach einem Schaden zu kontrollieren. Nach der klassischen Schadensteuerung locken sie nun mit der – für die Versicherten vermeintlich positiven – schnellen und unkomplizierten Regulierung per App. Warum dabei Werkstätten wie Versicherte verlieren, erläutert ZDK-Vizepräsident Wilhelm Hülsdonk.

Redaktion: Herr Hülsdonk, erste Versicherer arbeiten mit Apps, die Kunden nutzen sollen, wenn sie einen Unfall haben. Was steckt dahinter?

Wilhelm Hülsdonk: Mit diesen neuen Apps nutzen einige Versicherungsunternehmen den Trend, möglichst viele Lebenssituationen online zu bewältigen. Dies gilt auch für die Versicherer-Apps, die zur Abwicklung eines Unfalls eingesetzt werden sollen.

Warum sehen Sie dies kritisch?

Weil es hier in erster Linie um das Organisieren von Kostenvorteile für die Versicherer geht! Mit nur wenigen Klicks sollen Autofahrer ihren Schaden melden. Auf Basis der übermittelten Daten wird sehr schnell die angebliche Schadenhöhe festgelegt und ein Festbetrag angeboten. Der Kunde kann wählen: Entweder Festbetrag sofort aufs Konto oder Vermittlung an eine Partner-Werkstatt, die dann zum kalkulierten Preis reparieren muss. Da hört der Spaß auf.

Inwiefern?

Den Schaden schätzt ein von der Versicherung beauftragter Prüfdienstleister im Schnelldurchlauf. Das soll nur anhand von Smartphone-Fotos des Geschädigten geschehen – ohne Inaugenscheinnahme des Fahrzeugs oder Freilegen beschädigter Teile. Da geht Schnelligkeit auf Kosten der Gründlichkeit. Davon profitieren meistens nicht die Kunden, sondern der Versicherer. Sie drängen sich mit aller Macht zwischen Werkstatt und Verbraucher, um davon zu profitieren. Demnächst liefern sie auch noch die Ersatzteile. Solche Pläne gibt es bereits.

Warum lassen sich die Verbraucher darauf ein?

Das muss man natürlich die Autofahrer selbst fragen. Häufig wissen sie gar nicht, welche Prozesse hinter den Apps stecken und wie sich diese auswirken. Die Verbraucher wählen den vermeintlich bequemen Weg und erfahren erst beim späteren Werkstattbesuch oder von einem Gutachter von den Nachteilen.

Was lässt sich diesem Trend gegensteuern?

Nicht alles, was online machbar ist, ist auch sinnvoll. Wollen Autofahrer nicht in die Falle treten, brauchen wir dringend mehr Aufklärung. Da sind alle Autohäuser und Werkstätten gefragt, aber auch Verbände und Organisationen, die sich für die Interessen der Verbraucher einsetzen.

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