Autoindustrie stellt Bedingungen für Klima-Ziele

Zetsche fordert von Politik Investitionen in Infrastruktur

| Autor: dpa

Dieter Zetsche ist neben seinem Hauptamt als Daimler-Chef auch ACEA-Präsident.
Dieter Zetsche ist neben seinem Hauptamt als Daimler-Chef auch ACEA-Präsident. (Bild: Daimler)

Europas Autoindustrie will sich nur unter bestimmten Bedingungen auf mittelfristig schärfere Emissionsziele für das klimaschädliche Kohlendioxid einlassen. Der europäische Autoherstellerverband Acea schlägt zunächst eine Reduzierung der CO2-Abgasemissionen von 2021 bis 2030 von 20 Prozent vor.

„Das ist eine scharfe Reduktion“, sagte Verbandspräsident und Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche am Mittwoch auf der Internationalen Automobilausstellung IAA in Frankfurt. Bedingung soll aber sein, dass die ohne Abgase fahrenden Elektroautos künftig gut beim Käufer ankommen und eine entsprechende Ladeinfrastruktur vorhanden ist.

IAA 2017: So stellen sich die Hersteller die Zukunft vor

Das endgültige Reduktionsziel für 2030 soll demnach im Jahr 2025 überprüft werden. „Wenn Elektroautos von den Kunden stärker akzeptiert werden, könnten die Ziele auch noch höher gesetzt werden – und umgekehrt“, sagte Zetsche. Wie stark der Aufschwung bei Elektromobilität konkret sein müsse, damit die vorgeschlagenen Ziele umgesetzt werden können, müsse Gegenstand der Diskussion mit der EU-Kommission in Brüssel werden, sagte Acea-Generalsekretär Erik Jonnaert.

Die Bundesregierung reagierte zurückhaltend. Das Umweltministerium verwies in Berlin darauf, dass es nicht Aufgabe der Automobilindustrie sei, Vorschläge für die eigene Regulierung zu machen. „Diese Vorgaben macht immer noch die Politik“, betonte ein Ministeriumssprecher. In diesem Zusammenhang verwies er darauf, dass die EU-Kommission noch in diesem Herbst Vorschläge machen wolle. Das Umweltministerium setze unverändert auf eine Quote für emissionsarme Fahrzeuge, um so die Elektromobilität zu fördern.

95-Gramm-Grenze rückt immer näher

Bis 2021 müssen Autohersteller nach EU-Vorgaben derzeit die Emission von CO2 in ihrer Fahrzeugflotte auf 95 Gramm pro gefahrenem Kilometer senken, sonst drohen ihnen empfindliche Strafen. Derzeit liegen etwa die deutschen Autobauer Daimler und BMW noch deutlich über dieser Schwelle – im vergangenen Jahr lag der Ausstoß pro gefahrenem Kilometer bei jeweils mehr als 120 Gramm. Die Dieselkrise erschwert den Autobauern, die Ziele zu erreichen, da Dieselantriebe im direkten Vergleich mit Benzinern bei gleicher Leistung wegen des geringeren Kraftstoffverbrauchs weniger CO2 ausstoßen. Zudem verkaufen die Autobauer im Schnitt immer stärker motorisierte große Autos, was die Ziele ebenfalls erschwert.

Derzeit bröckelt der Marktanteil von Dieselfahrzeugen unter anderem wegen der Diskussion um Fahrverbote insbesondere bei privaten Autokäufern in Deutschland und auch in Europa deutlich. Streitpunkt ist der Ausstoß von gesundheitsgefährdenden Stickoxiden (NOx). Im September 2015 war aufgeflogen, dass der Volkswagen-Konzern Diesel-Modelle mit einer illegalen Prüfstandserkennung ausgestattet hatte, rund 11 Millionen Fahrzeuge weltweit waren betroffen.

Ob Elektroautos bei den Autokäufern wie von den Herstellern geplant auch wirklich nachgefragt werden, steht noch in den Sternen. Derzeit sind die Autos teurer und haben geringere Reichweiten als Modelle mit konventionellem Antrieb. Oft fehlen auch ausreichende Lademöglichkeiten. Am Markt verfügbare Elektromodelle verzeichnen zwar hohe Wachstumsraten, das Niveau der Nachfrage ist aber weiter niedrig.

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